Nackter Luther: War der Protest gerechtfertigt?


Bild: Föderation des Determinismus
Aktivisten haben gegen den Reformationstag als gesetzlichen Feiertag protestiert. Die Religionswissenschaftlerin Gabriele Richter findet die Aktion legitim.

Milan Jaeger | buten un binnen

Die Empörung bei einigen Bremern war groß, als am Donnerstag plötzlich eine nackte Luther-Figur auf dem Marktplatz stand. Die Giordano-Bruno-Stiftung hatte die Figur aus Protest gegen die Pläne, den Reformationstag in Bremen als gesetzlichen Feiertag einzuführen, aufgestellt.

Auch auf Facebook wurde die Aktion kontrovers diskutiert. Ein Post von buten un binnen erreichte bis Freitagnachmittag mehr als 400.000 Nutzer. Wir haben mit der Religionswissenschaftlerin Gabriele Richter von der Universität Bremen über die Positionen von Martin Luther gesprochen.

Frau Richter, war Martin Luther ein Antisemit?
Er war ein Antijudaist. Er war sehr davon überzeugt, dass alle Juden, sobald er seine Übersetzung der Bibel ins Deutsche abgeschlossen hat, sich zum Christentum bekennen würden. Als das nicht eintrat, war er bitter enttäuscht und hat gegen Juden gehetzt. Aber nicht in der Art und Weise, wie es Antisemiten in späteren Zeiten taten, sondern auf Grundlage der Religion. Das soll Luthers Positionen aber nicht relativieren. Die waren trotzdem sehr problematisch.

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