«Muslime werden oft nicht angesprochen»


Der Psychologe Ahmad Mansour zählt zu den profiliertesten Islamismus-Experten in Deutschland. | Bild: Heike Steinweg

Für Ahmad Mansour stehen vor allem die Schulen in der Pflicht, wenn es um die Prävention von religiöser Radikalisierung und Antisemitismus geht. Die Politik habe die Dimension der Integrationsaufgabe noch nicht verstanden, sagt der Psychologe.

Interview Isabelle Daniel | Luzerner Zeitung

Familiennachzug, Alterskontrollen bei Flüchtlingen, muslimischer Antisemitismus: In den Koalitionsverhandlungen zwischen SPD und Union spielten Einwanderung und Integration eine grosse Rolle. Gehen die Vereinbarungen im Koalitionsvertrag in die richtige Richtung?

Nein, absolut nicht. Die Massnahmen, die im Koalitionsvertrag genannt werden, sind viel zu allgemein formuliert. Ich habe viele wohlgemeinte Worte, aber keine konkreten Massnahmen im Koalitionsvertrag finden können.

Was fehlt aus Ihrer Sicht?

Es fehlt eine zentrale Strategie, schon mit Blick auf die Definition von Integration: Wann ist jemand eigentlich integriert? Wie vermitteln wir Werte? Wie gehen wir mit Menschen um, die in unserem Land leben, aber unsere Werte und Gesetze nicht akzeptieren? Wie erreichen wir, dass Menschen ihre antisemitische Einstellung aufgeben? Dass auf diese Fragen Antworten fehlen, zeigt, dass die Unterzeichner des Koalitionsvertrags die Dimension dieser Aufgabe noch nicht richtig verstanden haben.

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