Laizität statt Laizismus

Arik Platzek (Deutschlandradio/ Arik Platzek privat)
So recht freuen können sich Konfessionsfreie über die sinkende Zahl von Kirchenmitgliedern nicht. Arik Platzek vom Humanistischen Verband sagt, noch immer würden Nicht-Religiöse wie Bürger zweiter Klasse behandelt. Trotzdem lehnt er eine strikte Trennung zwischen Kirche und Staat wie in Frankreich ab.

Arik Platzek im Gespräch mit Susanne Fritz | Deutschlandfunk

Susanne Fritz: Die deutsche Gesellschaft wird säkularer. Ein Drittel der Bundesbürger findet in den Kirchen keine Heimat. Aber auch bei den katholischen Gläubigen gibt es einen Riss zwischen ihrer Lebenswelt und der katholischen Lehre. Das hat eine Studie von Papst Franziskus im Jahr 2013 ergeben. Im Studio in Berlin sitzt jetzt Arik Platzek vom Humanistischen Verband. Guten Morgen, Herr Platzek!

Arik Platzek: Guten Morgen!

Fritz: Der Humanistische Verband ist die Stimme von Konfessionslosen, Atheisten und Agnostikern. Freuen Sie sich über den Mitgliederschwund der Kirchen?

Platzek: Wir schauen grundsätzlich neutral darauf, denn wie wir in dem Beitrag gehört haben. gehört haben, sind die Motive ganz unterschiedlich. Sind es Motive rein finanzieller Natur oder ist es ein genereller Rückzug in die Privatheit? Ich glaube, da müssen wir wirklich auf den Einzelfall schauen bei der Vielzahl der Beweggründe, warum Menschen sagen, dass sie sich keiner Kirche mehr verbunden fühlen wollen. Positiv insofern sagen wir natürlich, ist es, dass das Verhältnis zwischen Staat und den religiösen Institutionen vermehrt diskutiert wird, weil religiöse Bindung oder kirchliche Bindung in der Gesellschaft abnimmt, und eben auch wieder stärker Gesprächsbedarf entsteht zur Frage: Warum werden Konfessionsfreie und Nicht-Religiöse teilweise in der Bundesrepublik Deutschland wie Bürger zweiter Klasse behandelt? Wo müssen wir was verändern, um der Vielfalt der religiösen und weltanschaulichen Auffassungen und auch der Gleichbehandlung zwischen den verschiedenen religiösen und weltanschaulichen Gemeinschaften in Zukunft besser gerecht zu werden?

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Religionsunterricht unbeliebter als Mathe: „Luft nach oben“

Ein Kreuz hängt im Klassenzimmer einer Schule. dpa/Karl-Josef Hildenbrand
Er soll Werte wie Toleranz vermitteln und existenzielle Fragen beantworten: Der Religionsunterricht an Schulen. Die evangelische Landeskirche in Bayern will ihn in Zukunft besser machen. Das könnte auch nötig sein, wie eine Umfrage nun zeigt.

FOCUS ONLINE

Welche Bedeutung hat der Religionsunterricht für Menschen in Bayern? Eine Frage, die die evangelische Landeskirche gerade umtreibt. Um das Fach zukunftsfähiger und besser zu machen, gab die Kirche im Rahmen eines Entwicklungsprojekts eine Studie beim Meinungsforschungsinstituts Kantar Emnid dazu in Auftrag. Demnach ist Religionsunterricht unbeliebter als das Fach Mathematik, wie es in der am Mittwoch veröffentlichten Umfrage hieß.

Bei der Frage nach dem Beliebtheitsgrad landete Religion mit 38 Prozent hinter Mathe (42 Prozent) auf dem vorletzten Platz. Nur Physik schnitt mit 32 Prozent schlechter ab. Auf den Spitzenplätzen landeten den Angaben zufolge Biologie (59 Prozent), Geschichte (55 Prozent) sowie Deutsch und Sport (jeweils 54 Prozent).

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Spahn und Gysi bei Buchvorstellung in Berlin: „Mit der Bergpredigt können Sie kein Land regieren“

CDU-Politiker Jens Spahn beim Parteitag der Christdemokraten.Foto: AFP/Tobias Schwarz
Jens Spahn, der Katholik, nimmt die Essener Tafel in Schutz. Gregor Gysi, der Atheist, warnt vor einer „gottlosen Gesellschaft“. Eine Diskussion über das Christentum.

