Historiker kritisiert lückenhafte Erinnerung an NS-Verbrechen

KZ Auschwitz, Einfahrt. Bundesarchiv, B 285 Bild-04413 / Stanislaw Mucha / CC-BY-SA 3.0
Schon unmittelbar nach der Machtergreifung 1933 begannen die Nationalsozialisten mit der Verfolgung von politischen Gegnern, Juden, Sinti und Roma, Homosexuellen, „Asozialen“ und „Erbkranken“. Später traf es auch Kriegsgefangene und Zivilisten der vom Deutschen Reich besetzten Länder. Viele dieser Opfer-Gruppen werden dem Historiker Stephan Lehnstaedt zufolge marginalisiert.

evangelisch.de

Der Historiker Stephan Lehnstaedt sieht erhebliche Lücken in der deutschen Gedenkkultur zu den NS-Verbrechen. Das „Erinnerungsnarrativ in Politik und Gesellschaft“ sei weitgehend auf den Holocaust beschränkt, betonte der Professor für Holocaust-Studien und Jüdische Studien am Touro College Berlin in einem Gastbeitrag im Berliner „Tagesspiegel“ (Montag). Manchen anderen Gruppen komme „zumindest eine marginale Rolle zu“, andere seien letztlich gar nicht präsent.

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Wie weltfremd ist die akademische Philosophie?

Ist die akademische Philosophie zu weltfremd geworden? Das meint der Philosoph Wolfram Eilenberger in seinem Streitgespräch mit dem Universitätsphilosophen Michael Pauen. (imago/blickwinkel)
Die akademische Philosophie sei auf ihrem Tiefpunkt angelangt, kritisiert der Philosoph Wolfram Eilenberger und feiert in seinem neuen Buch „Zeit der Zauberer“ vier Denker der 1920er-Jahre. Ihm widerspricht der renommierte Universitätsphilosoph Michael Pauen und verweist auf wichtige Debatten.

Wolfram Eilenberger und Michael Pauen im Gespräch mit Simone Miller | Deutschlandfunk Kultur

Der Philosoph und Buchautor Wolfram Eilenberger vertritt zwei steile Thesen: Vier große Denker der 1920er-Jahre hätten die Philosophie so revolutioniert wie einst Einstein die Physik. Außerdem sei ganz im Unterschied dazu die akademische Philosophie heute auf ihrem historischen Tiefpunkt angelangt, kritisierte Eilenberger jüngst in der Wochenzeitung „Die Zeit“.

Eilenbergers Vorwurf, die akademische Philosophie habe sich heute in Binnendeutungs-Artistik verheddert und sei weltfremd geworden, lässt Michael Pauen, Leiter der Berlin School of Mind and Brain, allerdings in der Kontroverse im Deutschlandfunk Kultur nicht gelten.

„Die Philosophie spielt eine wichtige Rolle in sehr vielen Debatten, die heute essentiell sind, zum Beispiel in der Debatte um die Neurowissenschaften“, sagt er. „Es gibt auch eine intensive Auseinandersetzung mit der Entwicklung der Digitalisierung und in der Gen-Technik.“

Fehlende Innovation

In den letzten 40 Jahren habe kein Philosoph das Differenzierungs- und Innovationspotential der 1920er-Jahre erreicht, widerspricht Eilenberger. Er sieht aktuell die deutsche akademische Philosophie deshalb „im schlechtesten Zustand ihrer Geschichte“. Den letzten großen Schub habe es Ende der 1960er-Jahre gegeben. Seitdem werde nur noch nachbearbeitet, ausdifferenziert und es herrsche Stagnation. „Die analytische Philosophie als Fortschritt und Heilmittel zu deuten, kommt mir sehr seltsam vor, denn Sie produzieren tatsächlich nichts Neues, sondern Sie differenzieren Fragen bis in sehr viele Kommastellen aus und Sie müssen sich, auch vor ihren Kollegen an der Universität, einem Irrelevanz-Verdacht stellen“, lautet der Vorwurf Eilenbergers an Pauen.

