Post aus der Todeszelle


Jeder hat eine zweite Chance verdient, sagt Jana Scheer, zumindest die Chance auf eine Freundschaft. (Foto: Stephan Rumpf)
Die Münchner Ärztin Jana Scheer bekommt seit vier Jahren Botschaften aus dem Hochsicherheitstrakt eines texanischen Gefängnisses. Ihr Brieffreund ist ein Mörder und Vergewaltiger.

Von Julia Huber | Süddeutsche Zeitung

Als Jana Scheer den ersten Brief von Henry Carter liest, schluckt sie erst einmal. „Ich will, dass du mir eine Sache versprichst“, steht da. „Dass du niemals aufhörst, mir zu schreiben, ohne zu sagen, warum.“ Kleine Kuli-Druckbuchstaben auf dünnem Papier. Geschrieben von einem Mann, den Scheer noch nie gesehen hat. Henry Carter heißt eigentlich anders. Er hat Dinge getan, auf die er nicht stolz ist. Er ist ein Mörder und Vergewaltiger. Und nun sitzt er dafür in einer texanischen Todeszelle. Sein Satz katapultiert ihr Kennenlern-Geplänkel in die Ernsthaftigkeit. Carter pfeift auf Smalltalk. Er will sich absichern. Scheer nimmt einen Stift und schreibt zurück: „Ich versprech’s dir.“

weiterlesen