Von Malte Lehming | DER TAGESSPIEGEL

Er spricht es selbst an, jenes „große europäische Thema, das Westeuropa die nächsten fünfzig Jahre beschäftigen wird“. Flüchtlinge, Einwanderung, Islam, Integration. Vom Brexit bis zum Wahlergebnis in Österreich: Darum geht’s. Alles andere ist alles andere. Jens Spahn ist in seinem Element. Da sei die konservativ-reaktionäre Koran-Auslegung vieler Moscheegemeinden, unter der vor allem Frauen und Andersgläubige zu leiden hätten. „Gut möglich, dass uns der Laden irgendwann um die Ohren fliegt.“ Schließlich habe es seit 500 Jahren aus dem arabischen Kulturkreis auch keine wirtschaftlichen Innovationen gegeben.

Fast nahtlos landet Spahn dann beim Streit um die Essener Tafel. Der Sozialstaat habe sich bislang immer als Nationalstaat definiert, sagt er. Jeder Bürger dieses Nationalstaats habe Steuern in die Kassen der Solidargemeinschaft gezahlt.

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Alvys Fehler und der Sinn des Lebens

Foto: pixabay.com / geralt
Die Wissenschaft enthüllt unsere tiefste Bestimmung

Michael Shermer | Richard-Dawkins-Foundation

In einer Rückblende im Film Der Stadtneurotiker von 1977, will Woody Allens Charakter Alvy Singer, ein depressiver kleiner Junge, seine Hausaufgaben nicht machen, denn, so erklärt er seinem Doktor:

„Das Universum expandiert. […] Nun, das Universum ist alles und wenn es expandiert, wird es eines Tages auseinanderfallen und das wird dann das Ende der Welt sein.“

Seine wütende Mutter rügt ihn:

„Was hat das Universum bitteschön damit zu tun?! Du bist hier in Brooklyn. Brooklyn expandiert nicht!“.

Nennen wir es „Alvys Fehler“: Den Zweck von etwas auf der falschen Analyse-Stufe zu bewerten. Die Ebene auf der wir unser Handeln bewerten ist die menschliche Zeitskala von Tagen, Wochen, Monaten und Jahren – unsere Lebensspanne von 80 Jahren plus minus 10 – aber nicht die Milliarden Jahre auf dem kosmischen Kalender. Es ist ein Fehler, den Theologen häufig begeben, wenn sie behaupten, dass ohne eine externe Quelle, aus der sich Moral und Sinnstiftung ableiten lassen, nichts von Bedeutung ist.

Einer der prominentesten Theologen unserer Zeit, William Lane Craig, war vor Alvys Fehler nicht gefeit, als er 2009 in einer Debatte an der Columbia University mit dem Philosophen Shelly Kagan von der Universität Yale verkündete

„Gemäß der naturalistischen Sichtweise wird alles letztendlich des Universums im Wärmetod zugrunde gehen. Wenn das Universum expandiert, kühlt es nach und nach ab, bis die Energie verbraucht ist. Irgendwann sind alle Sterne ausgebrannt, alle Materie wird zu toten Sternen und schwarzen Löchern kollabieren, es wird kein Leben geben, keine Wärme, kein Licht – nur Sternenleichen und Galaxien, die in die ewige Dunkelheit entfliehen. In Anbetracht dieses Endes erscheint es mir schwer verständlich, warum unsere moralischen Entscheidungen irgendeine Art von Bedeutung haben sollten. Es gibt keine moralische Rechenschaft. Das Universum ist weder besser oder schlechter, egal was wir tun. Unser moralisches Leben wird ausgehöhlt, weil wir keinerlei kosmologische Bedeutung haben.“

Kagan nagelte Craig auf diese Aussage fest und bezog sich auf dessen Beispiel der gottlosen Folterer:

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Streit über „Glaubenskompass Islam“

Die Spitze des Minarett der Yavus Sultan Selim Moschee mit dem Halbmond und das Kreuz auf der Kirchturmspitze der Liebfrauenkirche in Mannheim. (picture alliance / dpa / Ronald Wittek)
Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Mazyek, hat die Bischofskonferenz aufgefordert, gegen das katholische Hilfswerk „Kirche in Not“ vorzugehen.

