Afrin: Die Propaganda der einen ist die der anderen


Nach dem von türkischen und kurdischen Medien veröffentlichten Bild sollen vier alte Menschen gefesselt und mit Sprengfallen umgeben worden sein. Bild: TP
Eine unwahrscheinliche Geschichte soll mit denselben Bildern die bösen „YPG/PKK-Terroristen“ oder die bösen türkischen Soldaten entlarven

Von Florian Rötzer | TELEPOLIS

Im Krieg um Afrin gab es am Wochenende eine seltsame Propagandakampagne von Seiten der Türken und der kurdischen YPG. Interessant ist das deshalb, weil beide Seiten dieselben Bilder verwenden, um den jeweils anderen zu beschuldigen. Es werden also für die Bilder und Videos unterschiedliche Kontexte hergestellt, die für einen Außenstehenden kein Indiz dazu liefern, welche Version die richtige ist. Der türkische Präsident Erdogan sieht eine globale anti-türkische Propaganda und YPG-Unterstützer am Werke, die mit gefälschten Bildern die Operation Olivenzweig diffamieren wollen. Festzustellen ist, dass die türkische Regierung mit den kontrollierten türkischen Medien eine einseitige Propagandaversion verbreiten wollen, die aber so – orientalisch? – übertrieben ist, dass sie die meisten Menschen mit einigermaßen klaren Kopf kaum wird überzeugen können.

Am Samstag meldete die staatliche türkische Nachrichtenagentur AA unter dem Titel „Terroristen fesseln alte Dorfbewohner und bringen Minen an“, die türkischen Streitkräfte hätten bei der Eroberung des Dorfes Maskah vier alte Menschen in einer Scheune entdeckt. Die seien von YPG-Kämpfern, für die Türkei Terroristen, dort eingesperrt und gefesselt worden, als die türkischen Truppen mit ihren Milizen sich näherten. Dazu seien in der Scheune Minen und Sprengfallen angebracht worden, an der Türe seien Handgranaten angebracht gewesen sein. Die Sprengfallen seien entfernt und die vier Menschen an einen sicheren Ort gebracht worden.

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