„Mit dem Kopf gegen die Tafel geschlagen“

Ein Vater erhebt schwere Vorwürfe: An einer Schule in Oberbayern haben Lehrer offenbar die Kontrolle über den Unterricht verloren. Was steckt dahinter?

Von Kristin Haug | SpON

Seine Tochter sei immer gern in die Schule gegangen, berichtet Hans-Dieter Fuchslocher. Die Ferien seien ihr stets zu lang vorgekommen, schon am Samstag habe sie sich auf Montag gefreut. Doch mit dem Wechsel von der Grund- auf die Mittelschule Olching, die in Oberbayern liegt, habe sich das geändert.

Die Tochter habe nicht mehr in die Schule gehen wollen, ihre Noten seien schlechter geworden. So schreibt es Fuchslocher in einem Brief an die Schulleitung, über den auch die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet. Als er seine Tochter zur Rede gestellt habe, habe sie über aggressive Lehrer und prügelnde Schüler geklagt. Offenbar habe der Krankenwagen häufig zur Schule gerufen werden müssen.

weiterlesen

Fake Space News: Nasa-Zwillingsstudie sorgt für genetische Konfusion

Die eineiigen Zwillinge und Ex-Astronauten Mark und Scott Kelly dienen als Testpersonen, um die gesundheitlichen Folgen von langen Aufenthalten im All zu untersuchen. Bild: Nasa
Die Nasa erforscht mithilfe der eineiigen Zwillinge Kelly, wie sich ein Aufenthalt im All auswirkt. Ein Tweet führte nun in die Irre

Klaus Taschwer | derStandard.de

Allem Anschein nach muss man als Astronaut wenig von Genetik und Molekularbiologie verstehen, um ins All geschickt zu werden. Anfang dieser Woche setzte Scott Kelly nämlich einen Tweet ab, der in den vergangenen Tagen vor allem in den Boulevardmedien für einige Missverständnisse und Falschmeldungen sorgte.

Scott Kelly verbrachte von März 2015 bis März 2016 340 Tage nonstop im Weltraum, in seiner gesamten Karriere kam er damit auf 520 Tage Aufenthalt im All. Sein eineiiger Zwillingsbruder Mark Kelly war zwischen 2001 und 2011 an vier Missionen beteiligt und genoss insgesamt 54 Tage in der Schwerelosigkeit.

Das Projekt und die Berichte

Vor, während und nach Scott Kellys letztem Aufenthalt im All gaben die beiden Männer mit den identischen Genomen Blut- und Stuhlproben ab, damit analysiert werden kann, wie sich aufgrund der unterschiedlich langen Dauer im All bestimmte biologische Marker der beiden verändert haben – von den Längen der Chromosomen über die sogenannte DNA-Methylierung bis zu den Mikrobiomen.

weiterlesen

«Religion ist das, was die Armen davon abhält, die Reichen umzubringen»

Wie schon viele Denker und Philosophen in früheren Zeiten war auch Napoleon ein Atheist.

Hugo Stamm | watson.ch/blog

Viele Gläubige reagieren ungläubig, wenn ihr Gott oder ihre Heilslehre kritisiert oder in Frage gestellt werden. Egal, ob sie an Jesus als Sohn Gottes, an Allah, Krishna, Buddha oder sonst einen Religionsführer oder spirituellen Meister glauben. Es scheint, als mache für Strenggläubige ein Leben ohne religiösen Inhalt keinen Sinn.

Ihre heftigen Reaktionen auf Kritik nähren die Vermutung, dass skeptische Fragen für sie eine existenzielle Bedrohung darstellen. Oder einen Angriff auf ihren Glauben. Kritiker werden von ihnen gern auch als moralisch bedenklich eingestuft, weil sie glauben, dass nur der Glaube an einen Gott Menschen zu wertvollen und verantwortungsbewussten Wesen machen könne.

