«Adolf Hitler verherrlichte den Islam»

Sein Judenhass war «schwer zu übertreffen»: Amin al-Husseini, der Grossmufti von Jerusalem, bei einem Auftritt vor bosnischen Freiwilligen der Waffen-SS im November 1943. Bild: (c) Deutsches Bundesarchiv
Hunderttausende Muslime kämpften für das Dritte Reich. Ihre Motive waren vielfältig, erklärt der Historiker David Motadel.

Hansjörg Müller | Basler Zeitung

BaZ: Herr Motadel, in den Jahren 1941 und 1942, so schreiben Sie, habe das nationalsozialistische Deutschland damit begonnen, so etwas wie eine aktive Islampolitik zu betreiben. Was passierte da und warum?
David Motadel: Zu dieser Zeit begann die deutsche Führung, sich systematisch mit dem Islam zu beschäftigen. Ein Grund dafür war, dass deutsche Soldaten 1941 und 1942 in Gebieten einmarschierten, in denen grössere muslimische Bevölkerungsgruppen lebten – auf dem Balkan, in Nordafrika, im Kaukasus und auf der Krim. Ein weiterer Grund war die militärische Lage: Ende 1941 war klar, dass der Blitzkrieg gegen die Sowjetunion gescheitert war. Ab 1942, vor allem aber nach der Niederlage in Stalingrad 1943, bemühte man sich in Berlin aus strategischem Kalkül zunehmend um grössere Allianzen.

Anders als Deutschland hatten Frankreich und Grossbritannien Kolonien. So gesehen mussten Muslime den Nazis wie natürliche Verbündete erscheinen, getreu dem Motto «Der Feind meines Feindes ist mein Freund».
In der Tat begann das NS-Regime nun, eine antiimperialistische Politik zu betreiben. Sie unterstützten antikoloniale Nationalisten, darunter nicht nur Muslime, sondern beispielsweise auch nicht-muslimische Inder wie Subhash Chandra Bose oder irische Nationalisten wie Seán Russell. Die Islampolitik war Teil eines Versuchs, Verbündete zu gewinnen.

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Religion auf der Couch

„Judith enthauptet Holofernes“, hier gemalt von Caravaggio – eine biblische Tat, die in der kulturellen Psyche fest verankert ist (picture alliance / dpa / Bernd Settnik)
Sigmund Freud, der Begründer der Psychoanalyse, hielt Religion für eine psychische Störung und hoffte, sie werde bald von der Welt verschwinden. Hundert Jahre später befasst sich die Psychoanalyse immer noch mit Religion – denn die sei nun mal nicht zu überwinden, sagt eine Professorin.

Von Christian Röther | Deutschlandfunk

Der Begriff Psychoanalyse lässt sich übersetzen als die „Enträtselung der Seele“. Und der Begründer der Psychoanalyse, Sigmund Freud, er wollte nicht nur die Seelen einzelner Menschen enträtseln, sondern gewissermaßen die Seele der Menschheit. Das schließt die Religion ein. Immer wieder hat Freud sich zur Religion geäußert – zumeist kritisch und ablehnend. Freud nannte Religion „eine universelle Zwangsneurose“.

Susanne Lanwerd: „Freud hat insgesamt das Religiöse, die Religion verankert in einer Entwicklungsphase des Menschen, die – so sein Wunsch und sein Interesse – eigentlich zu überwinden wäre.“

Susanne Lanwerd ist Professorin für Religionswissenschaft und Kulturwissenschaft an der privaten Berliner Hochschule ipu, der International Psychoanalytic University.

