Forensik: Der Todeszeitpunkt steckt in der DNA


Gewebeproben können helfen, den Todeszeitpunkt nach Gewaltverbrechen präziser festzustellen. Bild: dpa
Die präzise Feststellung, wann nach einem Gewaltverbrechen der Tod eingetreten ist, kann entscheidend sein. Eintretende zelluläre Veränderungen könnten hierfür eine neue Strategie eröffnen.

Von Hildegard Kaulen | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Der genaue Todeszeitpunkt nach einem Gewaltverbrechen lässt sich mit Hilfe der DNA möglicherweise noch genauer ermitteln. Normalerweise wird er über Körpertemperatur, Leichenflecken und Totenstarre bestimmt. Hat die Verwesung eingesetzt, nutzt man auch Maden- und Insektenarten. Allerdings sind solche Erhebungen störanfällig, so dass oft nur ein Zeitraum und kein genauer Todeszeitpunkt angegeben werden kann.

Roderic Guigó vom „Centre for Genomic Regulation“ in Barcelona und seine Kollegen wollen nun die mit dem Tod einsetzenden zellulären Veränderungen für eine präzise Bestimmung nutzen. Beim Ableben kommt der Zellstoffwechsel nicht sofort zum Erliegen, sondern es werden noch stundenlang weiter Gene abgelesen und Proteine synthetisiert – allerdings radikal anders als vor dem Tod. Im Blut schnellt die Produktion von Stressfaktoren in die Höhe. In anderen Geweben werden Unmengen an Proteinen gebildet, die den Sauerstofftransport verbessern sollen, obwohl gar kein Sauerstoff mehr nachkommt.

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