Wissenschaftler kritisiert Schieflage zugunsten der Kirchen – Analyse gefordert


Bild: tilly
Der Münsteraner Politikwissenschaftler Ulrich Willems sieht eine Schieflage in der politischen Auseinandersetzung mit dem Thema Religion. Es fehle eine Analyse der anstehenden Herausforderungen.

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Im Koalitionsvertrag fänden sich dazu nur „Standardformulierungen zur Zusammenarbeit mit den beiden großen Kirchen“, sagte Willems im Interview der „Zeit“-Beilage „Christ & Welt“ am Donnerstag. Es fehle aber „eine konkrete Analyse der Herausforderungen, vor denen wir heute stehen“.

Muslime und Konfessionslose berücksichtigen

Die religiöse Landschaft habe sich seit den 50er Jahren stark verändert. Seien 1950 noch mehr als 96 Prozent der Bundesbürger Christen gewesen, gehörten heute nur noch etwa 60 Prozent einer der beiden großen Kirchen an; fünf Prozent seien Muslime. Die Konfessionslosen stellten de facto die stärkste Gruppe. „Von all dem merkt man im Koalitionsvertrag wenig“, so Willems.

Der Wissenschaftler fordert eine Reform der religionspolitischen Ordnung. Diese müsste Muslime und Konfessionslose mit ihren Interessen gleichberechtigt berücksichtigen. Stattdessen finde der Islam nur Erwähnung unter den Gesichtspunkten „Extremismusprävention, staatliche Sicherheit, Bekämpfung radikaler Muslime sowie Deutschsprachigkeit von Imamen in den Moscheen“.

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