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FSME-Infektionen breiten sich nach Norden aus

Zecke auf einem Blatt in einem Garten in Brandenburg Bild: dpa
„Wir haben eine Dynamik, die wir nicht verstehen“: Zeckenforscher haben neue Orte ausgemacht, an denen ein erhöhtes FSME-Infektionsrisiko besteht. 2017 gab es insgesamt mehr Erkrankungsfälle als in den Vorjahren.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Die Gefahr einer Infektion mit der tückischen Krankheit FSME breitet sich nach Erkenntnissen von Zeckenforschern in Deutschland nach Norden aus. Zwar traten die weitaus meisten Erkrankungsfälle (85 Prozent) im Jahr 2017 in Süddeutschland auf, wie Zeckenexperten am Dienstag in Stuttgart sagten. Doch zuletzt haben sich demnach auch vermehrt Menschen an der niedersächsisch-niederländischen Grenze, in privaten Gärten in Berlin oder auch in Stadtparks in Mecklenburg-Vorpommern angesteckt. Dabei handelt es sich jeweils um wenige Einzelfälle.

„Wir haben eine Dynamik, die wir nicht verstehen“, sagte Gerhard Dobler, der Leiter des Deutschen Konsiliarlabors für Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). An der Universität Hohenheim treffen sich Experten kommende Woche zum 4. Süddeutschen Zeckenkongress.

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Länder-Verfassungsschützer dringen auf Materialsammlung zu AfD

AfD-Anhänger demonstrieren gegen Einwanderer. Bild: Picture-Alliance
Die Bundesländer fordern eine systematische Beobachtung der AfD. Dem Bundesamt für Verfassungsschutz werfen sie eine „Vernachlässigung der Vorfeldarbeit“ vor.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Einige Landes-Verfassungsschutzämter drängen nach einem Medienbericht den Bundes-Verfassungsschutz dazu, deutschlandweit Material für eine mögliche Beobachtung der AfD sammeln zu lassen. Das bayerische Landesamt habe dem Präsidenten des Bundesamtes, Hans-Georg Maaßen, bereits am 15. Januar eine vertrauliche Analyse dazu vorgelegt, berichtet das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND, Mittwoch) unter Berufung auf Geheimdienstkreise. Das Papier münde in das Fazit: „Ein Informationsaustausch ist sinnvoll.“ Zur Begründung heiße es, Teile der AfD bildeten mit der Identitären Bewegung und der Initiative „Ein Prozent“ bis nach Österreich ein enges Geflecht, das Gefahrenpotenzial sei „bedeutsam“.

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Google hilft Pentagon bei Auswertung von Drohnenaufnahmen

US-Drohne. Bild: DoD
Kooperation mit US-Verteidigungsministerium sorgt für Empörung bei Angestellten – Objekterkennung mithilfe von Maschinenlernen

derStandard.at

Kaum ein anderes Unternehmen hat in den vergangenen Jahren ein ähnlich großes Know-How im Bereich Maschinenlernen aufgebaut wie Google. Und genau dieses bringt man nun in eine neue Kooperation ein – und zwar eine, die auch intern für einige Aufregung sorgt.

Militärische Kooperation

Unter dem Namen Project Maven arbeitet Google mit dem US-Verteidigungsministerium zusammen, dies geht aus eine Pressemitteilung des Pentagon hervor. Die neuronalen Netzwerke von Google sollen dabei verwendet werden, um Drohnenvideos auszuwerten. Als Trainingsmaterial werden mehrere Millionen Stunden Videomaterial herangezogen.

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Wie Medien ihre Glaubwürdigkeit verlieren

Ein Skandal jagt den anderen, seit Donald Trump regiert. Manche Medienhäuser sind nicht unglücklich darüber. (Bild: Jonathan Ernst / Reuters)
Ein Mann ist offensichtlich von Sinnen. Trotzdem wird er stundenlang am Fernsehen vorgeführt, wo er immer groteskere Dinge zu Präsident Trump sagt. Für die Medien hat er seinen Auftrag erfüllt.

Peter Winkler | Neue Zürcher Zeitung

Einen Nachmittag lang konnte das amerikanische Publikum auf den 24-Stunden-Nachrichtenkanälen praktisch live miterleben, warum die Russland-Affäre von einem beträchtlichen Teil der republikanischen Wählerschaft nicht ernst genommen wird: Weil die Gier nach neuen Enthüllungen so unersättlich ist, dass die Grundsätze des seriösen Journalismus über Bord geworfen werden.