Fromme Christen beispielsweise sehen oft den Satan am Werk, wenn Skeptiker kritische Fragen stellen. Oder gar atheistische Positionen vertreten.

weiterlesen

Wandbild: Banksy legt sich mit Erdogan an

Houston Street in Manhattan – imago/UPI Photo
Die türkisch-kurdische Künstlerin Zehra Dogan wurde wegen eines Bildes zu fast drei Jahren Haft verurteilt. Banksy rief öffentlichkeitswirksam dazu auf, sie nachzuahmen.

Die Presse.com

Der britische Street-Art-Künstler Banksy hat mit einem großen Wandbild in New York gegen die Inhaftierung der türkisch-kurdischen Künstlerin Zehra Dogan protestiert. Die Malerin und Journalistin war Berichten zufolge im März 2017 zu fast drei Jahren Haft verurteilt worden.

Banksys rund 20 Meter breite Arbeit zeigt stellvertretend für die Tage ihrer Haftstrafe eine Strichliste, die an einer Stelle zugleich ein Gefängnisgitter darstellen. Dahinter blickt Dogans Kopf hervor. „Free Zehra Dogan“ steht in einer Ecke geschrieben. „Zu fast drei Jahren verurteilt, weil sie ein einziges Bild gemalt hat“, schrieb Banksy zu einem Foto der Arbeit auf Instagram. „Ich fühle wirklich mit ihr. Ich habe Dinge gemalt, die eine Haftstrafe viel mehr verdient haben“, teilte er gegenüber der „New York Times“ mit.

weiterlesen

Sexuelle Gewalt beim „Weißen Ring“ in Lübeck? „Da hat eine ganze Stadt den Mund gehalten“

Ausgerechnet beim Opferhilfeverein Weißer Ring sollen in Lübeck hilfesuchende Frauen sexuell bedrängt worden sein. Hinweise darauf kursierten schon seit Jahren – warum schritt niemand ein?

Von Rafael Buschmann, Jürgen Dahlkamp, Gunther Latsch, Jörg Schmitt | SpON

Ihr Mann war weg. Konnte nicht mehr, wollte nicht mehr, hatte das Auto mitgenommen, das letzte Geld, hatte sie sitzen lassen. Im vierten Monat schwanger, mit drei Kindern, in einer verschimmelten Bude. Ihr Leben war schon länger eine Kettenreaktion immer neuer Katastrophen gewesen. Aber so schlimm wie jetzt war es noch nie. Der Kühlschrank war leer.

Damals, im April 2016, schien alles hoffnungslos. Verloren. Wer half jetzt noch? Sie ging ins Netz, suchte nach: Weißer Ring, dem Verein, der sich um Verbrechensopfer kümmert. Sie fand in Lübeck Detlef Hardt, den Mann, der in der Stadt der Weiße Ring in Person war. Der Leiter der Außenstelle, früher Polizist, vor seiner Pensionierung Sprecher der Lübecker Polizei. Und seit Jahren die starke, entschiedene Stimme derjenigen, die aus Angst oder Scham ihre Stimme verloren haben.

weiterlesen

Streit um Nazi-Glocke in Niedersachsen eskaliert

Hitlerglocke Herxheim am Berg. Bild: youtube/Screengrab: bb. Themenbild
Der Streit um die Hakenkreuzglocke in der niedersächsischen evangelischen Kapellengemeinde Schweringen bei Nienburg eskaliert.

evangelisch.de

Trotz eines anderslautenden Kirchenvorstandsbeschlusses muss die Glocke nun zunächst weiter schweigen. Gemeindepastor Jann-Axel Hellwege habe am Freitag die Entscheidung seines Kirchenvorstandes angefochten, die Glocke wieder zum Gottesdienst läuten zu lassen, teilte ein Kirchensprecher mit. Hellwege habe Verfahrensfehler beanstandet. Die im Jahr 1934 aufgehängte Glocke trägt ein 35 mal 35 Zentimeter großes Hakenkreuz.