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Rabbiner Homolka: Vatikan-Brief „Placuit Deo“ befremdet Judentum

Headquarter des Konzerns.

Das Vatikan-Schreiben „Placuit Deo“ (Es hat Gott gefallen) wirkt nach Ansicht des Berliner Rabbiners und Hochschullehrers Walter Homolka befremdlich auf Juden.

kathpress

„Würde man diesen Text zur Grundlage des Gesprächs mit den anderen Religionen machen, würfe uns das nach meinem Ermessen um Lichtjahre zurück“, sagte der Rektor des Abraham-Geiger-Kollegs am Montag in Berlin im Interview mit der deutschen katholischen Nachrichtenagentur KNA. „Mit ‚Placuit Deo‘ entfernt sich die katholische Kirche vom Glauben des Juden Jesus, den sie als ihren Religionsgründer betrachtet.“

Die Vatikanische Glaubenskongregation hatte sich vor einer Woche in dem Schreiben „Placuit Deo“ an die Bischöfe der Weltkirche gegen individualistische Selbstverwirklichung gewandt und unter anderem betont, dass Jesus „einziger und universaler Retter“ der Menschen sei. Homolka erklärte: „Wenn Jesus aber der einzige Retter für alle Menschen sein soll, wird die besondere Rolle Israels als der ‚ersten Liebe Gottes‘ links liegen gelassen.“

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Strom gegen Flugzeug-Blitzschlag?

Blitzschlag in ein Flugzeugmodell – ein neues System köntne künftig solche Treffer vermeiden helfen. © Joan Montanya/ Polytechnic University of Catalonia
Teure Treffer: Ein neues System könnte künftig Flugzeuge vor Blitzeinschlägen schützen – indem es den Flugzeugrumpf rechtzeitig unter Strom setzt. Dies verhindert das Entstehen der Ladungsdifferenzen an der Flugzeughülle, die normalerweise die Blitze anziehen. In ersten Tests mit Modellen reduzierte dies die Blitztreffer immerhin um die Hälfte, wie die Forscher berichten. Sollte dies auch bei echten Flugzeugen funktionieren, könnte dies den Airlines teure Checkups und Reparaturen ersparen.

scinexx

Jedes kommerzielle Flugzeug wird im Schnitt einmal pro Jahr vom Blitz getroffen – obwohl die Piloten meist versuchen, Gewitterwolken zu umfliegen. Im Gegensatz zu Blitztreffern ungeschützter Personen auf der Erde bleibt ein Blitzschlag in ein Flugzeug in den meisten Fällen folgenlos. Die Flugzeughülle schützt Passagiere und Technik vor der enormen Spannung des Blitzes – jedenfalls wenn die Hülle metallisch ist.

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Religiotie: „Schwangere werden drangsaliert“

Protest gegen Abtreibungsgegner vor dem Gebäude von Pro Familia in Frankfurt. Foto: Peter Juelich
Rund 150 Menschen demonstrieren in Frankfurt für Frauenrechte und kritisieren die Mahnwachen der Abtreibungsgegner vor Pro Familia.

Von Sandra Busch | Frankfurter Rundschau

Der Anlass für den Protest ist am Samstagmittag nicht da: die christlich-fundamentalistischen Abtreibungsgegner vor der Beratungsstelle von Pro Familia in der Palmengartenstraße im Westend. Seit Aschermittwoch hält die Initiative „40 Tage für das Leben“ dort täglich Mahnwachen ab. Nicht so am Samstag, für den das Bündnis „Frankfurt für Frauenrechte“ Protest gegen die selbsternannten „Lebensschützer“ angekündigt hatte. „Eigentlich schade, dass sie nicht da sind“, sagt Grünen-Sprecher Bastian Bergerhoff. „Aber das ist ja eines der Ziele des Protests.“

Rund 150 Menschen sind gekommen, um für Frauenrechte zu demonstrieren. Mit Plakaten, auf denen etwa steht: „Beratung statt Gebete“ oder „Mein Bauch gehört mir“. Sie stehen dort, wo normalerweise die Abtreibungsgegner stehen und Fotos von Föten mit Überschriften wie „Ich will leben“ hochhalten.

