Gießener Ärztin beklagt Anfeindungen von Abtreibungsgegnern

Die wegen Werbung für Schwangerschaftsabbrüche verurteilte Gießener Ärztin Kristina Hänel hat ihre Forderung nach einer Streichung des Strafrechtsparagrafen 219a bekräftigt.

evangelisch.de

Mit dem Paragrafen, der Werbung für Abtreibungen verbietet, sei das Informationsrecht für Frauen nicht zu erreichen, auch nicht, wenn er verändert werde, sagte Hänel der „tageszeitung“ (Montag). „Die Abtreibungsgegner werden nicht aufhören, Ärzte anzuzeigen und der Auslegung der Gerichte ist Tür und Tor geöffnet. Sie können einen freisprechen oder ins Gefängnis stecken, und das nur wegen einer Information auf einer Webseite“, sagte Hänel.

Die Allgemeinärztin wurde vor knapp vier Monaten zu einer Geldstrafe von 6.000 Euro verurteilt, weil sie auf der Internetseite ihrer Praxis über Schwangerschaftsabbrüche informiert hatte. Laut Amtsgericht Gießen handelte es sich dabei um unerlaubte Werbung für Abtreibungen. Hänel war in Berufung gegangen und will den Angaben zufolge notfalls bis vor das Bundesverfassungsgericht ziehen. Der Paragraf 219a verbietet Werbung für Abtreibungen aus finanziellem Eigeninteresse oder „in grob anstößiger Weise“.

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Faschismus und Männlichkeit: Die weiße Scharia

Männer? Milchgesichter? Neo-Nazis! Bild: Reuters
Neue Rechte und Alt-Right wollen, dass Männer endlich wieder männlich sein dürfen. Denn Schuld an allem Übel sei der Feminismus, weil er die Frauen wider ihre Natur vom Herd getrennt hat.

Von Carolin Wiedemann | Frankfurter Allgemeine Zeitung

„Ich will als Mann auch mal das Recht haben zu weinen“, sagt Martin Sellner und grinst: „Scherz beiseite.“ Nein, weinen will er natürlich nicht – er ist als Mann schließlich zu anderem geboren. Im Gegensatz zur Frau, wie Sellner, Videoblogger und Chefstratege der rechtsextremen „Identitären Bewegung“ in Österreich, auf Youtube erklärt. Er interviewt eine Kollegin von den Identitären, die bestätigen soll, was er eh schon weiß: dass Frauen von Natur aus emotionaler sind als Männer. Dass sie sich deshalb als Politikerinnen nicht eignen. Und vielleicht nicht einmal als Wählerinnen. Denn sie würden sich durch Bilder von Flüchtlingskindern manipulieren lassen. Deshalb würden sie dann die Parteien wählen, die „die Grenzen aufreißen“, was dazu führe, dass sie „vergewaltigt werden und Schleier tragen müssen“. Hätten Frauen nicht mitgewählt in Europa in den vergangenen zwanzig Jahren, gäbe es keine „Masseneinwanderung“, keine „Islamisierung“. Schuld an allem Übel ist also der Feminismus, weil er die Frauen wider ihre Natur vom Herd getrennt hat – das ist die Quintessenz von Sellners Videos zur „Frauen-Frage“. Das ist die Ansicht, die er mit seinen Verbündeten in Deutschland und Amerika teilt, mit Politikern und Aktivisten von der AfD und der Alt-Right-Bewegung.

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Gibt es bald verheiratete Priester?

Die Chancen auf eine Lockerung des Zölibats stehen unter Papst Franziskus so gut wie lange nicht mehr. (dpa picture alliance/ Donatella Giagnori / Eidon)
Der katholischen Kirche fehlen hierzulande die Priester – einer der Gründe ist sicher der Zölibat, die Pflicht, ehelos zu leben. Deshalb mehren sich die Stimmen, die Priesterweihe von verheirateten Männern fordern. Theologische Hürden gibt es dabei kaum.

