Reaktionslos, aber bei Bewusstsein


Adrian Owen
Zwischenwelten
Verlag: Droemer, München 2017

Wie ein Neurowissenschaftler lernte, sich mit Wachkoma-Patienten zu unterhalten.

Von Nicole Paschek | Spektrum.de

Kate liegt in einem Krankenhauszimmer. Immer wieder führt das Personal verschiedene Untersuchungen an ihr durch, ohne ihr zu sagen, was gemacht wird. Warum auch? Schließlich liegt sie im Wachkoma und bekommt nichts mit. Patienten in diesem Zustand atmen zwar selbstständig, schlucken und bewegen ihre Augen. Ihr Gehirn ist jedoch so stark geschädigt, dass sie nicht ansprechbar sind und sich nicht mehr willentlich bewegen können.

Doch wie sich herausstellte, lagen die Mediziner in Kates Fall falsch: Sie ist bei vollem Bewusstsein – und damit nicht die Einzige. Geschätzt 15 bis 20 Prozent aller Wachkomapatienten befinden sich in dieser Grauzone, in der ihr Körper zwar nicht reagiert, ihr Gehirn jedoch durchaus. Bis Forscher diesen Zustand nachweisen konnten, war es ein langer Weg; Autor Adrian Owen hat ihn wesentlich mitgestaltet. Nachdem seine frühere Partnerin Maureen nach einem Schlaganfall ins Wachkoma fiel, begann der Neurowissenschaftler vor mehr als 20 Jahren damit, Wachkoma-Patienten im Hirnscanner zu untersuchen. Der Brite fragte sich, was in Maureens Kopf wohl vorgehen mochte. Und Kate war die Erste, die ihm half, eine Antwort zu finden.

weiterlesen