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Schottlands katholische Kirche will nicht, dass der Staat gegen schlagende Eltern vorgeht

Der Staat habe nicht die Aufgabe, in das Verhältnis von Eltern und Kindern einzugreifen, abgesehen von außergewöhnlichen Umständen.

kath.net

Die katholische Kirche in Schottland hat Regierungspläne kritisiert, die Eltern, die ihre Kinder schlagen, kriminalisieren sollen. Sie warnte vor einer Einmischung des Staates in das Familienleben und wies darauf hin, dass das Verbot von der überwältigenden Mehrheit der Bevölkerung abgelehnt werde.

Die schottische Regierung hat angekündigt, einen entsprechenden Gesetzesvorschlag eines Parlamentsabgeordneten der Grünen zu unterstützen.

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Angriff auf das säkulare Bangladesch

In Bangladesch wird traditionell eine gemässigte Form des Islam gelebt. Auf dem Bild lenkt ein Mann Menschenmassen, die zur jährlichen muslimischen Zusammenkunft Biswa Ijtema in Tongi, nördlich der Hauptstadt Dhaka, strömen. | Bild: A. M. Ahad/AP (Tongi, 13. Januar 2018)
Der Überfall auf den Hochschullehrer und Jugendbuchautor schockiert eine Nation, in der Intellektuelle ihres Lebens nicht mehr sicher sind. Radikalislamische Gewalttäter kommen regelmässig ungeschoren davon.

Ulrike Putz | Luzerner Zeitung

Es sollte eine Veranstaltung werden, die zukünftige Erfinder feiert: Am Samstag letzter Woche versammelten sich Studenten und Professoren der Shahjalal- Universität in Sylhet im Nordosten Bangladeshs, um die besten Abschlussprojekte der Absolventen der Robotik zu prämieren. Unter den Gästen war ein Mann, dessen weissen Schopf und Schnauz viele im Land kennen: Zapfer Iqbal ist nicht nur ein in akademischen Kreisen hoch geachteter Physikprofessor, der aus einer Schriftstellerfamilie stammende 65-Jährige ist auch einer der bekanntesten Kinder- und Jugendbuchautoren Bangladeshs. Zusätzlich ist Iqbal einer der ­prominentesten Rationalisten des Landes – eine Tatsache, die ihm nun fast das Leben gekostet hätte.

Ein Anhänger des Salafismus, einer extremistischen Auslegung des Islam, ging während der Feierstunde an der Uni mit einem Messer auf Iqbal los. Mehrmals stach er auf ihn ein und verletzte ihn dabei schwer an Kopf und Rücken. Erst als sich mehrere Studenten auf ihn stürzten, liess Foyzur Rahman von seinem Opfer ab. Im Polizeigewahrsam erklärte er, er habe Iqbal töten wollen, weil dieser«ein Feind des Islam» sei.

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Wir lieben die Lüge und die Verführung mehr als die Wahrheit

Bild: MaxPixel/CC0
Eine Analyse über die Verbreitung von Informationen auf Twitter macht deutlich, dass Falschinformationen schneller und weiter verbreitet werden, weil sie vermutlich neuartiger und überraschender sind

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Angeblich wollen alle die Wahrheit hören und werfen den anderen Lug und Trug vor. Tatsächlich ist aber die Lüge, also die List, dem anderen eine Falle zu bauen und ihm etwas glauben zu lassen, was nicht der Fall ist, eine wichtige Kulturleistung, die auch die Erfindung von Techniken der Täuschung zur Folge hat und vielleicht auch der Möglichkeit zugrundeliegt, technisch die Welt zu verändern. Menschen haben dieses Spiel perfektioniert, weil sie sich wie im Spiegelbild als anderen sehen und damit sich selbst aus den Augen eines anderen betrachten können. Das erleichtert das Schauspielen enorm, die Faszination daran treibt uns in die Kunst, in den Schein, die Fiktion, die Simulation. Das, was ist, erscheint uns oft zu banal und zu langweilig, wir leben im Möglichen. Schließlich ist selbst die Suche nach Wahrheit immer verbunden mit einem Trick, angeblich hinter die Bühne zu schauen, als ob dort nicht auch nur ein anderes Schauspiel geboten wird.