Von Michael Hollenbach | Deutschlandfunk Kultur

Weihbischof spricht bei einer Diakonenweihe: „Seid ihr bereit, zum Zeichen eurer Hingabe an Christus den Herrn um des Himmelreiches Willen ehelos zu leben und für immer eurem Vorsatz treu zu bleiben, in dieser Lebensform Gott und den Menschen zu dienen?“
Antwort: „Ich bin bereit.“

So lautet das Versprechen, dass auch Stefan Hirblinger als junger Priesteramtskandidat vor mehr als 30 Jahren bei seiner Diakonenweihe geleistet hat: „Ich wusste, der katholische Priester legt dieses Versprechen ab, und das hat für mich dazu gehört, Es war schon immer ein Stachel im Fleisch, dass man diese Dimension Beziehung zu einer Frau, Ehe-Familie-Kinder, dass man das alles von vornherein fürs Leben schon in jungen Jahren ausklammert.“

Auch Rainard Dörpinghaus musste ein Zölibatsversprechen ablegen, als er als junger Mann in den Benediktinerorden eintrat. Doch schon bald vermisste er Liebe, Nähe, Zärtlichkeit: „Man kann in der Gemeinschaft auch einsam sein. Ein Priester spürt diese Einsamkeit, denn die Gemeinde ist kein Ersatz für Familie, für die Intimität. Man hat Freunde, man hat Kumpel, aber es fehlt eine gewisse Intimität. Gott kuschelt nicht.“

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Afghanistan: Aufstockung der Bundeswehr

„Wechsel der Missionen“: Fahne der Operation Resolute Support; Bild: ISAF, 2014 /gemeinfrei
Neues Mandat für den Einsatz von 1.300 Soldatinnen und Soldaten statt 963 soll am Mittwoch im Kabinett beschlossen werden

Thomas Pany | TELEPOLIS

Verteidigungsministerin von der Leyen will den Bundeswehreinsatz in Afghanistan deutlich aufstocken. Derzeit sind dort 963 deutsche Soldaten im Rahmen der Nato-Operation „Resolute Support“ tätig; künftig sollen laut Tagesschau/dpa, 1.300 Soldatinnen und Soldaten aus Deutschland am Hindukusch eingesetzt werden.

Nominell geht es um eine Ausweitung eines Ausbildungs- und Beratungseinsatzes – „trainieren, assistieren und beraten“, heißt die Einsatzbeschreibung für Resolute Support, wie sie die Tagesschau wiedergibt. Der Kampfeinsatz der Nato wurde 2015 beendet. Für die Aufstockung braucht es ein neues Mandat, das bisherige erlaubt nur 980 Soldaten.

„Wenn wie geplant die Beratung der Afghanen auch mehr in der Fläche stattfinden soll, sind dafür zusätzliche Soldaten zum Schutz dieser Berater vorgesehen; darauf soll voraussichtlich der Großteil der weiteren rund 300 Soldaten entfallen. Die Ausweitung – erwartbar bei allen Nationen, die an der Resolute Support Mission beteiligt sind – ist ein weiterer Beleg dafür, dass sich die Sicherheitslage am Hindukusch in den vergangenen Monaten weiter verschlechtert hat“, kommentiert Thomas Wiegold.

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Älteste ägyptische Mumie mit Tattoos

Die gut 5.000 Jahre alte Mumie des Gebelein Man A wird schon seit mehr als 100 Jahren im British Museum ausgestellt – ihre Tattoos hat man aber erst jetzt entdeckt. © Trustees of the British Museum
Uralter Körperschmuck : Auf dem Oberarm einer ägyptischen Mumie haben Forscher die ältesten figürlichen Tätowierungen der Welt entdeckt. Die gut 5.000 Jahre alten Tattoos zeigen einen Auerochsen und ein Mähnenschaf und sind mehr als tausend Jahre älter als alle bisher aus Afrika bekannten Tätowierungen. Die einzigen etwa gleichalten Tattoos stammen von der Gletschermumie Ötzi, sie stellen jedoch abstrakte Motive dar.

scinexx

Die Kunst der Tätowierung hat eine lange Tradition: Schon vor Jahrtausenden stachen sich Menschen abstrakte Muster oder Figuren in die Haut – als rituelle Markierungen, als Teil einer Heilbehandlung oder als Zeichen ihres sozialen Ranges. Die bisher ältesten Tattoos stammen von der Gletschermumie „Ötzi“: Der vor rund 5.000 Jahren getötete Mann aus der Kupferzeit trägt 61 in die Haut eingeritzte und mit Holzkohle eingefärbte Linien und Kreuze am Körper.

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Islam: Recht vor Religion

Verfassungsrichterin Christine Langenfeld warnt, dass zu viele Ausnahmeregeln zugunsten der Religionsfreiheit schnell die gesamte Rechtsordnung infrage stellen könnten. (Foto: dpa)

Die Verfassungsrichterin Langenfeld betont die Grenzen der Glaubensfreiheit – und klingt, als distanziere sie sich von einem Urteil ihrer Kollegen.