Dlf24

In einem sogenannten Glaubenskompass stellt die Stiftung den Islam als gewalttätig dar. Mazyek sagte dem Deutschlandfunk, die Fehler und die Polemik müssten aus der Handreichung entfernt werden. Der Öffentlichkeitsreferent der „Kirche in Not“, Pelster, wies die Vorwürfe zurück. Man habe sich bei der Darstellung der anderen Religion auf die Hauptströmung, den sunnitischen Islam, beschränkt. Pelster betonte, im Koran sei an vielen Stellen vom Dschihad die Rede. Dabei gehe es um einem Krieg um des Glaubens Willens, also eher der militanten Auslegung des Dschihad.

Der Tübinger Islamwissenschaftler Khalfaoui bezeichnete die Darstellung des Islam in der Broschüre als fahrlässig. „Kirche in Not“ propagiere eine verkürzte Version, die längst nicht auf der Höhe der aktuellen wissenschaftlichen Diskussion sei. Im Islam wie im Christentum gebe es eine Vielzahl von Strömungen – von fundamentalistisch bis modern-liberal. Er habe Sorge, dass die Informationen zu einer Missinterpretation des Islam in der christlichen Rezeption führen könnten.

Das internationale katholische Hilfswerk „Kirche in Not“ wurde 1947 in Belgien gegründet. Papst Benedikt XVI. verlieh der Organisation 2011 den Status „päpstliche Stiftung“.

„Mord kann es auch sein, wenn die Tötung nicht das Ziel ist“

Einer der beiden Angeklagten vor einem Jahr im Landgericht in Berlin (Foto: picture alliance / Gregor Fische)
Der Bundesgerichtshof entscheidet heute darüber, ob zwei Raser in Berlin zu Recht wegen Mordes verurteilt wurden. Strafrechtsexperte Michael Kubiciel von der Uni Augsburg hat dazu eine klare Haltung.

Interview von Markus C. Schulte von Drach | Süddeutsche Zeitung

Der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe entscheidet am heutigen Donnerstag, ob das Landgericht Berlin zwei Raser zu Recht wegen Mordes verurteilt hat. Die beiden jungen Männer hatten bei einem Wettrennen in der Hauptstadt einen Mann getötet. Das Berliner Urteil hat erhebliche Diskussionen ausgelöst. Fragen an Michael Kubiciel, Professor für Deutsches, Europäisches und Internationales Straf- und Strafprozessrecht an der Universität Augsburg.

SZ: Wieso hat das Landgericht Berlin die beiden Angeklagten wegen Mordes verurteilt? Ähnliche Fälle wurden zuvor nie so entschieden.

Michael Kubiciel: Im Kern lautete die Überlegung des Landgerichts folgendermaßen: Wenn man sich der hohen Gefahr einer Handlung bewusst ist, wenn man die damit verbundenen tödlichen Risiken kennt, dann widerspricht man sich, wenn man behauptet, man habe nicht gewollt, dass jemand umkommt.

Von der Vorgeschichte der beiden Angeklagten her ist klar, dass sie sich der Gefahren bewusst waren, man kann sogar sagen, dass sie diese Gefahren gesucht haben. Schließlich haben sie sich ja keinen abgelegenen Stadtteil ausgesucht, oder eine Rennstrecke.

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Kasseler Ärztinnen wegen §219a angeklagt

Demonstration vor dem Amtsgericht in Gießen: Frauen fordern die Abschaffung des sogenannten Abtreibungsparagaphen 218 und des Paragraphen 219. Foto: dpa
Zwei Medizinerinnen wird Werbung für Abtreibung vorgeworfen. Sie hatten darüber informiert, dass in ihrere Praxis Schwangerschaftsabbrüche vorgenommen werden.

Von Danijel Majic | Frankfurter Rundschau

Die Kasseler Staatsanwaltschaft hat nach FR-Informationen Anklage gegen zwei Ärztinnen erhoben, denen unerlaubte Werbung für Schwangerschaftsbrüche vorgeworfen wird. Der FR liegen Teile der Anklageschrift vor, aus denen hervorgeht, dass die Staatsanwaltschaft bereits am 22. Februar die Eröffnung des Hauptverfahren gegen die beiden Medizinerinnen wegen Verstoßes gegen den umstrittenen Paragrafen 219a des Strafgesetzbuches beantragt hat. Die Staatsanwaltschaft selbst wollte den Vorgang auf Anfrage dieser Zeitung nicht bestätigen, da noch keine Zustellungsurkunde vorliege.

