Afrin: Frankreich kritisiert Nato-Partner Türkei


Bild: Straße in Afrin, ANF
Der türkische Angriffskrieg führt das außenpolitische Leichtgewicht Frankreichs und der EU vor

Thomas Pany | TELEPOLIS

Noch am heutigen Mittwochabend, den 14. März 2018, so hofft der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, sollen „das türkische Militär und die Freie Syrische Armee den Distrikt Afrin vollständig eingenommen haben“. So berichtet es Hurriyet Daily News in einer kurzen Meldung. Der zweite und letzte Satz der Meldung konstatiert, dass die türkischen Streitkräfte die Stadt Afrin eingekesselt haben und die Mitglieder der kurdischen Volkschutzverteidigungseinheiten (YPG) vertreiben.

Tausende haben sich aus Afrin auf die Flucht gemacht, wie gestern auf Bildern mit langen Autoschlangen zu sehen war; allem Anschein nach waren das hauptsächlich Zivilisten. Die YPG-Kämpfer dürfte nach den Eindrücken aus dem syrischen Krieges das Kampffeld nicht so eilig verlassen. Möglich, dass die türkische Armee mit Hilfe der islamistischen Milizen den Belagerungsring im Distrikt Afrin sehr rasch zuziehen können. Die Stadt Afrin werden Erdogans Truppen nicht in ein paar Tagen einnehmen.

Bei den Angriffen der türkischen Armee auf Städte im Südosten der Türkei in den Jahren 2015 und 2016 dauerten die Straßenkämpfe zwischen 78 und 101 Tage, wie der Blog von Aaron Stein vom Think Tank Atlantic Council ermittelt hat. In Silope und Cizre dauerten die Straßenkämpfe 78 Tage.

Das Atlantic Council ist, gerade was das Kriegsgeschehen in Syrien anbelangt, eine parteiische Informationsquelle, die sich stets bemüht, einer Intervention gegen die Assad-Regierung und Russlands militärischer Dominanz das Wort zu reden, aber in diesem Fall scheinen die Einschätzungen realitätsnah und nicht so sehr von der eigenen Interessenslage geprägt.

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