Von Wolfgang Janisch | Süddeutsche Zeitung

Der Rechtsstaat ist in den vergangenen Jahren in den Ruch geraten, dem politischen Islam kraftlos gegenüberzustehen. Keinesfalls nur in AfD-Kreisen wird behauptet, der Rechtsstaat wirke wie gelähmt, sobald sich jemand auf die Religionsfreiheit berufe. Ganz so, als ob sich Justiz und Behörden naiv gegenüber jedem verhielten, der sich auf seinen Gott berufe. Eine Tagung zum Thema „Islam und Recht“, ausgerichtet vom Deutschen Richterbund und der Gesellschaft für Rechtspolitik, hat nun im Mainzer Landtag demonstriert, dass der Rechtsstaat durchaus das Rüstzeug hat, radikalisierten religiösen Bestrebungen entgegenzutreten.

Das gilt bereits für den äußeren Rahmen, die Europäische Menschenrechtskonvention. Angelika Nußberger, Vizepräsidentin des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte, stellte das Konzept eines „wehrhaften Säkularismus“ vor, angelehnt an die Idee der wehrhaften Demokratie. Der Gerichtshof hatte 2003 das Verbot der türkischen Wohlfahrtspartei mit dem ausdrücklichen Hinweis gebilligt, dass ein Staat Fundamentalisten entschieden entgegentreten dürfe. Das gelte besonders, wenn Islamisten die menschenrechtswidrige Scharia als Alltagsgesetz propagieren.

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Irische Regierung warnt katholische Kirche

Katherine Zappone, umstrittene Kinder- und Jugendministerin, möchte, dass die Kirche beim Weltfamilientreffen homosexuelle Paare feiert und nicht ausschließt – Die Katholikin gilt auch als radikale Abtreibungsbefürworterin

kath.net

Die irische Regierung setzt im Vorfeld des Weltfamilientreffens in Dublin die katholische Kirche unter Druck und warnt die Kirche vor dem Ausschluss von Homosexuellen von der Veranstaltung. Katherine Zappone, die Ministerin für Angelegenheiten der Kinder und der Jugend, möchte, dass die Kirche bei der Veranstaltung homosexuelle Paare feiert und nicht ausschließt. „LGBT-Familien sollten wie alle Familien gefeiert und nicht ausgeschlossen werden. Das ist die Botschaft, die vom Weltfamilientreffen ausgehen sollte. Als Aktivisten und als Regierung sollten wir dafür sorgen, dass keine Versammlung, keine Gruppe und kein Individuum die Erlaubnis hat, diese Rechte zu untergraben.“

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AfD in den Betriebsräten: „Völkische Ideologie ist ein Spengsatz für Solidarität“

Demonstranten stehen auf dem Altmarkt von Brandenburg und protestieren gegen Zuwanderung und die Asyl-Politik der Bundesregierung Foto: dpa
Der Soziologe Klaus Dörre spricht im Interview über rechte Betriebsräte, die Frustration bei Arbeitern und die Antwort der AfD auf die soziale Frage.

Von Stephan Kaufmann | Frankfurter Rundschau

Die Zurückweisung war deutlich: Offiziell distanzierte sich vergangene Woche der Betriebsrat des Daimler-Werks in Untertürkheim „von allem rechtsradikalen und neonazistischen Gedankengut“. Anlass war das „Zentrum Automobil“, ein rechter Gewerkschaftsverein, der vier Daimler-Betriebsratsmitglieder stellt, einige von ihnen werden mit der Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“, Pegida und der Wiking-Jugend in Verbindung gebracht. Doch nicht nur bei Daimler, in vielen Unternehmen versuchen Rechte, bei den laufenden Betriebsratswahlen in Deutschland Stimmen für sich zu gewinnen. Ein Teil der Alternative für Deutschland (AfD) hat die soziale Frage für sich entdeckt. Diese Frage wird von rechts allerdings anders beantwortet, als es früher üblich war, sagt der Soziologe Klaus Dörre.

Herr Professor Dörre, was sagen Sie zu dem Satz: „Die neoliberale Ideologie entzieht den Volkswirtschaften dringend benötigtes Investitionskapital und senkt in den westlichen Industrienationen die Löhne zugunsten der Kapitalrendite.“
Das klingt erstmal ganz vernünftig, auch wenn die Aussage für Deutschland nur zum Teil zutrifft.