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Widerstand in Spanien und Portugal gegen offene Uran-Mine

Image: Berkeley energia.com
Tausende Menschen aus beiden Ländern protestierten in Salamanca gegen den größten geplanten Uran-Abbau in Europa, Portugal fordert Aufklärung

Ralf Streck | TELEPOLIS

Wenn es um Energiefragen geht, könnte der Widerspruch zwischen Portugal und Spanien kaum größer sein. Während in Portugal sogar die Konservativen auf erneuerbare Energien gesetzt haben, Atomkraft ablehnen und sich mit der gesamten Linken für die Abschaltung des spanischen Pannen-Atomkraftwerks Almaraz an ihrer Grenze einsetzen, ist das in Spanien ganz anders. Dort wollte die Volkspartei (PP) sogar einen Uraltmeiler wieder ans Netz zu nehmen, was allerdings an den Betreibern scheiterte, die das als unwirtschaftlich abgelehnt haben.

Deshalb kommt es immer wieder zu Spannungen zwischen beiden Ländern. Dazu kommt jetzt, dass Spanien dem britisch australischen Konzern Berkeley Energy grundsätzlich erlaubt hat, an der portugiesischen Grenze mit dem „Salamanca-Projekt“ die größte offene Uran-Mine in Europa zu schaffen, um für „saubere Energie für Europa“ zu sorgen, wie die Firma realsatirisch ihr Vorhaben bewirbt. Das Salamanca-Projekt könne „zu den weltweit preisgünstigsten Produzenten“ gehören und deshalb trotz niedriger Uranpreise hohe Gewinne erwirtschaften, versucht die Firma Investoren anzulocken.

Angesichts der Tatsache, dass Bagger schon bereitstehen, Baucontainer am Rand von Villavieja de Yeltes schon aufgestellt wurden und am Wochenende in Salamanca tausende Menschen aus Spanien und Portugal trotz eisiger Kälte gegen die Uran-Mine demonstriert haben, hat der portugiesische Umweltminister João Pedro Matos Aufklärung von seiner spanischen Kollegin Isabel García Tejerina gefordert. Dass hier Brennstoff für Atomkraftwerke geschürft werden soll, die man im kleinen Portugal ablehnt, dafür aber Gefahren für die Bevölkerung und die Region drohen, will man in Portugal nicht hinnehmen. Das Treffen der beiden Minister soll Mitte März stattfinden.

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Fast 4.000 „Reichsbürger“ in Bayern

Grafik: TP
Innenminister Herrmann: „Es handelt sich nicht um irgendwelche Spinner“. Zum Personenkreis der obskuren Szene gehören auch Polizisten

Thomas Pany | TELEPOLIS

In Bayern gibt es immer mehr „Reichsbürger“, jedenfalls, was die veröffentlichten Zahlen der Personen angeht, die als solche identifiziert wurden. Wie CSU-Innenministers Joachim Herrmann am Mittwoch, den 28.02. 2018, im Landtag bekannt gab, zählt man in Bayern derzeit 3.850 die zu dieser etwas obskuren „Szene“ gerechnet werden, die als gemeinsames Kennzeichen die Nicht-Anerkennung der Bundesrepublik hat.

Das südliche Bundesland stelle mit den beinahe 4.000 „Reichsbürgern“ etwa ein Viertel der bundesweit bekannten „Reichsbürger“, wird berichtet. In ganz Deutschland sollen es 15.600 “ Reichsbürger und sogenannte Selbstverwalter “ sein, eine Zahl, die laut Informationen des Focus von „Verfassungsschutzämtern der Länder“ stammen soll. Berichte darüber erschienen Mitte Januar dieses Jahres.

Schon da war von einer Steigerung die Rede, da man Anfang Januar 2017 noch von 15.000 dieser als gefährlich eingestuften politischen Eigenbrötler ausging. Im Focus-Bericht wurde Bayern als bundesdeutsches Gelände mit dem größten Anteil dieser Szene dargestellt, mit 3.500 „Reichsbürgern“.

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Methadon: Doch keine Wirkung gegen Hirntumor?