Nach dem Einspruch des Pastors muss die Gemeinde neu entscheiden und darf den gefassten Entschluss nicht umsetzen. Der Kirchenvorstand hatte Hellwege zufolge bereits am Mittwochabend entschieden, mit der seit September ruhenden Glocke wieder zum Gottesdienst zu läuten. Daran waren nach seinen Worten aber Kirchenvorsteher beteiligt, die nicht stimmberechtigt waren.

weiterlesen

Hausmäuse verändern ihr Aussehen allein durch häufigen Menschenkontakt

Die weissen Flecken im braunen Fell der Hausmäuse sind ein Zeichen der Selbstdomestizierung. Linda Heeb
Viele zahme, domestizierte Tierarten verändern im Vergleich mit ihren wilden Verwandten ihr Aussehen. Sie haben etwa weisse Flecken im Fell und kürzere Schnauzen. UZH-Forschende zeigen nun erstmals, dass verwilderte Hausmäuse dieselben sichtbaren Veränderungen entwickeln – ohne Selektion, allein aufgrund ihrer Nähe zu Menschen.

innovations report

Hunde, Kühe, Schafe, Pferde, Schweine, Vögel – unsere Vorfahren haben in den vergangenen 15‘000 Jahren Dutzende von Wildtieren domestiziert, um sie als Nutz- oder Haustiere zu halten. Damit aus wilden Wölfen zahme Hunde werden, wählten die Menschen jeweils die am wenigsten aggressiven bzw. ängstlichen Tiere für die Weiterzucht aus.

Zahmheit war somit das zentrale Selektionsmerkmal. Mit der Zeit änderte sich nicht nur das Verhalten der Tiere, sondern auch ihr Aussehen – und das übereinstimmend bei unterschiedlichen Tierarten. So haben domestizierte Hasen, Hunde und Schweine weisse Flecken in ihrem Fell, schlappe Ohren, kleinere Gehirne und kürzere Schnauzen. Domestikationssyndrom nennt die Wissenschaft diese Veränderungen im Erscheinungsbild.

Regelmässiger Menschenkontakt führt zu weiss geflecktem Fell

Ein Forschungsteam unter der Leitung von Anna Lindholm vom Institut für Evolutionsbiologie und Umweltwissenschaften der UZH hat dieses Phänomen auch bei verwilderten Hausmäusen (Mus musculus domesticus) festgestellt, die in einer Scheune in der Nähe von Zürich leben. Innerhalb eines Jahrzehnts waren in einer Mäusepopulation zwei der charakteristischen Veränderungen des Phänotyps deutlich erkennbar: weisse Flecken im braunen Fell und kürzere Schädel bzw. Schnauzen.

«Die Nager haben allmählich ihre Angst verloren und Domestizierungsmerkmale entwickelt, ohne dass wir die Mäuse absichtlich selektionierten, sondern allein durch den regelmässigen Kontakt zu uns», sagt Anna Lindholm. Seit rund 15 Jahren studiert die Evolutionsbiologin die Hausmäuse, die in der leer stehenden Scheune leben. Dort werden die Tiere regelmässig mit Wasser und Nahrung versorgt und von den Wissenschaftlern untersucht.

Experimentelle Zähmung wilder Füchse liefert Schlüssel

Das Domestikationssyndrom geht auf ein bemerkenswertes Experiment zurück, das 1959 in Sibirien begann. Der sowjetische Genetiker Dmitry Belyaev zähmte wilde Füchse und untersuchte dabei die evolutiven Veränderungen. Generation für Generation wählte er die jeweils zutraulichsten Individuen aus. Mit der Zeit änderten die Füchse ihr Verhalten: Sie tolerierten Menschen nicht nur, sondern waren geradezu freundlich. Gleichzeitig veränderte sich auch ihr Aussehen: ihr Fell hatte weisse Flecken, ihre Schnauze verkürzte sich, ihre Ohren wurden schlapp und ihr Schwanz geringelt.

