AfD in den Betriebsräten: „Völkische Ideologie ist ein Spengsatz für Solidarität“


Demonstranten stehen auf dem Altmarkt von Brandenburg und protestieren gegen Zuwanderung und die Asyl-Politik der Bundesregierung Foto: dpa
Der Soziologe Klaus Dörre spricht im Interview über rechte Betriebsräte, die Frustration bei Arbeitern und die Antwort der AfD auf die soziale Frage.

Von Stephan Kaufmann | Frankfurter Rundschau

Die Zurückweisung war deutlich: Offiziell distanzierte sich vergangene Woche der Betriebsrat des Daimler-Werks in Untertürkheim „von allem rechtsradikalen und neonazistischen Gedankengut“. Anlass war das „Zentrum Automobil“, ein rechter Gewerkschaftsverein, der vier Daimler-Betriebsratsmitglieder stellt, einige von ihnen werden mit der Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“, Pegida und der Wiking-Jugend in Verbindung gebracht. Doch nicht nur bei Daimler, in vielen Unternehmen versuchen Rechte, bei den laufenden Betriebsratswahlen in Deutschland Stimmen für sich zu gewinnen. Ein Teil der Alternative für Deutschland (AfD) hat die soziale Frage für sich entdeckt. Diese Frage wird von rechts allerdings anders beantwortet, als es früher üblich war, sagt der Soziologe Klaus Dörre.

Herr Professor Dörre, was sagen Sie zu dem Satz: „Die neoliberale Ideologie entzieht den Volkswirtschaften dringend benötigtes Investitionskapital und senkt in den westlichen Industrienationen die Löhne zugunsten der Kapitalrendite.“
Das klingt erstmal ganz vernünftig, auch wenn die Aussage für Deutschland nur zum Teil zutrifft.

Den Satz hat AfD-Rechtsaußen Björn Höcke gesagt. Ändert das etwas?
Erstmal bleibt der Satz im Kern richtig. Allerdings passt er nicht zu der Person, die ihn äußert. Herr Höcke und auch Vertreter rechter Betriebsratslisten positionieren sich zwar gern als Kritiker von Globalisierung und Kapital. Aber sie benutzen die soziale Frage lediglich, um für sich Werbung zu machen. Nichts liegt ihnen ferner als Umverteilung von unten nach oben.

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