Zelle eines Hirntumors. Offenbar hat Methadon auf Glioblastomzellen doch keine Wirkung – ihnen fehlen die Andockstellen für das Opioid. © man at mouse/ iStock
Doch keine Wirkung? Methadon wirkt offenbar offenbar doch nicht gegen Hirntumore. Neue Tests belegen, dass das Opioid-Schmerzmittel die Krebszellen weder direkt angreift noch sie sensibler gegenüber der Chemotherapie macht. Der Grund: Anders als gedacht tragen die meisten Glioblastom-Zellen keine Opioid-Rezeptoren auf ihrer Zelloberfläche – und können daher nicht auf das Methadon ansprechen, wie Forscher des Deutschen Krebsforschungszentrums herausgefunden haben.

scinexx

Im Sommer 2017 weckte eine Fernsehdokumentation bei vielen Krebspatienten die Hoffnung auf ein neues „Wundermittel“ gegen Krebs. Denn sie stellte Patienten vor, deren Krebserkrankung durch die Gabe von Methadon gebessert und teilweise sogar geheilt wurde. Zudem berichtete Claudia Friesen von der Universität Ulm, dass Tumorzellen verschiedenster Krebsformen schnell und vollständig absterben, wenn die Zellkulturen zusätzlich zu einem Chemotherapeutikum mit Methadon versetzt werden.

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Grabeskirche, Immobilien-Geschäfte und 185 Millionen Dollar Steuerschuld

Bild: tilly
Offensichtlich sind der katholischen und der griechisch-orthodoxen Kirche religiöse Gefühle manchmal schnuppe. Denn ihre Entscheidung vom Sonntag, die Grabeskirche in Jerusalem vorübergehend dichtzumachen, traf in erster Linie christliche Pilger. Viele von ihnen hatten jahrelang für diese Reise gespart und standen – bis zur Wiederöffnung am Mittwoch – nun frustriert vor verschlossenen Türen.

Von Ralf Balke | Jüdische Allgemeine

Näher am Herzen liegen den Kirchenoberhäuptern ihre Immobiliengeschäfte. Die will nämlich der israelische Staat besteuern. Dabei geht es ausdrücklich nicht um die heiligen Stätten des Christentums, Klöster oder Gotteshäuser, sondern um Grundstücke, die seit 2010 an private Investoren veräußert wurden und auf denen heute Hotels oder Einkaufszentren stehen – also profanes Business. 185 Millionen Dollar fordert der Fiskus, ein Gesetzentwurf, über den noch einmal gesprochen werden wird, ermöglicht gar Enteignung.

Um nicht zahlen zu müssen, fuhren der griechische Patriarch Theophilos III., sein armenisches Pendant Nourhan Manougian und Francesco Patton, Roms Kustos im Heiligen Land, schwere Geschütze auf. »Das erinnert uns alle an ähnliche Gesetze, die in Europas dunkelsten Stunden gegen Juden erlassen wurden«, erklärten sie gemeinsam. Mit dieser Analogie wollten sie sich zum Opfer hochjazzen und eine möglichst hohe Aufmerksamkeitsquote erreichen.

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Signal der ersten Sterne entdeckt

Schon 180 Millionen Jahre nach dem Urknall leuchteten die ersten Sterne im Kosmos – das verrät eine Radiosignatur im kosmischen Hintergrund. © N.R.Fuller/ National Science Foundation
Kosmische Zeitreise: Schon 180 Millionen Jahre nach dem Urknall leuchteten im Universum die ersten Sterne, wie Astronomen jetzt nachgewiesen haben. Sie entdeckten in der kosmischen Hintergrundstrahlung ein Signal, das durch dieses erste Sternenlicht entstand. Es stammt von Wasserstoff, der durch die UV-Strahlung der Sterne angeregt wurde – dies ist gleichzeitig der früheste Nachweis von Wasserstoff im Universum, wie die Forscher im Fachmagazin „Nature“ berichten.

scinexx

Als die ersten Sterne entstanden, brach im Universum eine neue Ära an – es wurde Licht. Doch wann dies geschah, ist strittig. So deuten Daten Planck-Satelliten zur kosmischen Hintergrundstrahlung darauf hin, dass die Hauptphase der Sternbildung erst 550 Millionen Jahre nach dem Urknall begann. Wenig später entdeckten Astronomen jedoch eine Galaxie, die schon 400 Millionen Jahre nach dem Urknall existierte.

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Den Segen bekam nur, wer ein Sturmgewehr zur Messe mitbrachte

Mitglieder der „World Peace and Unification Sanctuary“-Kirche zeigen sich beim Gottesdienst in Pennsylvania mit Krone und Sturmgewehr Quelle: AFP/DON EMMERT
Eine Religionsgemeinschaft in den USA hielt einen Gottesdienst zu Ehren des Maschinengewehrs AR-15. Die Gläubigen mussten gekrönt und bewaffnet in der Kirche erscheinen. Ihr spiritueller Führer verfolgt eine radikale Agenda.