Stammzellen der Neuralleiste sind Verbindungsglied

Verantwortlich für diesen parallelen Wandel von Verhalten und Aussehen scheint eine kleine Gruppe von Stammzellen im frühen Embryo zu sein: die Neuralleiste. Der Knorpel der Ohren, das Dentin der Zähne, die Melanozyten, die das Hautpigment produzieren, sowie die Nebenniere, in der Stresshormone gebildet werden, stammen alle von diesen Stammzellen ab.

Die Selektion von weniger ängstlichen bzw. aggressiven Individuen führt zu kleineren, weniger aktiven Nebennieren und damit zahmeren Tieren. Änderungen in Fellfärbung und Kopfgrösse sind somit unbeabsichtigte Nebeneffekte der Domestizierung. Diese gehen ebenfalls auf Stammzellen der Neuralleiste zurück, die in frühen Entwicklungsphasen passiver waren.

Wie wilde Mäuse ohne Selektion zu Hausmäusen wurden

Die Beobachtungen von Madeleine Geiger, Erstautorin der Studie, helfen zu verstehen, wie Hausmäuse, angezogen von Lebensmittelabfällen, vor rund 15’000 Jahren begannen, in der Nähe von Menschen zu leben. Allein durch die Nähe gewöhnten sich die Nager an die Menschen und wurden zahmer.

«Diese Selbstdomestizierung führte zur allmählichen Veränderung ihres Aussehens – ganz nebenbei und unabsichtlich», sagt Geiger. Evolutionsbiologen gehen davon aus, dass die Entwicklung vom wilden Wolf zum zahmen Hund zu Beginn ebenfalls ohne menschliche Selektion verlief. Wölfe, die sich in der Nähe von Menschen aufhielten, wurden mit der Zeit weniger ängstlich und aggressiv – der erste Schritt zur Domestizierung.

Literatur:
Madeleine Geiger, Marcelo R. Sánchez-Villagra and Anna K. Lindholm. A longitudinal study of phenotypic changes in early domestication of house mice. Royal Society Open Science. March 7, 2018. DOI: 10.1098/rsos.172099

Kontakt:
PD Dr. Anna Lindholm
Institut für Evolutionsbiologie und Umweltwissenschaften
Universität Zürich
Tel. +41 44 635 52 76
E-Mail: anna.lindholm@ieu.uzh.ch

Skurril: Graphen als Haarfärbemittel

Von blond zu schwarz – dank Graphenfärbung © Chong Luo
Langanhaltend und sanft: Graphen eignet sich offenbar auch als Haarfärbemittel. Wie Forscher berichten, lassen sich mit dem „Wundermaterial“ Farbtöne von schwarz bis braun erzeugen. Der Clou: Anders als bei herkömmlichen Methoden ummantelt die neue Färbung das Haar nur von außen. Sie ist dadurch weniger schädlich, hält aber trotzdem länger als Tönungen. Weil Graphen leitfähig ist, wirkt die Farbe zudem gegen „fliegende“ Haare.

scinexx

Ob blond, braun oder schon das erste Grau: Wer seiner von der Natur gegebenen Haarfarbe überdrüssig ist, greift heutzutage einfach zu Haarfärbemitteln. Ein bisschen Paste in die Strähnen geschmiert, einziehen lassen, ausspülen – und schon erstrahlt die Haarpracht in neuem Glanz.

weiterlesen

Die Schlafwandler sind heute im Nahen Osten unterwegs

Es existiert kein Heilungsplan. – Sonnenuntergang über der Muhammad-Ali-Moschee in Kairo. (Bild: Asmaa Waguih / Reuters)
Mit der Transformation der Türkei in ein islamistisches Sultanat schwindet die letzte Hoffnung auf eine Modernisierung der muslimischen Welt. Es scheint, dass der Nahe Osten auf einen Bürgerkrieg zusteuert, wie ihn Europa im 20. Jahrhundert erlebt hat.