Kürzlich hatten Wissenschaftler vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Science eine Studie veröffentlicht, die herausfand, dass sich unwahre Behauptungen und auch „Verschwörungstheorien“ nicht nur schneller verbreiten als wahre Geschichten, sondern auch von deutlich mehr Menschen rezipiert und weitergegeben werden. Die Wissenschaftler haben zwischen 2006 und 2017 die Verbreitung von durch faktenüberprüfende Organisationen (snopes.com, politifact.com, factcheck.org, truthorfiction.com, hoax-slayer.com, urbanlegends.about.com) nachgewiesen wahren und falschen Nachrichten auf Twitter analysiert. Ob diese „Organisationen“ richtig vorgegangen waren, wurde nicht überprüft, ebenso spielte keine Rolle, ob mutmaßlich falsche Informationen bewusst zur Irreführung oder aus anderen Grünen weitergegeben wurden.

Dabei haben sie auf den Begriff der Fake News verzichtet, der zu einem Kampfbegriff geworden sei, um unerwünschte Nachrichten zu diskreditieren, allerdings verwenden sie nicht nur die Kennzeichnung von wahr und falsch, sondern sprechen eben auch von Verschwörungstheorien, die ebenso wie Fake News zu einem Kampfbegriff geworden sind. Nicht zuletzt sollten mit der negativen Belegung des Begriffs durch die CIA auch gezielt unerwünschte Gedanken über Zustandekommen von Ereignissen, in dem Fall die Hintergründe des Attentats auf John F. Kennedy, bekämpft werden. Verschwörung ist denn auch im amerikanischen Recht ein Straftatbestand, wenn zwei oder mehr Personen verabreden, eine Straftat zu begehen. Abgesehen davon sind politische Verschwörungen oder geheime Absprachen gang und gebe und keineswegs ein Phänomen der Neuzeit.

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Theologe Kuschel greift kirchlichem Missions-Fokus an

Mission neuen Typus.

Emeritierter Tübinger Theologe Kuschel behauptet: „Wer Mission will, will weder Dialog noch Toleranz, der will in letzter Konsequenz das Verschwinden des Glaubens des je Anderen“

kath.net

Mit unglaublich scharfen Worten hat der emeritierte Tübinger Theologe Karl-Josef Kuschel den Missionsauftrag der Kirche bei einem Vortrag in Salzburg attackiert: „Wer Mission will, will weder Dialog noch Toleranz, der will in letzter Konsequenz das Verschwinden des Glaubens des je Anderen und die weltweite Durchsetzung der eigenen als der einzig ‚wahren Religion'“, behauptete Kuschel bei einem Vortrag am Freitag in Salzburg. Der Dialog stelle in diesem Zusammenhang ein bloßes Instrument der Missionierung dar und sei nicht als Gespräch auf Augenhöhe zu werten.

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Empathie liegt (auch) in den Genen

Die Fähigkeit, sich in die Gefühle anderer hineinzuversetzen, hat auch eine genetische Basis. © Charlotte Na, schulergd / freeimages
Unsere Gene bestimmen mit, wie sensibel wir für die Gefühle anderer Menschen sind. Immerhin zehn Prozent unserer Empathie-Fähigkeit wird demnach von unserem Erbgut beeinflusst, wie die bisher größte DNA-Studie dazu enthüllt. Über welche Mechanismen dies jedoch geschieht und warum, ist noch unklar. Interessant auch: Die Studie bestätigt, dass Frauen im Schnitt empathischer sind als Männer – und das daran nicht die Gene schuld sind.

scinexx

Ob Trauer, Freude oder Schmerz: Sich in die Gefühle anderer Menschen hineinzuversetzen und entsprechend zu reagieren, ist ein wichtiger Baustein unseres sozialen Miteinanders. Das zeigt sich vor allem dann, wenn diese Fähigkeit zur Empathie eingeschränkt ist – beispielsweise bei Menschen mit Autismus. Umgekehrt gibt es auch Menschen, die besonders sensibel auf die Emotionen anderer reagieren.