Von Christoph Cöln | DIE WELT

Es sind bizarre Bilder, die in einer Kirche in Newfoundland, im amerikanischen Bundesstaat Pennsylvania, aufgenommen wurden. Sie zeigen hunderte Gläubige mit Sturmgewehren, schwarz gekleidete Männer, die ihre AR-15 umklammern oder voller Stolz ihre Revolver präsentieren. Bewaffnete Pastoren und Frauen, die aus Gewehrpatronen gefertigte Kronen auf dem Kopf tragen. Sie feiern einen ganz speziellen Gottesdienst. Die AR-15-Messe.

Ausgedacht hat sich die martialische Inszenierung ein Mann namens Moon Hyung-jin. Der 38-jährige Reverend ist der jüngste Sohn von Moon Sun-myung, dem im heutigen Nordkorea geborenen und später in die USA emigirierten Gründer der berüchtigten Vereinigungskirche, auch bekannt als „Moon-Sekte“.

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Kopftuch- und Kreuzverbot für Schöffen und Rechtsreferendare in NRW

Kruzifix Saal 600 Bild: bb
Nordrhein-Westfalen will Richtern, Staatsanwälten, Rechtsreferendaren, Schöffen und Justizmitarbeitern vor Gericht das Tragen „religiös oder weltanschaulich anmutender Kleidung“ untersagen. Das sehen die vom Kabinett gebilligten Eckpunkte für ein Neutralitätsgesetz vor, wie das Justizministerium am Mittwoch in Düsseldorf mitteilte. Das äußere Erscheinungsbild der Justizangehörigen dürfe im Hinblick auf die Neutralitätspflicht des Staates „nicht den geringsten Anschein von Voreingenommenheit“ erwecken.

evangelisch.de

Das betreffe vor allem die 20.000 Schöffen, also ehrenamtlichen Richter, sowie Rechtsreferendare, die vor Gericht die Staatsanwaltschaft vertreten, sagte ein Ministeriumssprecher dem epd. Hauptamtliche Richter, Staatsanwälte und Justizbeamte trügen in der Regel ohnehin Roben oder Uniformen. Zu religiöser oder weltanschaulicher Kleidung gehörten etwa das islamische Kopftuch, aber auch auffällige Kreuz-Ketten oder T-Shirts mit weltanschaulichen Aufdrucken.

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Mysteriöses Winterwetter: „Hitzewellen“ sorgten für Plusgrade in der Arktis

foto: nasa/kathryn hansen Die hohen Temperaturen lassen das Eis auf dem Ozean rund um den Nordpol rapide schmelzen. Durch den freiliegenden Ozean wird noch mehr Wärmeenergie abgeführt, was wiederum der Neubildung von Meereis entgegen wirkt – ein fataler Rückkoppelungseffekt.
Der Nordpol wurde von einer ungewöhnlichen Wärmephase heimgesucht. Ob sie mit dem Frost in Europa zu tun hat, ist unklar

derStandard.at

Während hierzulande die kalte Jahreszeit mit frostigen Temperaturen ihrem Namen alle Ehre macht, erlebte der Nordpol gerade eine rekordverdächtige „Hitzewelle“. Nach bisherigen Messungen könnte sich dieser Winter in der Arktis zu einem der wärmsten seit Aufzeichnungsbeginn entwickeln: Bei Cape Morris Jesup, einer Wetterstation am nördlichsten Punkt Grönlands, wurden von der dänischen Wetterbehörde am vergangenen Wochenende Temperaturen von über Null Grad Celsius registriert.

Zeitweise stieg das Quecksilber im Thermometer sogar auf einen Wert von 6,1 Grad Celsius – für diese Zeit des Jahres sei dies laut den Experten mehr als ungewöhnlich. Eine der Folgen dieses kuriosen Wetterphänomens mitten in der Polarnacht ist, dass arktisches Ozeaneis, welches derzeit eigentlich am dicksten sein sollte, stellenweise gänzlich geschmolzen ist und weite Meeresflächen offen zutage treten. Am 20. Februar bedeckte das Meereis in der Region weniger als 14 Millionen Quadratkilometer. Das ist 1,3 Millionen Quadratkilometer unter dem langjährigen Schnitt, seit 1979 wurde kein geringerer Wert gemessen.