Zafer Senocak | Neue Zürcher Zeitung

1918, vor hundert Jahren, ging der Erste Weltkrieg zu Ende. Doch ist dieser Krieg wirklich zu Ende gegangen? In Europa brach er schon nach rund einem Vierteljahrhundert wieder aus. Erst nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und dem Fall der Mauer wurde Jahrzehnte später ein dauerhafter innereuropäischer Frieden errichtet.

Anders ausserhalb Europas. Der Erste Weltkrieg hat vor allem im Nahen Osten, auf dem ehemaligen Territorium des Osmanischen Reiches, Verwundungen hinterlassen, die bis heute nicht heilen wollen. Fast alle Grenzziehungen im Nahen Osten sind Verwundungen und die aktuellen Konflikte in der Region chronisch. Die schmerzhaften Folgen sind heute wieder stärker spürbar, und es existiert kein Heilungsplan. Stattdessen wird auf altbewährte Mittel zurückgegriffen: Krieg, Vertreibung und Unrecht.

weiterlesen

Vatikan enthebt Erzbischof aus Guam seines Amtes

Kirchenrichter befinden unter Missbrauchsverdacht stehenden Erzbischof Apuron „einiger Anklagepunkte“ für schuldig.

kath.net

Der unter Missbrauchsverdacht stehende frühere Erzbischof von Agana auf Guam, Anthony Sablan Apuron, ist vom Gericht der vatikanischen Glaubenskongregation seines Amtes enthoben worden. Wie der Vatikan am Freitag mitteilte, befand ein Strafgerichtstribunal von fünf Kirchenrichtern Apuron in „einigen Anklagepunkten“ für schuldig. Um welche Tatbestände es sich handelt, gab die Glaubensbehörde nicht bekannt. Der 72-jährige Erzbischof, der seit Juni 2016 beurlaubt ist, wurde zudem mit einem Aufenthaltsverbot in seiner früheren Diözese belegt. Apuron kann in Berufung gehen. Wenn er darauf verzichtet, wird das Urteil rechtskräftig.

weiterlesen

Wehrbeauftragter fordert Einsatz muslimischer Seelsorger bei der Bundeswehr

Der Wehrbeauftragte Hans-Peter Bartels © 2018 AFP
In der Debatte um Muslime in der Bundeswehr fordert der Wehrbeauftragte Hans-Peter Bartels (SPD) den Einsatz von muslimischen Seelsorgern.

stern.de

In der Debatte um Muslime in der Bundeswehr fordert der Wehrbeauftragte Hans-Peter Bartels (SPD) den Einsatz von muslimischen Seelsorgern. „Imame für die rund 1500 muslimischen Soldaten wären wünschenswert“, sagte Bartels der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Samstagsausgabe) und plädierte für einen ehrenamtlichen Einsatz der muslimischen Seelsorger.

„Hauptamtliche muslimische Militärgeistliche kann ich mir nur schwer vorstellen, weil die Zahl der Muslime klein ist, sie über viele Standorte verteilt sind und es sehr unterschiedliche konkurrierende Glaubensrichtungen gibt“, sagte Bartels. „Am Ende könnte ein ehrenamtliches Modell herauskommen mit einer Ansprechstelle, die eine Liste mit Imamen führt, die in Frage kommen und die bei der Bundeswehr an einer Weiterbildung teilgenommen haben.“

weiterlesen

Appelle an Kurden und Türken sind nichts als leere Rhetorik

Am Flughafen Düsseldorf ist es am Sonntag zu Auseinandersetzungen zwischen mutmaßlich türkischen und kurdischen Demonstranten gekommen Quelle: dpa
NRW-Innenminister Reul erklärt, er werde „nicht dulden“, dass Kurden und Türken hier ihre Konflikte austragen. Das klingt schneidig – ist aber kaum mehr als eine Pflichtübung. Tatsächlich aber ist das Land ohnmächtig.