Dahinter steht die Erfahrung, dass solche Enthüllungen Einschaltquoten, Mausklicks und Lärm in den virtuellen Resonanzräumen der «sozialen Medien» generieren. Genau so, wie Fox News über Jahre hinweg die Wut der Konservativen und Nationalisten befeuerte, bewirtschaften CNN, MSNBC und gleichgesinnte Medien nun den unstillbaren Hunger eines allzeit empörten linken Publikums nach Skandalen aus dem Trump-Universum.

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Roboterkatze Petoi: Wie von Boston Dynamics – aber für Zuhause

(Bild: Rongzhong Li )
Schnurren und rumfläzen klappen schon, nur mit dem Springen hat es die Roboterkatze Petoi noch nicht so. Wer in dem Raspi-Projekt Amazons Alexa einbindet, könnte seinen Stubentiger bald auch das Wetter ansagen oder die Heizung einschalten lassen.

Helga Hansen | heise online

Schwarzer Kunststoff aus dem 3D-Drucker statt flauschigem Pelz – dank der markanten Silhouette erkennt man den vierbeinigen OpenCat-Roboter Petoi trotzdem schnell als Katze. Der Stubentiger soll Robotik und künstliche Intelligenz spannender machen und Kinder und Jugendliche zum Programmieren motivieren. Seine Vorbilder sind Sonys neuaufgelegter Roboterhund Aibo und die Roboterkreaturen von Boston Dynamics.

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Hamed Abdel-Samad: Integration – Ein Protokoll des Scheiterns

Millionen Muslime sind in den vergangenen Jahrzehnten als Gastarbeiter überwiegend aus der Türkei, als Flüchtlinge aus Syrien und anderen Staaten des Nahen Ostens nach Deutschland gekommen. Hamed Abdel-Samad rechnet ab mit der Politik, die die Integration zu lange konterkariert und der Muslime, die sich in Parallelgesellschaften verbarrikadiert haben.

Richard-Dawkins-Foundation

Deutsch-Türken unterstützen Erdogan, in Europa geborene Muslime verüben Terroranschläge. Hamed Abdel-Samad prangert die integrationsverhindernden Elemente der islamischen Kultur an. Er rechnet aber auch mit europäischen Integrationslügen ab. Denn wer jahrzehntelang von „Gastarbeitern“ spricht, der verweigert Integrationsangebote – und darf sich nicht über Parallelgesellschaften wundern. Wer die Augen verschließt vor kulturellen, mentalen und religiösen Unterschieden, der muss in seinem Bemühen scheitern. Abdel-Samad formuliert einen Forderungskatalog an Politik und Gesellschaft, denn am Thema Integration wird sich die Zukunft Deutschlands entscheiden.

Der ägyptische Politikwissenschaftler und Historiker Hamed Abdel-Samad ist einer der international wichtigsten Kritiker des politischen Islam. In Deutschland gehört er zu den gefragtesten Islamexperten in Presse, Funk und Fernsehen. Zu seinen Veröffentlichungen zählen u.a. die Bücher: „Abschied vom Himmel“ (2009), „Der Untergang der islamischen Welt“ (2010), „Krieg oder Frieden: Die arabische Revolution und die Zukunft des Westens“ (2011), „Der Islamische Faschismus“ (2014), „Mohamed“ (2015) und „Ist der Islam noch zu retten?“ (2017). Hamed Abdel-Samad ist Mitglied im Beirat der Giordano-Bruno-Stiftung.