Den Satz hat AfD-Rechtsaußen Björn Höcke gesagt. Ändert das etwas?
Erstmal bleibt der Satz im Kern richtig. Allerdings passt er nicht zu der Person, die ihn äußert. Herr Höcke und auch Vertreter rechter Betriebsratslisten positionieren sich zwar gern als Kritiker von Globalisierung und Kapital. Aber sie benutzen die soziale Frage lediglich, um für sich Werbung zu machen. Nichts liegt ihnen ferner als Umverteilung von unten nach oben.

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Vatikan verklagt früheren Bank-Chef und dessen Anwalt

Vatikanbank
Wegen Unterschlagung und Geldwäsche müssen sich ein früherer Präsident der Vatikanbank IOR und sein Anwalt vor dem vatikanischen Gerichtshof verantworten.

Kirche+Leben

Wie das »Istituto per le Opere di Religione« auf seiner Website mitteilt, soll der Prozess am 15. März beginnen.

Den Angaben zufolge geht es um Vergehen zwischen 2001 und 2008. Damals sei der Bank durch bei Immobiliengeschäften ein Schaden von gut 50 Millionen Euro entstanden. Laut Medienberichten wurden die Immobilien unter Wert verbucht und zusätzlich gezahlte Barbeträge unterschlagen.

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Ist die Erde einst komplett verdampft?

Die katastrophale Kollision in der Frühzeit der Erde könnte sie in eine riesige Wolke aus Gesteinsdampf und Glut verwandelt haben. Am Rand dieser Wolke entstand erst der Mond, später aus ihrem Zentrum eine neue Erde. © Sarah Stewart/ UC Davis
Zerstört statt gestreift? Die Erde könnte in ihrer Frühzeit eine noch dramatischere Kollision erlebt haben als gedacht – sie könnte sogar komplett zerstört worden sein. Einer neuen Theorie zufolge traf der marsgroße Protoplanet Theia unseren Planeten damals so heftig, dass beide zu einer glühenden Trümmerwolke wurden. Aus dieser Wolke entstand dann zuerst der Mond und dann eine neue Erde – das jedenfalls besagt ein neues Modell.

scinexx

Unser Mond verdankt seine Existenz höchstwahrscheinlich einer kosmischen Katastrophe. Bei dieser kollidierte vor rund 4,5 Milliarden Jahren ein marsgroßer Protoplanet mit der jungen Erde. Dabei wurde der Impaktor komplett zerstört und aus den Trümmern bildete sich der Erdmond – so die gängige Theorie.

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Wo Atheisten gefährlich leben

Im Iran kann Apostasie – der Abfall vom Glauben, also auch Atheismus – mit dem Tod bestraft werden. In elf weiteren Ländern ist das ebenfalls der Fall. Im Bild ist der iranische Religionsführer Ayatollah Ali Khamenei zu sehen. Bild: epa/Leader Official Website Handout
Nicht nur Angehörige religiöser Minderheiten, sondern auch Atheisten werden in einigen Ländern unterdrückt. Eine Organisation hilft ihnen.

Von Rolf Maag | 20minuten.ch

Die Irakerin Lubna Yaseen kann einfach nicht ihren Mund halten, wie sie selbst sagt. Als Studentin bekannte sie sich in Diskussionen und auf Facebook unverblümt zu ihrem Atheismus. Bald stiessen Mitstudenten und islamistische Gruppen Todesdrohungen gegen sie aus. 2016 floh sie nach Kalifornien.

Ähnlich erging es dem marokkanischen Autor Kacem El Ghazzali. Weil er in seinem Blog die Unterdrückung in der islamischen Welt kritisiert hatte, begann eine regelrechte Hetzjagd auf ihn. 2011 floh er in die Schweiz.

Todesstrafe in zwölf Ländern

In der Verfassung des Irak ist die Religionsfreiheit zwar verankert, aber Atheisten, die von religiösen Fanatikern drangsaliert werden, können kaum mit der Unterstützung der Behörden rechnen. Ähnlich sieht es in Marokko aus.

