So kam die Religion in den Koalitionsvertrag


Sigmar Gabriel (rechts) mit Pater Nikodemus Schnabel in der Dormitio-Abtei auf dem Zionsberg in Jerusalem im April 2017 © Bernd von Jutrczenka/dpa
Wie ein gewitzter Mönch und ein scheidender Außenminister es schafften, ein Kloster in Jerusalem in den Koalitionsvertrag zu schmuggeln. Und welche Rolle die Religion sonst noch für die neue Regierung spielt

Von Fabian Klask | ZEIT ONLINE

Ein Mönch war der Beste. 700 Lobbyisten sind beim Bundestag akkreditiert. Viele von ihnen haben versucht, Einfluss auf die Koalitionsverhandlungen zu nehmen. Der erfolgreichste aber ist keiner der geschmeidigen Anzugträger aus Berlin-Mitte. Es ist ein Benediktiner aus Jerusalem, der für ein Kloster kämpft, auf seiner Mission keine Positionspapiere verschickt, keine parlamentarischen Abende organisiert und nicht mehrmals wöchentlich im Politikertreff Einstein frühstückt. Ist Pater Nikodemus Schnabel mal zu Besuch in der Hauptstadt, spaziert er selbstverständlich im Mönchsgewand der Benediktiner durchs Regierungsviertel. Und trotzdem hat er es geschafft, sein Kloster, die Dormitio-Abtei in Jerusalem, im Koalitionsvertrag unterzubringen. Auf Seite 155, zwischen Afghanistan-Strategie und Zukunft der Bundeswehr, findet sich der seltsamste Eintrag des Regierungsprogramms: „Wir wollen Mittel bereitstellen u. a. für die Ausstellung des Flugzeugs ‚Landshut‘ im Gedenken an die Entführung im Jahr 1977 und für die dringend notwendige Sanierung der Abtei Dormitio in Jerusalem.“ Ein Satz, der in seiner Schlichtheit Millionen wert ist. Ein großes Geschenk, sagt Pater Nikodemus. Es klinge wohl noch immer etwas kurios, sagt einer der Verhandler, dass es die Zusage in den Vertrag geschafft habe.

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