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Katholische Jugend fordert Katholikentag ohne AfD

Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) hat die Einladung eines AfD-Vertreters zum diesjährigen Katholikentag in Münster scharf kritisiert. Die Entscheidung der Katholikentagsleitung sei nicht nachvollziehbar und ein „fatales Signal“, sagte die BDKJ-Bundesvorsitzende Lisi Maier am Mittwoch in Düsseldorf. Medienberichte und parteiinterne Richtungsentscheidungen zeigten, dass sich die AfD in den vergangenen zwei Jahren klar radikalisiert habe. „Der Katholikentag darf keine Bühne für Rechtspopulistinnen und Rechtspopulisten sein“, betonte Maier. In einem Beschluss fordert der BDKJ-Hauptausschuss die Ausladung des kirchenpolitischen Sprechers der AfD-Bundestagsfraktion, Volker Münz.

evangelisch.de

Nach Ansicht des katholischen Jugendverbandes sind Christsein und die Mitgliedschaft bei AfD unvereinbar. „Aus unserem christlichen Menschenbild heraus setzen wir uns in den katholischen Jugendverbänden wie viele andere kirchlichen Organisationen für Solidarität und Toleranz ein und sind aktiv für die Integration von Geflüchteten“, erklärte Maier. Der BDJK beziehe deutlich Stellung gegen Organisationen und Parteien, die rassistische und nationalistische Positionen vertreten sowie gegen eine pluralistische und vielfältige Gesellschaft eintreten. Dem Dachverband gehören 17 katholische Jugendverbände mit rund 660.000 Mitgliedern an.

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YouTube Bans Channel of American Neo-Nazi Extremist Group Atomwaffen Division

Image: MOTHERBOARD
YouTube’s removal only comes after a media flurry around the platform’s inaction on neo-Nazi content.

Joseph Cox | MOTHERBOARD

YouTube has banned a channel belonging to Atomwaffen Division, an American neo-Nazi group that has been linked to several murders, for violating the platform’s hate speech policies.

The action was not swift, however: the ban comes days after a flurry of media attention on Atomwaffen and YouTube’s inaction around the group, and on Tuesday the Anti-Defamation League asked YouTube to remove offending videos immediately.

“This account has been terminated due to multiple or severe violations of YouTube’s policy prohibiting hate speech,” a banner on an Atomwaffen YouTube channel reads as of Wednesday. All of the account’s videos have been removed; it was previously hosting around a dozen propaganda and other videos. The videos had been online since between June and October last year.

Atomwaffen hit the news recently when ProPublica published an extensive, inside look at the extremist group last Friday, based in part on chat logs from an Atomwaffen Discord room. Here, people in the group joked and celebrated the murder of a gay, Jewish college student by an Atomwaffen member.

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Was Städte unternehmen, um Fahrverbote zu vermeiden

Fahrverbot in der Dieselstraße? Nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes wäre das grundsätzlich möglich. (Foto: dpa)
  • Trotz des Urteils des Bundesverwaltungsgerichts, das Diesel-Fahrverbote erlaubt hat, wollen die meisten Städte Sperrzonen verhindern.
  • Vor allem jene Kommunen, die nur knapp über den Stickoxidgrenzwerten liegen, hoffen, das Problem mit anderen Maßnahmen in den Griff zu bekommen.
  • Ein Sonderfall ist Bayern: Das Umweltministerium stellt sich quer und weigert sich, über Fahrverbote nachzudenken.

Von Michael Bauchmüller, Dominik Hutter, Josef Kelnberger | Süddeutsche Zeitung

Am Anfang steht Tempo 30. Nicht irgendwo, sondern auf der Ost-West-Schlagader der Hauptstadt: der Leipziger Straße. Schon im April soll das Experiment anlaufen, mit neuen Schildern und neuen Ampelschaltungen. „Bis zum Jahresende wissen wir dann, was das bringt“, heißt es beim zuständigen Verkehrssenat. Brächten derlei Einschränkungen nichts, „wird es auch in Berlin streckenbezogene Fahrverbote geben müssen“, sagt Senatorin Regine Günther (parteilos).

So geht es nun in vielen deutschen Städten. Es herrscht das Prinzip Hoffnung. Von den etwa 70 Städten mit überhöhten Werten von Stickoxid (NOx) liegt nur ein Dutzend dramatisch über dem Grenzwert. Dieser verlangt einen Jahresmittelwert von 40 Mikrogramm NOx je Kubikmeter Luft. An Berlins Leipziger Straße aber sank der Wert im vorigen Jahr unter die Marke von 50 Mikrogramm.