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Kritik an geplanter Ditib-Reise zum „Heerführer“ Erdogan

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bei einem Auftritt in Ankara.Foto: REUTERS/Kayhan Ozer
Der Moscheeverband Ditib wirbt für eine Bildungsreise in die Türkei – inklusive Besuch bei „unserem obersten Heerführer“. Kritiker sprechen von „nationalistischer Staatspropaganda“.

DER TAGESSPIEGEL

Eine geplante Türkei-Rundreise des deutsch-türkischen Moscheeverbands Ditib für junge Erwachsene stößt auf Kritik. Wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ berichtet, bildet laut dem Programm ein Besuch im Präsidentenpalast bei „unserem obersten Heerführer“ (Baskomutan) Recep Tayyip Erdogan das „Finale“ der Reise. Für die Veranstaltung in den NRW-Osterferien werde in Ditib-Mocheegemeinden geworben, so das Blatt.

Der Grünen-Politiker Volker Beck, Lehrbeauftragter am Centrum für Religionswissenschaftliche Studien der Ruhr-Universität Bochum, sprach laut dem Bericht von „nationalistischer Staatspropaganda der Ditib“, vor der die deutsche Politik nicht länger die Augen verschließen dürfe. „Die Ditib agiert immer deutlicher wie ein trojanisches Pferd. Außen Religion, innen der türkische Staat und Erdogan“, sagte Beck.

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Deutsche Waffenlieferungen in den Nahen Osten steigen um 109 Prozent

Themenbild. Leopard 2A5 _3, Bild: BB
Die USA, Russland, Frankreich, Deutschland und China stehen für 74 Prozent aller internationalen Rüstungslieferungen der vergangenen fünf Jahre. Deutsche Waffenlieferungen in den Nahen Osten steigen um 109 Prozent.

Frankfurter Rundschau

Die Geschäfte globaler Rüstungshersteller gehen glänzend: So wuchs der weltweite Waffenhandel zwischen 2013 und 2017 um zehn Prozent im Vergleich zum Zeitraum von 2008 bis 2012, wie das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri am Montag bekanntgab. Dies sei vor allem auf mehr Waffenlieferungen nach Asien und Ozeanien sowie in den Nahen Osten zurückzuführen.

Nach Jahren des Rückgangs wachse das globale Geschäft mit Rüstungsgütern seit 2003 wieder deutlich, erklärte Sipri. Die fünf größten Exporteure waren die USA, Russland, Frankreich, Deutschland und China. Zusammen stehen diese für 74 Prozent aller internationalen Rüstungslieferungen der vergangenen fünf Jahre. Die wichtigsten Abnehmer waren Indien, Saudi-Arabien, Ägypten, die Vereinigten Arabischen Emirate und China.

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Sri Lanka: Hassprediger im Mönchsgewand

Szenen der Verwüstung: Moschee nahe Kandy – REUTERS/Die Presse.com
In Sri Lanka eskaliert die Gewalt gegen die muslimische Minderheit. Dort gilt Ausnahmezustand – doch die Übergriffe gehen weiter. Auch in Thailand und Burma verbreiten Mönche Hass.

Von Vanessa Steinmetz | SpON

Es ist nicht viel übrig geblieben von den Geschäften und Gebäuden, die in der vergangenen Woche im Hochland von Kandy in Sri Lanka niederbrannten. Zwar patrouillierten Dutzende Soldaten am nächsten Tag vor den Balken und verkohlten Ruinen mit Helm und Waffe in der Hand. Weitere Anschläge verhinderten sie damit aber nicht: Kurz darauf standen wieder Häuser in Flammen, die der muslimischen Minderheit des Landes gehören.

Das Motiv der Brandstifter ist offenbar Rache. Vergangene Woche war ein Buddhist von einer Gruppe Muslime in Kandy umgebracht worden. Nun gilt in ganz Sri Lanka Ausgangssperre, das beliebte Urlaubsziel befindet sich offiziell im Ausnahmezustand, und der Zugang zu sozialen Netzwerken wie Facebook und WhatsApp wurde zwischenzeitlich gekappt.