Integration – Ein Protokoll des Scheiterns

Buchvorstellung von Hamed Abdel-Samad

Mit Diskussion & Buchsignierung
(Bücher vor Ort erhältlich)

Mittwoch, 9. Mai 2018 um 19 Uhr (Einlass ab 18 Uhr)
Haus der Wissenschaft in Bremen, Olbers-Saal
Sandstraße 4/5
28195 Bremen

Eintritt: 10 €
Tickets: https://www.deinetickets.de/shop/abdelsamad/

Kontakt: joerg@richarddawkins.net

Über das Buch:
https://www.droemer-knaur.de/buch/9558029/integration

Der Autor:
https://www.droemer-knaur.de/autoren/6896619/hamed-abdel-samad

Diese Wetterextreme kommen auf uns zu

Der Deutsche Wetterdienst hat seine Klimaerkenntnisse für 2017 vorgestellt. Ein Jahr mit vielen Wetterextremen. Namen wie „Axel“ oder „Xavier“ dürften vielen noch in Erinnerung sein. Quelle: Reuters
Dürre, Überschwemmungen, Hurrikane: Viele Klimaforscher warnen davor, dass solche Wetterextreme weltweit wegen der Klimaerwärmung zunehmen. Der Deutsche Wetterdienst rät nun, sich auch hierzulande zu wappnen.

DIE WELT

Der Deutsche Wetterdienst rechnet für die Zukunft mit mehr Stürmen, extremen Regenfällen und Hitzewellen aufgrund der Klimaerwärmung. Zwar sei es schwierig, eine Zunahme solcher Extremwetter-Ereignisse statistisch nachzuweisen, sagte DWD-Experte Thomas Deutschländer in Berlin. Es scheine aber dennoch „sinnvoll, sich schon heute auf eine Zukunft mit mehr Wetter- und Klimaextremen auch in Deutschland einzustellen“.

Die beobachtete Häufung solcher Ereignisse auch im vergangenen Jahr sei „sicherlich ein Indiz“ für die Annahme vieler Klimaforscher, dass Extremwetter mit steigenden Temperaturen zunehmen.

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Nano-Partikel gegen innere Blutungen?

Bisher sind innere Blutungen von außen kaum zu stillen – spezielle Nanopartikel könnten das vielleicht ändern. © onfiore/ iStock
Mini-Magneten als Lebensretter? Eine Injektion mit speziellen Nanopartikeln könnte künftig gegen innere Blutungen helfen. Denn die Partikel enthalten nicht nur ein Gerinnungsenzym, sie sind auch magnetisch. Dadurch lassen sie sich mit einem Magneten zur Verletzung lenken und lösen dort gezielt die Blutgerinnung aus. Bei ersten Tests in einem künstlichen Blutgefäß senkten die Nanopartikel so den Blutverlust um das 15-Fache, wie die Forscher berichten.

scinexx

Bei einem Unfall sind innere Verletzungen besonders gefährlich. Denn im Gegensatz zu Wunden an Armen oder Beinen können Blutungen im Bauch- oder Brustraum nicht durch einfaches Abbinden oder Abdrücken gestillt werden. Und auch unkonventionelle Methoden wie ein blutstillender Sprühschaum helfen nicht, weil die blutende Stelle unzugänglich im Körperinneren liegt.

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Ausländer soll Familienleben durch Telefonate aufrechterhalten

Das Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg © James Russell @ flickr.com (CC 2.0)
Ein straffällig gewordener Ausländer hat keinen Anspruch auf Aufenthaltserlaubnis, auch wenn seine Familie in Deutschland lebte. Das Familienleben könne durch Telefonate aufrechterhalten werden. Außerdem könne er seine Familie besuchen – zweimal jährlich.

MiGAZIN

Ein straffällig gewordener Ausländer kann sich nicht unbedingt auf das Recht auf Familienleben berufen, um in Europa eine Aufenthaltserlaubnis zu erhalten. Das geht aus einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte in Straßburg vom Donnerstag hervor. Der Fall betraf einen Nigerianer in Deutschland. (AZ: 58681/12.