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Lehrer, die die Evolution leugnen

Symbolbild. Bild: hippo by swatts
Berlin. Montagmorgen, zehn Uhr. Auf dem Stundenplan steht Biologie. Das Thema: Evolutionstheorie. So ist es Normalität an Tausenden deutschen Schulen. Doch manchmal passieren Dinge, die es laut Lehrplan gar nicht geben dürfte.

Lion Grote | Hamburger Abendblatt

Der Lehrer erklärt, dass die Evolution, nach der sich auch der Mensch aus einem Urvorfahren heraus entwickelte, nur eine Idee ist. Es gebe da auch noch die Schöpfungsgeschichte, der zufolge Gott Himmel, Erde und alles Leben schuf – so steht es in der Bibel. Nach deutschem Gesetz haben Glaubensfragen in wissenschaftlichen Fächern wie Biologie aber nichts zu suchen. Und doch passiert es tagtäglich an deutschen Schulen. Experten warnen deshalb, dass auf diese Weise eine Generation von Wissenschaftsskeptikern herangezogen wird.

Im Fokus stehen vor allem Schulen von evangelikalen Freikirchen. Die Träger sind privat, die Schulen aber staatlich zugelassen. Diese Einrichtungen sind Keimzellen des Kreationismus in Deutschland, ist sich Dittmar Graf sicher. Graf ist Professor für Biologie und Didaktik an der Universität Gießen.

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Islamismus: ein Hurrikan der Hässlichkeit

Die Schönheit auf dem «Ain El Fouara» genannten Brunnen hat die Bewohner des algerischen Sétif über hundert Jahre lang erfreut. Jetzt ist sie übel entstellt.(Bild: Roger Viollet / Keystone)
Laut einem berühmten Hadith liebt Gott die Schönheit. Doch fundamentalistische Strömungen im gegenwärtigen Islam wollen davon nichts wissen – und das hat schwerwiegende Folgen für die arabischen Gesellschaften.

Beat Stauffer | Neue Zürcher Zeitung

Mit Hammer und Meissel attackiert der junge Mann Gesicht und Brustpartie einer Statue des französischen Künstlers Francis de Saint Vidal, die im algerischen Sétif seit 1898 eine Brunnenanlage schmückt. Das lange, weisse Hemd und das Gebetskäppchen machen den Täter unschwer als Islamisten kenntlich. Der Vorfall liegt wenige Wochen zurück und hat die Sétifiens im höchsten Mass entsetzt: Die steinerne Dame mit den üppigen Kurven war in den vergangenen Jahrzehnten nachgerade zum Symbol der Provinzstadt geworden.

Die Attacke mag als Tat eines gestörten Individuums gelesen werden, das in einer äusserst engen, binären Welt lebt, die nur halal oder haram, «erlaubt» und «verboten», kennt und die in einer solchen Statue nicht mehr sieht als eine Ausgeburt westlicher Schamlosigkeit und Dekadenz. Doch dahinter steht ein schleichendes Phänomen von ganz anderen Dimensionen, das alle Staaten des Maghreb gleichermassen betrifft. Es handelt sich um die Ausbreitung einer Weltsicht, die der Schönheit und Harmonie von Kleidung und Körper, von Architektur und Städtebau, von Landschaft und Kunst keinerlei Bedeutung beimisst und die sich oft aktiv an der Zerstörung bedeutender Kulturgüter beteiligt.

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Hans-Jürgen Papier: „Asylrecht nicht länger zweckentfremden“

Der frühere Präsident des Bundesverfassungsgerichts Hans-Jürgen Papier vermisst eine klare Trennung zwischen Asyl- und Migrationspolitik. Es müsse „vor allem sichergestellt werden, dass das Asylrecht nicht länger zweckentfremdet werden kann“ Quelle: WELT/Lukas Axiopoulos
Kritik vom früheren Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts: Die deutsche Asyl- und Flüchtlingspolitik unterscheide nicht zwischen dem Schutz vor Verfolgung und der freiwilligen Aufnahme von Migranten. Er fordert eine EU-einheitliche Reform.

DIE WELT

Hans-Jürgen Papier hat sich zur Migrationspolitik zu Wort gemeldet: Der frühere Präsident des Bundesverfassungsgerichts vermisst eine klare Trennung zwischen Asyl- und Migrationspolitik. Es müsse „vor allem sichergestellt werden, dass das Asylrecht nicht länger zweckentfremdet werden kann als Türöffner für eine illegale Einwanderung – und zwar von Personen, die ersichtlich kein Recht auf Asyl in Deutschland oder Europa haben“, sagte er am Wochenende in Köln.

