Der Neutralitätsfuror verprellt Christen und Muslime


Der Umriss eines Kreuzes im Schwurgerichtssaal in Düsseldorf. Das Mosaik-Kreuz wurde vor Jahren abgenommen – alle anderen Symbole sollen folgen Quelle: picture alliance / dpa
In mehreren Bundesländern sollen sämtliche religiösen Symbole aus der Justiz verschwinden – um das Vertrauen in die Neutralität der Gerichte zu steigern. Tatsächlich aber grenzt dieser Plan gläubige Bürger aus. Und schürt eher Misstrauen.

Von Till-Reimer Stoldt | DIE WELT

Das Kreuz, der Davidstern oder das Kopftuch – sie alle drohen dem friedlichen Miteinander zu schaden. Und deshalb müssen sie verschwinden. Ungefähr so argumentieren derzeit mehrere deutsche Landesregierungen, die an sogenannten Neutralitätsgesetzen arbeiten. Jüngstes Beispiel ist die schwarz-gelbe Koalition in NRW. Sie plant, sämtlichen Justizmitarbeitern im Land die religiösen Symbole abzunehmen. Ihr Erscheinungsbild müsse weltanschaulich neutral sein, der Staat dürfe „nicht den geringsten Anschein von Voreingenommenheit“ erwecken, kündigte das Justizministerium an. Kopftücher, Kreuze, Davidsterne oder auch die bei frommen Christen beliebten Fisch-Sticker sollen deshalb wohl von Jacketts, Köpfen und Hälsen verschwinden.

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