Der Mann war im Oktober 2000 zum zweiten Mal nach Deutschland gekommen, wo im selben Monat seine Tochter geboren wurde, wie der Gerichtshof erläuterte. Im Mai 2002 wurde er wegen Drogenschmuggels zu acht Jahren Haft verurteilt, später verfügte ein Gericht seine Ausweisung nach Verbüßung der Strafe. Nach der Haftentlassung erhielt er allerdings eine Duldung.

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Steve Bannon: Ein rechtspopulistischer Messias aus Amerika

Der ehemalige Chefstratege im Weißen Haus hielt vor tausend Zuhörern in Zürich eine Rede. Er war der Einladung der Schweizer „Weltwoche“ gefolgt Quelle: REUTERS
Steve Bannon, Ex-Berater von Donald Trump, proklamierte in Zürich den unaufhaltsamen Siegeszug der „populistischen Bewegung“. Am Rande der Veranstaltung traf er die AfD-Vorsitzende Alice Weidel und gab ihr Propagandatipps.

Von Richard Herzinger | DIE WELT

Dies sei der „Free Speech Summit“, das Gipfeltreffen der freien Rede, wurde zur Einstimmung auf den Abend mit dröhnendem Bombast aus den Lautsprechern verkündet. Roger Köppel, Eigentümer und Chefredakteur der Züricher „Weltwoche“ und in Personalunion ein Spitzenpolitiker der rechtsnationalen Schweizerischen Volkspartei (SVP), konnte in seiner  Veranstaltungsreihe „Weltwoche on the road“ dieses Mal einen besonders spektakulären Gast präsentieren: Steve Bannon, bis vor wenigen Monaten Ideologieberater von Präsident Donald Trump und von vielen als Speerspitze des radikalen Nationalismus im Weißen Haus und treibende Kraft eines antiliberalen, autoritären Umsturzes in den USA gefürchtet.

Als er in den etablierten Medien zuerst über Bannon las, meinte Köppel bei der Vorstellung des Enfant Terribles, habe er den Eindruck gewonnen, dass dies wohl „der Teufel“ sein müsse. Er und sein „Weltwoche“-Auslandschef seien sich jedoch bald einig gewesen, dass sie, da der Teufel nun einmal eine konkrete Gestalt angenommen habe, unbedingt mit ihm sprechen müssten. Hartnäckiges Werben führte dazu, dass der gegenüber Medien eher abweisende Bannon schließlich mit den Schweizern ins Gespräch kam und sie nun sogar mit einem Auftritt in Zürich beehrte.

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Warum Tattoos ewig halten

Körperkunst: In Deutschland ist mittlerweile fast jeder Zehnte tätowiert. © Ryan McVay/ thinkstock
Tätowierungen sind für die Ewigkeit: Forscher haben das Geheimnis hinter der Langlebigkeit von Tattoos gelüftet. Ihre Experimente zeigen: Wenn Pigment-tragende Immunzellen in der Haut sterben, geht mit ihnen keineswegs auch die Farbe verloren. Denn die Zellen geben die Pigmente zwar frei. Sie werden aber schon kurz darauf wieder von neuen Zellen aufgenommen. In einem kontinuierlichen Kreislauf wird auf diese Weise die Haltbarkeit der Körperkunst sichergestellt.

scinexx

Ob Arschgeweih oder echte Körperkunst: Tätowierungen liegen weltweit im Trend – auch in Deutschland. Hierzulande zieren inzwischen fast jeden zehnten Körper Tinte und Farbpigmente, die unter die Haut gestochen wurden. Umso erstaunlicher ist, wie wenig über die Funktionsweise der Tattoos bekannt ist: Was passiert mit Tattoo-Farben, wenn sie einmal im Organismus sind?

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Banken investieren Milliarden in Atomwaffen-Produzenten

Firmen auf der ganzen Welt haben zwischen 2014 und 2017 etwa 525 Milliarden Dollar in Atomwaffenproduzenten investiert. (Foto: AP)
  • Finanzinstitute investieren immer mehr Geld in Firmen, die an der Produktion von Atomwaffen beteiligt sind.
  • Zu diesem Ergebnis kommt die neue Studie der Anti-Atom-Kampagne Ican, die für ihre Arbeit bereits den Friedensnobelpreis erhielt.
  • Auch deutsche Banken investieren demnach in diesen Bereich – und offenbar sogar mit dem Geld von Privatkunden.