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16 Menschen sterben nach Blitzeinschlag bei Gottesdienst in Ruanda

Archivfoto. Screengrab: Youtube
Ein Blitzeinschlag während eines Gottesdiensts hat im ostafrikanischen Ruanda mindestens 16 Menschen das Leben gekostet.

Frankfurter Rundschau

140 Kirchenbesucher wurden nach dem Vorfall im Süden des Landes in Krankenhäuser gebracht, wie die Provinzregierung mitteilte. Die meisten hätten aber schnell wieder entlassen werden können. 17 Kirchgänger liegen noch in Krankenhäusern, zwei davon mit schweren Verletzungen. Bei einem ähnlichen Vorfall am Freitag war ein Blitz in Ruanda bei einer Gruppe von 18 Studenten eingeschlagen, einer von ihnen starb.

Charedim bringen Israels Regierung ins Wanken

foto: afp / ahmad gharabaldi Das Gesetz, das ultraorthodoxe Juden vom Militärdienst in Israel befreit, wurde im September aufgehoben. Die Suche nach einer alternativen Regelung gestaltet sich schwierig.
Die Koalition in Israel droht wegen des Streits um den Militärdienst für Ultraorthodoxe zu zerbrechen. Benjamin Netanjahu kämen Neuwahlen durchaus entgegen

Lissy Kaufmann | derStandard.at

Wieder einmal blockierten ultraorthodoxe Demonstranten am Donnerstagabend den Verkehr in Jerusalem. Hunderte Charedim, also Gottesfürchtige, mit langen Mänteln, Bärten und schwarzen Hüten zogen auf die Straße, legten sich mit der Polizei an. Die war mit Pferden und Wasserwerfern im Einsatz. Die Charedim demonstrierten so ihre Ablehnung gegenüber der Armee: Sie wollen unter keinen Umständen Wehrdienst leisten, was für Männer und Frauen in Israel eigentlich Pflicht ist. Sie wollen noch nicht mal im Rekrutierungsbüro erscheinen, um vom Dienst befreit zu werden, was für streng religiöse Studenten in Thoraschulen, den sogenannten Jeschiwot, derzeit möglich ist.

Der seit langem andauernde Streit um den Wehrdienst der Ultraorthodoxen hat sich derart zugespitzt, dass er derzeit sogar die Koalition zu sprengen droht. Seit Tagen wird in Israel darüber diskutiert, ob es zu Neuwahlen kommen könnte. Auslöser ist die Forderung der ultraorthodoxen Parteien, über ein neues Gesetz abzustimmen, das Jeschiwa-Studenten auch zukünftig vom Wehrdienst befreien würde. Das soll geschehen, noch bevor der Haushalt für 2019 verabschiedet wird. Bis spät in die Nacht berieten Premier Benjamin Netanjahu und Mitglieder der ultraorthodoxen Koalitionsparteien am Wochenende. Laut Plan steht die Verabschiedung des Budgets Anfang der Woche an.

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Ost-Ghouta: Politisch motivierte Chöre der Empörten

Ost-Ghouta, Ende Februar 2018. Bild: Screenshot Video Qasioun News Agency / CC BY 3.0
Die Hilfslieferungen, die extremistischen Gegner der repressiven Baath-Regierung und der Gestank des Kriegs

Thomas Pany | TELEPOLIS

Am Montag trifft sich der UN-Sicherheitsrat, um sich von UN-Generalsekretär António Guterres über den Stand der Implementierung der Resolution 2401 in Syrien informieren zu lassen.

Es wird um die Probleme bei den Hilfslieferungen gehen und um die Angriffe, die in Ost-Ghouta weiter stattfinden. Die Empörung über die Zustände ist groß; wofür das Statement des Regionalen OCHA-Koordinators für humanitäre Hilfe in Syrien, Panos Moumtzis, ein knapp und scharf zusammengefasstes Exempel liefert:

(…) in einigen Fällen ist die Gewalt eskaliert, besonders für die fast 400.000 Männer, Frauen und Kinder in Ost-Ghouta. Statt der Gnade einer Atempause, die so sehr benötigt wird, geht es weiter mit mehr Kämpfen, mehr Toten und noch mehr bestürzenden Berichten über Hunger und Krankenhäuser, die bombardiert werden. Die kollektive Bestrafung von Zivilisten ist völlig unakzeptabel.