Die Asyl- und Flüchtlingspolitik in Deutschland habe es bisher versäumt, von vornherein und rechtzeitig zwischen dem individuellen Schutz vor Verfolgung auf der einen Seite und der freiwilligen Aufnahme von Migranten auf der anderen Seite – sei es aus humanitären Gründen oder aus Eigeninteresse im Rahmen einer Einwanderungspolitik – zu unterscheiden, erläuterte Papier.

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Gutenberg.org: Aussperrung Deutschlands keine Rache sondern Vorsichtsmaßnahme

(Bild: janeb13)
Ein deutsches Gericht hat entschieden, dass das Project Gutenberg mit 18 Werken gegen deutsches Urheberrecht verstößt. Statt die zu blockieren, sperrte das Portal alle deutschen Nutzer aus – als Vorsichtsmaßnahme.

Martin Holland | heise online

Das US-Portal Gutenberg.org hat alle Nutzer mit einer deutschen (IPv4-)Adresse ausgesperrt, weil die Verantwortlichen ähnliche Klagen wie die erfolgreiche befürchten. Im Februar hatte das Landgericht Frankfurt am Main (AZ: 2-03 O 494/14) geurteilt, dass die Plattform die Rechte des S. Fischer Verlags verletzt, indem sie insgesamt 18 Werke von Heinrich Mann, Thomas Mann und Alfred Döblin als E-Book verfügbar gemacht hatte. Die für das Portal zuständige Project Gutenberg Literary Archive Foundation hat nun erklärt, dass man mit dem Urteil zwar nicht übereinstimme, aber davon ausgehe, dass ähnliche Klagen wegen anderer Titel folgen könnten. Davor war unklar, warum alle deutschen Nutzer per Geoblocking von der gesamten Seite ausgesperrt wurden und nicht nur von den beanstandeten Titeln.

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Tausende demonstrieren in Barcelona gegen den katalanischen Separatismus

Die gut 15 000 Anhänger der sogenannten «Tabarnia»-Kampagne fordern am Sonntag in Barcelona ein Ende des «schlechten Witzes des Separatismus». (Bild: Manu Fernandez / AP)
Den Katalanen schlägt im Bemühen um Eigenständigkeit vom spanischen Zentralstaat erneut Widerstand entgegen. So haben sich am Sonntag gut 15 000 Personen in Barcelona versammelt, um die Separatisten auf die Schippe zu nehmen.

Neue Zürcher Zeitung

In Barcelona haben am Sonntag Tausende für die Einheit Spaniens und gegen den katalanischen Separatismus demonstriert. Die örtliche Polizei schätzte die Teilnehmerzahl auf mindestens 15 000.

Es handelte sich um die erste grosse Kundgebung der so genannten «Tabarnia»-Kampagne, einer Plattform, die die Unabhängigkeitsbewegung in Katalonien auf humorvolle Weise kritisiert. Der Name Tabarnia setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der Städte Tarragona und Barcelona zusammen, in denen die Separatisten bei dem umstrittenen Unabhängigkeitsreferendum vom 1. Oktober 2017 keine Mehrheit erringen konnten.

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Schweiz behält die öffentlich-rechtlichen Medien

Grafik: TP
In der Volksabstimmung haben sich mit über 70 Prozent überraschend viele gegen eine Abschaffung der Rundfunkgebühren ausgeprochen

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Die Konservativen in der Schweiz haben eine schwere Schlappe erlitten. Obgleich in der Schweiz wie in Deutschland die Kritik an den öffentlichen-rechtlichen Medien und den Gebühren groß war, haben überraschend viele gegen die Abschaffung der Radio- und Fernsehgebühren (Abschaffung der Billag-Gebühren) gestimmt. In Deutschland, wo die AfD ähnlich wie die Schweizerische SVP ähnliches vorhat, sollte das dort Grund zum Nachdenken auslösen.

Bei Beteiligung von 54,4 Prozent stimmten insgesamt 71,6 Prozent für die Beibehaltung der Gebühren und damit auch für die öffentlichen-rechtlichen Sender der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft(SRG). Nirgendwo war die Ablehnung der No-Billag-Initiative geringer als 62 Prozent. Die Mehrheit der Schweizer, zumindest derjenigen, die an der Abstimmung teilgenommen haben, wandten sich damit gegen die Privatisierungsvorstellungen der Betreiber.