Von Nils Wischmeyer | Süddeutsche Zeitung

Deutsche Finanzinstitute haben offenbar mehrere Milliarden Dollar in Unternehmen investiert, die Atomwaffen bauen und instandhalten. Dabei soll auch das Geld von Privatanlegern genutzt worden sein. Zu diesem Ergebnis kommt die neueste Auflage der Studie „Don’t Bank on the Bomb“ (Finanziere nicht die Bombe) der Kampagne für ein Atomwaffenverbot (Ican) und der NGO Pax, die für ihr Engagement gegen Atomwaffen im vergangenen Jahr den Friedensnobelpreis erhalten hat.

Die aktuelle Version bezieht sich auf Investitionen zwischen 2014 und 2017. Ican zufolge haben Finanzinstitute weltweit etwa 525 Milliarden Dollar in Atomwaffen-Produzenten investiert. Das ist eine Steigerung von rund 80 Milliarden Dollar im Vergleich zum Vorjahr.

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Verteidigungsunion der EU startet mit 17 Projekten

Der Aufbau einer Verteidigungsunion in der Europäischen Union geht voran: Die EU-Verteidigungsminister haben am Dienstag bei einem Treffen in Brüssel die Umsetzung von 17 konkreten Projekten beschlossen.

Neue Zürcher Zeitung

Grundlage der neuen Verteidigungsunion bildet die «ständige strukturierte Zusammenarbeit» – kurz Pesco genannt. Ihr Ziel ist es, die EU im Bereich Verteidigung flexibler und unabhängiger von den USA zu machen.

Die EU-Aussenbeauftragte Federica Mogherini sprach vor dem Treffen mit den EU-Verteidigungsministern von einem «historischen Moment». An der Verteidigungsunion beteiligen sich zurzeit 25 EU-Staaten. Lediglich Grossbritannien, Dänemark und Malta sind nicht dabei.

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Gutenberg.org: S. Fischer Verlag kritisiert Aussperrung der deutschen Nutzer

Bild: heise.de
Die Aussperrung deutscher Internetnutzer vom Project Gutenberg lege nahe, dass es den Machern nicht darum gehe, das Gerichtsurteil umzusetzen, sondern Nutzerwut auf den Verlag zu lenken. So sieht es jedenfalls der Verlag, der erfolgreich geklagt hatte.

Martin Holland | heise online

Im Streit um den Umgang mit 18 in Deutschland urheberrechtlich geschützten Werken auf Gutenberg.org, wolle das US-Portal wohl „die Nutzer instrumentalisieren und zu Protesten“ veranlassen. Das lege zumindest die Aussperrung deutscher Nutzer von dem kompletten Angebot nahe, meint der S. Fischer Verlag laut einem Statement zu der Angelegenheit. Eigentlich gehe es lediglich um die betroffenen deutschen Werke von Thomas Mann, Heinrich Mann und Alfred Döblin, die man erst ohne ein Gericht zu bemühen von Gutenberg.org habe entfernen lassen wollen. Alle diesbezüglichen Versuche seien aber gescheitert, weswegen der letztlich erfolgreiche Gang vor Gericht erfolgte.

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Strafzölle: „Die USA wären ein ärmeres Land, aber autark“

Donald Trump setzt weiterhin auf „America first“/ picture alliance
Die USA führen längst einen Handelskrieg, sagt der Direktor des ifo Zentrums für Außenwirtschaft, Gabriel Felbermayr. Der Plan Donald Trumps, Amerika immer mehr abzuschotten, könnte aufgehen. Deutschland hingegen ist zur Partnerschaft gezwungen

Interview mit Gabriel Felbermayr | Cicero

Herr Felbermayr, US-Präsident Trump will hohe Einfuhrzölle auf Stahl, Aluminium und Autos einführen. Befinden wir uns schon in einem Handelskrieg?
Ja, ich denke schon. Auch wenn mir der Begriff missfällt, wir verwenden ihn ja relativ locker. Wir haben in der Vergangenheit auch vom „Rindfleischkrieg“, „Bananenkrieg“ oder „Hähnchenkrieg“ gesprochen. Jetzt haben wir eben auch im Bereich Stahl einen Handelskrieg.