Panos Moumtzis, OCHA, 4. März 2018

Das sollte eigentlich nicht so sein. Vor zwei Wochen beschloss der UN-Sicherheitsrat eine Waffenruhe. Die erste Forderung der einstimmig beschlossenen UN-Resolution 2401 lautet, dass alle Parteien ihre Kampfhandlungen einstellen und dies umgehend und vollständig umsetzen, damit eine mindestens 30tägige humanitäre Pause in ganz Syrien („throughout Syria“) eingerichtet wird, um die Bevölkerung zu versorgen.

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„Digitalisierung führt dazu, dass die allgemeine Öffentlichkeit erodiert“

Der Kultursoziologe Andreas Reckwitz (picture alliance / Sven Hoppe/dpa)
Die SPD im Sinkflug und die CDU hat auch schlechte Zustimmungswerte: Den Volksparteien läuft das Volk davon. Für den Kultursoziologen Andreas Reckwitz liegen die Gründe dafür in einem tiefgreifenden Wandel der Gesellschaft – auch durch die Digitalisierung.

Andreas Reckwitz im Gespräch mit Thorsten Jantschek | Deutschlandfunk Kultur

Deutschlandfunk Kultur: Nach dem Mitgliedervotum der SPD steht also endlich die Regierungskoalition. Doch sie eine „große“ Koalition zu nennen, ist angesichts des Wahlergebnisses der SPD ohnehin nicht ganz richtig und angesichts der Umfrageergebnisse in dieser Woche, da liegt die Partei so rund bei 15 Prozent, ganz und gar falsch. Die Sozialdemokratie schwächelt, nicht nur in Deutschland oder in Frankreich, sondern auch in Italien, wo die Sozialdemokraten unter Matteo Renzi am vergangenen Wochenende eine krachende Wahlniederlage hingelegt haben.

Was ist also los mit der Sozialdemokratie in Europa? Was ist los mit den ehemals so großen und stolzen Volksparteien? Darüber möchte ich heute sprechen mit Andreas Reckwitz. Er lehrt Kultursoziologie in Frankfurt an der Oder und hat gerade mit seinem Buch „Die Gesellschaft der Singularitäten“ eine umfassende Analyse westlicher Gesellschaften vorgelegt.

Herr Reckwitz, 1987 war die Sozialdemokratie schon mal im Sinkflug begriffen. Da hat der Soziologe Ralph Dahrendorf gesagt, dass eigentlich die Sozialdemokratie ihre historische Mission, den Kapitalismus zu bändigen, erledigt habe und sich deshalb überlebt habe. – Was ist denn nun nach dreißig Jahren aus einer solchen Diagnose zu erfahren oder wie würden Sie die beurteilen?

Andreas Reckwitz: Also, ich denke, auf der einen Seite ist es ja so, dass dieser Sinkflug der Sozialdemokratie, den man schon in den 80er Jahren diagnostiziert hat, nach einem gewissen Zwischenstopp oder Zwischenhoch in den 90ern sich weiter fortgesetzt hat. Aber ob damit die historische Aufgabe der Bändigung des Kapitalismus erledigt sei, da hätte ich meine Zweifel. Wir haben ja gerade in den letzten Jahren in vieler Hinsicht auch eine Selbstkritik des Liberalismus, des Neoliberalismus vor allen Dingen. Insofern konnte man sagen, dass diese historische Aufgabe der Sozialdemokratie durchaus nicht von gestern ist.