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Deutsche Hymne bald ohne „Vaterland“?

Die Gleichstellungsbeauftragte des Familienministeriums will das Wort „Vaterland“ in der Nationalhymne durch „Heimatland“ ersetzen. Foto: rtr
Die Gleichstellungsbeauftrage des Familienministeriums will die Nationalhymne ändern.

Von Cornelia Geissler | Frankfurter Rundschau

Österreich hat es getan, Kanada ebenfalls, nun soll auch Deutschland seine Nationalhymne ändern. Eine Politikerin möchte, dass in den Liedtext Geschlechtergerechtigkeit einzieht. Die Gleichstellungsbeauftragte des Bundesfamilienministeriums, Kristin Rose-Möhring (SPD), schlägt laut Bild am Sonntag in einem Rundbrief an die Mitarbeiter ihres Ministeriums kleine Änderungen vor, die sich in die Debatten der Gegenwart fügen.

Es geht um das Substantiv „Vaterland“, das Rose-Möhring durch „Heimatland“ ersetzen möchte, und um das Adjektiv „brüderlich“, das sich in „couragiert“ verwandeln soll. Beide Male würde so die männliche Bezugnahme entfernt. Der Rhythmus beim Singen bliebe aber erhalten. Auch ist der 1841 geschriebene Text von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben längst rechtefrei; Änderungen bedürften nicht der Zustimmung des Dichters und seiner Erben.

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Ein Euro für jede Kiste Mandarinen

Viele Flüchtlinge, die über das Mittelmeer nach Europa kommen, stranden in Süditalien. Dort werden viele von ihnen als Tagelöhner bei der Ernte von Zitrusfrüchten ausgebeutet. Hilfe kommt von den Gewerkschaften.

Von Bettina Gabe | evangelisch.de

Im Zeltlager von San Ferdinando in Kalabrien gehen die Temperaturen im Winter nachts bis gegen null Grad. Bis zu 2.300 Migranten und Flüchtlinge wohnen hier. Viele von ihnen arbeiten als Tagelöhner bei der Ernte von Zitrusfrüchten und Oliven. Mit gefährlichen Gasöfen versuchen sie, sich vor der Kälte zu schützen. Immer wieder brechen Feuer aus. Ende Januar kam eine 26-jährige Nigerianerin ums Leben, als die Zelte und Baracken eines Nachts in Flammen aufgingen.

Einen Euro pro Kiste Mandarinen verdienen Erntehelfer im süditalienischen Kalabrien. Mit 25 Euro pro Tag und ohne Sozialabgaben beträgt der Lohn die Hälfte des tariflichen Minimums. Weder verschärfte Gesetze gegen die illegale Anwerbung von Tagelöhnern noch Polizeikontrollen auf den Plantagen beendeten bislang die Ausbeutung.

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What Does David Attenborough Really Think of Darwin?

A casual viewer of nature documentaries—or anyone who hasn’t heard of or seen the film Attenborough wrote called, “Charles Darwin and the Tree of Life”—might surmise that the man was hired to narrate the scripts merely because he’s got a great voice. Photograph courtesy Johann Edwin Heupel / Flickr
The name “David Attenborough” has, to me, always been an enchanting but disembodied voice narrating the hidden struggles and splendors of the natural world.

By Brian Gallagher | NAUTILUS

In the last few months I’ve seen several of his documentaries (out of the 23 I could count on Netflix) from start to finish—Life, Africa, and Planet Earth. They’re mesmerizing, and some segments can be heart-racing, some distressing, and some morally confusing, as you feel your sympathies tugged in opposite directions (quite often, the offspring of one creature is taken as food to feed the offspring of another). Attenborough doesn’t take sides—the cruelty of necessity in nature is a spectacle he dramatizes neutrally.

What Attenborough doesn’t do in his nature documentaries is discuss Darwin and his theory of natural selection. Sure, every so often he’ll utter the word “evolve”—it’d be cumbersome not to, especially when it’s, say, birds with specialized, elongated beaks that he’s describing. But, watching these shows, you’ll rarely hear him mention genes or sexual selection, even when, for instance, ibex males, with their massive horns, are shown ramming each other in fights for access to females. “Losing one,” he says, “might mean never getting the chance to breed…ever.” Anyone curious to know what effect follows from females only mating with the winners of these contests won’t be gratified with an answer.

“That was the trigger which lead him to these extraordinary thoughts.”

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