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Reformation wird Feiertag in Hamburg

links: Bildnis von Gewalt gegen Juden entstanden 1250 ;rechts: „Von den Juden und ihren Lügen“: mit dieser Schrift begann Martin Luthers Serie judenfeindlicher Schriften von 1543. Bild: zu-Daily.de
Hamburger Bürgerschaft entscheidet, den 31. Oktober als „Tag der Reformation“ zu begehen

EKD

In Hamburg wird der 31. Oktober als „Tag der Reformation“ gesetzlicher Feiertag. Die Hamburgische Bürgerschaft votierte mit 66 von 121 Stimmen für einen entsprechenden Gruppenantrag von SPD-, CDU- und Grünen-Abgeordneten. Der Fraktionszwang war für die Abstimmung aufgehoben worden. Beschlossen wurde zugleich, dass am Reformationstag die Hamburger Museen keinen Eintritt erheben.

In Schleswig-Holstein wurde der neue Feiertag in der vergangenen Woche beschlossen, in Niedersachsen und Bremen ist eine Einführung geplant. In Mecklenburg-Vorpommern ist der 31. Oktober bereits Feiertag.

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Wahl Dodo des Monats Februar 2018

Dodo des Monats Februar 2018 ©HFR

Im vergangenen Monat gab es nur wenig Tage, an denen obskure und groteske Meinungen aus Politik und Kirchen nicht in die Medien schwemmten. Mögliche Kandidaten konnten nicht berücksichtigt werden, ob nun Dodo Laun, der Hilfsbischof aus Österreich, endlich in Rente, nicht darin gehindert größtmöglichen Blödsinn zu verkünden, natürlich alles im Namen seines himmlischen Freundes. Bedford-Strohm, der subalterne Regierungspfarrer bringt nun seinen Sohn um die Vergottung des Internets weiter entwickeln zu können. Zwangsmission via ZDF, Geld sammeln für ein fragwürdiges Projekt in Potsdam, die Kriegskirche. Vielleicht finden sich ja noch die Trophäen aus deutsch-französischen Kriegen, die man nach der Niederlage des 1. Weltkriegs schnell beseite geschafft hat. Und, und, und.
Seht selbst.

Die Wahl ist bis zum 07. März 2018, 18:00 Uhr, befristet. Am Folgetag wird der Gewinner hier gewürdigt werden. Viel Spaß!

  1.  Christian Gerlinger, „SPD-Ortsvorsitzender, mag keine Religionskritik.“
  2.  Manfred Lütz, „verbiegt die Geschichte des Christentums bis zum geht nicht mehr.“
  3.  Gemeinderat Herxheim am Berg, „mag es wenn das Hitler-Glöckchen Friedensmelodien läutet.“
  4.  Manfred Spieker, „die schwule Schöpfung seines Herrn will er nicht akzeptieren.“
  5.  Markus Dröge, „unterscheidet zwischen Flüchtlingen und Christen, bei letzteren soll bevorzugt werden.“
  6.  Monika Grütters, „politische Gottesmagd, die sich um Entchristlichung sorgt.“
  7.  Markus Söder, „Patrioten und Religiöse nicht zurücklassen, wann singt er ein Heimatlied?“
  8.  Peter Dabrock, „Vorsitzender Theologe des Ethikrates mit bigotter Ethik.
  9.  Eugen Brysch, „Kommunion und letzte Ölung auf dem OP?“
  10.  ZDF, „Staatsfernsehen mit Zwangsmission für Geldspenden zum Wiederaufbau einer Kriegskirche.“
  11.  Peter Homberger, „mit Kreationismus gegen den Kreationismus um die Evolutionstheorie zu widerlegen.“
  12.  Mechthild Löhr, „lebt ihre pränatalen Fruchtwasserträume aus.“
  13.  Alice Weidel, „nicht die hellste Kerze ihrer Partei.“
  14.  Angela Merkel, „normalisiert Länderbeziehungen, gut christlich, mit Waffengeschäften.“
  15.  Jens Spahn, „will seine dörfliche Leitkultur landesweit sehen.“
  16.  Heinz Josef Algermissen, „die Kirchenspaltung und der Atheismus, er ist 500 Jahre zurück.“

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