Jedwabne, 1941: Das Pogrom, zu dem Polen alle Fragen verbietet


Bilder, die eindeutig das Massaker vom 10. Juli 1941 zeigen, sind bislang nicht aufgetaucht. Dafür gibt es andere grausame Fotos, die ähnliche Pogrome aus Lemberg in der Ukraine und Kaunas in Litauen zeigen Quelle: National Archives / Public Domain
Im Juli 1941 attackierten Einwohner der polnischen Kleinstadt Jedwabne ihre jüdischen Mitbürger. Doch was führte zum Ausbruch antisemitischer Gewalt? Genau diese Frage darf nach Polens Holocaust-Gesetz nicht mehr gestellt werden.

Von Sven Felix Kellerhoff | DIE WELT

Eigentlich war der 10. Juli 1941 ein ganz normaler Donnerstag. In dem polnischen Städtchen Jedwabne, 160 Kilometer nordöstlich von Warschau, begann der Sommertag ruhig. Doch dabei blieb es nicht.

Am frühen Vormittag nämlich begannen einige Dutzend Einwohner des Kleinstädtchens, die jüdischen Bewohner des Ortes zu attackieren. Sie wurden auf dem Marktplatz zusammengetrieben und hier stundenlang gequält. Mit Holzlatten und Rohren droschen rasende Antisemiten auf sie ein. Systematisch demütigten die Täter ihre Opfer; unter anderem mussten die unglücklichen Menschen unter dem Gejohle ihrer Peiniger Unkraut auf dem Platz jäten, singen und tanzen.

Am Nachmittag trieb der bewaffnete Mob die meisten der Juden in eine Scheune etwas außerhalb des Ortes. Sie wurde angesteckt; Hunderte Menschen verbrannten bei lebendigem Leib. Die katholischen Täter plünderten derweil die Häuser ihrer Opfer. Abends waren mindestens 340 Menschen tot: erschlagen, erstochen, einige Frauen zu Tode vergewaltigt, die meisten verbrannt.

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