Aber gehören zu einem Krieg nicht zwei Seiten?
Das muss gar nicht notwendig sein. Auch eine Invasion ohne Gegenwehr ist eine kriegerische Handlung. Wenn wir diese martialische Vokabel angesichts von Auseinandersetzungen, die auf Märkten stattfinden, schon verwenden, gibt es einen Fakt: Von den USA gehen seit Trumps Präsidentschaft zunehmend aggressive Handlungen in der Handelspolitik aus. Dafür muss, wie gesagt, noch gar keine Gegenwehr stattfinden, um von einem Handelskrieg zu sprechen. Außerdem ist der Stahlbereich ja nicht der erste Fall. Wir hatten schon Strafzölle gegen spanische Oliven, Maßnahmen gegen Waschmaschinen oder Solarzellen. Viele Branchen sind betroffen. Das ist eine deutliche Abkehr von einer kooperativen Strategie.

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Deutsch-türkisches Verhältnis: Gabriels versöhnlicher Fingerzeig

Sigmar Gabriel 2017. Bild: wikimedia.org/Olaf Konsinsky
  • In Berlin ist Bundesaußenminister Gabriel mit seinem türkischen Amtskollegen Çavuşoğlu zusammengekommen.
  • Beide bemühten sich, weiter Zeichen der Entspannung zu senden.
  • Gabriel signalisierte, dass Deutschland seine Reisehinweise für die Türkei bald abschwächen könnte.

Von Mike Szymanski | Süddeutsche Zeitung

Im vergangenen Sommer war Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) noch der Meinung, man könne nicht „mit gutem Gewissen“ in die Türkei reisen. Niemand sei vor „willkürlichen Verhaftungen“ sicher. Damals saß mit dem Welt-Korrespondent Deniz Yücel ein knappes Dutzend Deutscher aus politischen Gründen dort in Haft. Nur als offizielle Reisewarnung wollte der Minister seine Worte hinterher nicht verstanden wissen, dies hätte gravierende Auswirkungen für die Tourismusbranche gehabt.

Gabriel überraschte damals aber mit seinem forschen Auftreten. Und an diesem Dienstag, unmittelbar vor dem Start der Reisemesse ITB, tut Gabriel in Berlin das wieder. Wenn man so will, dann hat er dieses Mal eine Art persönliche Reiseempfehlung ausgesprochen. „Die Türkei ist – das kann ich Ihnen aus eigener Anschauung sagen – eines der schönsten Länder der Erde“, sagte Gabriel.

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Bayrische Staatsregierung verzichtet auf Klage gegen „Ehe für alle“

Bayern wird nicht gegen die „Ehe für alle“ klagen. Eine Klage vor dem Bundesverfassungsgericht habe nach Einschätzung zweier Gutachter keine Aussicht auf Erfolg.

evangelisch.de

Daher habe sich die bayerische Staatsregierung mehrheitlich gegen diesen Schritt entschieden, teilte die Staatsregierung am Dienstag in München mit. Das Bundesland hatte zunächst angekündigt, das im vergangen Jahr vom Bundestag beschlossene Gesetz zur Einführung des Rechts auf Eheschließung für Personen gleichen Geschlechts („Ehe für alle“) verfassungsrechtlich überprüfen zu lassen. Nun teilte die Staatsregierung mit, „gewichtige Gründe“ sprächen für die Verfassungsmäßigkeit des Gesetzes und somit gegen eine Klageerhebung.

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