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Knobloch: Nur Rückschläge im Kampf gegen Antisemitismus

Synagoge in Berlin. Themenbild Bild: bb
Die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, hält die Bekämpfung des Antisemitismus in Deutschland für gescheitert. Die 85-Jährige sagte am Sonntag in einem Vortrag in Düsseldorf, sie sehe „im Kampf gegen Antisemitismus nur noch Rückschläge, keine Fortschritte mehr“.

evangelisch.de

Knobloch verwies auf fast 1.500 antisemitischen Straftaten im vergangenen Jahr in Deutschland, die Schändung jüdischer Friedhöfe, Angriffe auf Synagogen und jüdische Gemeindehäuser sowie Hasstiraden in sozialen Netzwerken.

Knobloch betonte in ihrem Vortrag im Rahmen der Reihe „Düsseldorfer Reden“ des Schauspielhauses, Deutschland sei ihre Heimat. „Ich liebe unser Land. Bis vor kurzem hätte ich hinter diese Aussage auch ein Ausrufezeichen gemacht, doch diese Gewissheit wankt.“ Es sei in Deutschland „überfällig, eine kluge Form von Patriotismus zu entwickeln“, der kultur- und werteorientiert sei, forderte die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern.

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Starb Amelia Earhart doch auf Nikumaroro?

Amelia Earhart neben der Electra Lockheed, dem Flugzeug, mit dem sie 1937 bei ihrer Weltumrundung verschollen ist. © historisch
Schicksal geklärt? Die 1937 verschollene US-Flugpionierin Amelia Earhart könnte auf der Pazifikinsel Nikumaroro gestorben sein. Dort gefundene Knochen könnten entgegen früheren Annahmen doch von einer Frau stammen – und ihre Maße passen zu denen der Pilotin, wie ein US-Anthropologe jetzt ermittelt hat. Seiner Einschätzung handelt es sich bei den Knochen mit hoher Wahrscheinlichkeit um die sterblichen Überreste von Earhart.

scinexx

Ihr Schicksal ist bis heute ungeklärt: Die US-Flugpionierin Amelia Earhart galt als die „Königin der Lüfte“. Denn als erste Frau und zweiter Mensch nach Charles Lindbergh gelang ihr ein Soloflug über den Atlantik. Weitere Rekorde waren unter anderem der erste Alleinflug von Kalifornien nach Hawaii und ein Höhenweltrekord für Frauen.

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Amos Oz: „Ich liebe Israel, auch wenn ich es nicht aushalten kann“

Fachmann für vergleichende Fanatismusforschung: Der WELT-Literaturpreisträger Amos Oz in seinem Haus in Tel Aviv Quelle: picture alliance / AP Images
Der Schriftsteller Amos Oz hat für seine Enkel Plädoyers gegen Fanatismus geschrieben. Er weiß, was gegen Radikale aller Couleur helfen könnte. Und wo er am liebsten auf der Straße umkippen würde.

Von Hannes Stein | DIE WELT

Scherzhaft hat der israelische Schriftsteller Amos Oz sich einmal als „Fachmann für vergleichende Fanatismusforschung“ bezeichnet. Schließlich sei er unter Fanatikern aufgewachsen: Oz, der 1939 in Jerusalem als Amos Klausner geboren wurde, war als Kind von selbst ernannten Propheten umgeben und selber, wie er schreibt, „ein fanatischer, nationalistischer, selbstgerechter, begeisterter Zionist“. Dann freundete er sich mit einem dicken, asthmatischen Vertreter der britischen Besatzungsmacht an und stellte fest, dass jedes Ding zwei Seiten hat.

Mittlerweile schlägt Amos Oz allen Ernstes vor, Lehrstühle für vergleichende Fanatismusforschung einzurichten. Denn der Impfstoff ist aufgebraucht. Gemeint ist jene Teilimmunisierung, mit der Hitler und Stalin die Menschheit gegen ihren Willen versorgt haben – jene abschreckende Wirkung, die ungefähr drei Generationen lang dafür gesorgt hat, dass Fanatiker zumindest in Europa und den Vereinigten Staaten eine Minderheit bildeten. Die Abscheu vor Rassismus und Antisemitismus? Vorbei. Die Abscheu vor endgültigen Lösungen, bei denen die „Bösen“ in einem blutigen Endkampf besiegt werden? Vorbei. Ja, es ist zum Fürchten.

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