Auch Musliminnen haben das Recht, nicht missbraucht zu werden


Gegenüber Fremden haben muslimische Frauen sich in der Öffentlichkeit zu verschleiern, sonst gelten sie als sündig und verfügbar. (Bild: D.Solanki / EPA)
Weltweit hat die #MeToo-Debatte über den sexuellen Missbrauch von Frauen durch Männer in Machtpositionen Resonanz gefunden. Kaum jedoch in der muslimischen Welt – dort steckt die Frau im Gefängnis von Religion, Familie und Patriarchat fest.

Necla Kelek | Neue Zürcher Zeitung

Warum hören wir in der weltweiten #MeToo-Debatte so wenig von Frauen mit muslimischem Hintergrund oder aus der islamischen Welt? Sind diese nicht betroffen, oder trauen sie sich nicht, etwas zu sagen?

Sexuelle Übergriffe, Anmache oder Grabschereien von muslimischen Männern sind, sei es auf dem Tahrir-Platz in Kairo, in den Gassen von Marrakesch oder in der Berliner U 8 von Neukölln nach Wedding, öffentlich und keine Einzelfälle. Über Gewalt und Vergewaltigung in der Ehe wiederum schweigt die muslimische Frau, denn sie will nicht die Ehre der Familie gefährden.

Muslimische Frauen haben ihr eigenes #MeToo-Problem. Der sexuelle Übergriff ist Islam-immanent, jedenfalls wenn man die autoritativen Schriften – den Koran und die Hadithe – zum Massstab nimmt, das konkrete Erleben der Frauen und die Arbeiten muslimischer kritischer Aufklärerinnen wie Fatima Mernissi, Nawal al-Sadawi, Shereen El Feki oder Ayaan Hirsi Ali für massgeblich hält.

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