Alvys Fehler und der Sinn des Lebens


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Die Wissenschaft enthüllt unsere tiefste Bestimmung

Michael Shermer | Richard-Dawkins-Foundation

In einer Rückblende im Film Der Stadtneurotiker von 1977, will Woody Allens Charakter Alvy Singer, ein depressiver kleiner Junge, seine Hausaufgaben nicht machen, denn, so erklärt er seinem Doktor:

„Das Universum expandiert. […] Nun, das Universum ist alles und wenn es expandiert, wird es eines Tages auseinanderfallen und das wird dann das Ende der Welt sein.“

Seine wütende Mutter rügt ihn:

„Was hat das Universum bitteschön damit zu tun?! Du bist hier in Brooklyn. Brooklyn expandiert nicht!“.

Nennen wir es „Alvys Fehler“: Den Zweck von etwas auf der falschen Analyse-Stufe zu bewerten. Die Ebene auf der wir unser Handeln bewerten ist die menschliche Zeitskala von Tagen, Wochen, Monaten und Jahren – unsere Lebensspanne von 80 Jahren plus minus 10 – aber nicht die Milliarden Jahre auf dem kosmischen Kalender. Es ist ein Fehler, den Theologen häufig begeben, wenn sie behaupten, dass ohne eine externe Quelle, aus der sich Moral und Sinnstiftung ableiten lassen, nichts von Bedeutung ist.

Einer der prominentesten Theologen unserer Zeit, William Lane Craig, war vor Alvys Fehler nicht gefeit, als er 2009 in einer Debatte an der Columbia University mit dem Philosophen Shelly Kagan von der Universität Yale verkündete

„Gemäß der naturalistischen Sichtweise wird alles letztendlich des Universums im Wärmetod zugrunde gehen. Wenn das Universum expandiert, kühlt es nach und nach ab, bis die Energie verbraucht ist. Irgendwann sind alle Sterne ausgebrannt, alle Materie wird zu toten Sternen und schwarzen Löchern kollabieren, es wird kein Leben geben, keine Wärme, kein Licht – nur Sternenleichen und Galaxien, die in die ewige Dunkelheit entfliehen. In Anbetracht dieses Endes erscheint es mir schwer verständlich, warum unsere moralischen Entscheidungen irgendeine Art von Bedeutung haben sollten. Es gibt keine moralische Rechenschaft. Das Universum ist weder besser oder schlechter, egal was wir tun. Unser moralisches Leben wird ausgehöhlt, weil wir keinerlei kosmologische Bedeutung haben.“

Kagan nagelte Craig auf diese Aussage fest und bezog sich auf dessen Beispiel der gottlosen Folterer:

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1 Comment

  1. Letztlich haben Craig und Kagan, beide recht. Das Universum ist das Eine, die temporär darin in Erscheinung tretenden Lebewesen das Andere. Was die sich im Einzelnen so über sich und die Welt ausmalen, interessiert, ausser sie selbst, „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“, niemanden.

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