Südafrika: ANC will mit Enteignung punkten


Eine Rooisbos-Teamfarm in Südafrika. Foto: afp
Der Geist ist aus der Flasche. Südafrikas Parlament will darauf hinwirken, dass Landbesitz in Zukunft auch ohne Wiedergutmachung enteignet werden kann: Das jedenfalls haben die Volksvertreter kürzlich mit großer Mehrheit in Kapstadt beschlossen.

Von Johannes Dieterich | Frankfurter Rundschau

Die von der Regierungspartei ANC und mehreren kleineren Oppositionsparteien unterstützte Absicht löste prompt auf den Märkten Nervosität aus: Erstmals seit Wochen verlor die südafrikanische Währung an Wert, die Aktien sanken. Eine „Afriforum“ genannte Interessensgruppe weißer Südafrikaner kündigte eine internationale Kampagne gegen die Pläne an – als ob der frisch gekürte und umjubelte Präsident Cyril Ramaphosa nicht schon genug Probleme zu lösen hätte.

Die ungleiche Landverteilung gehört zu den am emotionalsten debattierten Themen am Kap: Auch 24 Jahre nach dem Ende der Apartheid sind noch immer 73 Prozent der landwirtschaftlich nutzbaren Flächen im Besitz von weißen Farmern. Seit 1994 wurden kaum 15 Prozent umverteilt – viel zu wenig in den Augen der schwarzen Bevölkerungsmehrheit, für die Landbesitz neben einem wirtschaftlichen auch einen symbolischen Wert hat. Schließlich waren die Afrikaner von den europäischen Eindringlingen ihres Landes beraubt worden, damals hatten auch sie keine Entschädigung bekommen.

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