Von Till-Reimer-Stoldt | DIE WELT

Moscheen werden angezündet, Molotowcocktails in türkische Geschäfte geworfen, Autos türkischer Besitzer abgefackelt. Und die islamischen Verbände fragen nicht ohne Grund, wann wohl die ersten Menschen brennen werden. Kein Zweifel, der Konflikt zwischen Kurden und Türken ist diese Woche auch hierzulande eskaliert. In den vergangenen Tagen zählte das Innenministerium in NRW drei schwere Brandanschläge, blutige Ausschreitungen bei Demonstrationen, Bahnblockaden, etliche kleinere Schlägereien und insgesamt eine deutliche Zunahme der Straftaten. Stets steckten dahinter laut Ministerium militante Kurden aus dem PKK-Umfeld, die damit ihren Zorn über den türkischen Angriff auf das kurdische Afrin herausschleuderten. Ihr bevorzugtes Ziel sind Moscheen, Geschäfte und sonstige Repräsentanten des türkischen Staates in Deutschland.

NRW-Innenminister Herbert Reul antwortete darauf nun genau so, wie es viele deutsche Innenpolitiker dieser Tage tun. Mit großer Geste rief er aus, er werde „nicht dulden, dass innertürkische Konflikte hier auf deutschem Boden ausgetragen werden“. Das klang schneidig. Aber es klang auch nur so.

weiterlesen

Libysche Küstenwache bedroht Flüchtlingshelfer mit Waffen

Bei dem Vorfall hatte die Hilfsorganisation mehr als 200 Menschen an Bord. (Foto: AP)
  • Eine spanische Hilfsorganisation ist bei der Rettung von Migranten auf dem Mittelmeer nach eigenen Angaben von der libyschen Küstenwache mit Waffen bedroht worden.
  • Die Organisation weigerte sich dennoch die geretteten Menschen an die libyschen Behörden zu übergeben.
  • Der italienische Senator und Menschenrechtsexperte Luigi Manconi nannte den Vorfall eine „Aktion an der Grenze zur Piraterie“.

Süddeutsche Zeitung

Bei einem Rettungseinsatz im Mittelmeer ist die spanische Hilfsorganisation Proactiva Open Arms nach eigenen Angaben von der libyschen Küstenwache mit Waffen bedroht worden. Zum Zeitpunkt des Zwischenfalls hatte die Organisation mehr als 200 Flüchtlinge an Bord und befand sich in internationalen Gewässern, etwa 120 Kilometer entfernt von der libyschen Küste.

Der Organisation zufolge soll die Küstenwache die Helfer aufgefordert haben, ihnen die Menschen auf ihr Schiff zu übergeben. Als sich die Organisation allerdings weigerte, habe die Küstenwache gedroht zu schießen, erklärte eine Sprecherin der Organisation Proactiva Open Arms. Trotz der Drohung sollen sich die Helfer weiter geweigert haben. Das libysche Schiff zog sich schließlich zurück.

weiterlesen

Über den Islam sprechen

Bild: RDF
Ihre Stimme überschlug sich vor Schmerz und Erinnerungen an Angst, als sie mir ihre Geschichte erzählte. Sie ist gerade einmal 25, und doch passen der Mut und die Überzeugungen, die sie bewiesen hat, eher zu einem Helden mit jahrelanger Erfahrung auf dem Schlachtfeld.

Von Jeffrey Tayler | Richard-Dawkins-Foundation

. Tatsächlich wurde ihr Leben bedroht und sie hat ihre Rechte auf einer Art ideologischen Schlachtfeld verteidigt, vor allem ihre Rechte als Frau. 2015 entschied sie sich dazu, nicht länger zu schweigen und outete sich in einer tief islamisch geprägten Gesellschaft vor internationalem Publikum als Atheistin beim „The Rubin Report“ (Dave Rubins beliebter Internettalkshow), obwohl sie wusste, dass sie sich in Lebensgefahr begab, und musste letztlich aus ihrer Heimat fliehen. Aber selbst in ihrem neuen Leben in Kalifornien muss sie sich um ihre Sicherheit sorgen, wie all die anderen Ex-Muslime, insbesondere Frauen, die den Islam anprangern. Und dennoch bleibt sie unerschrocken.

Ihr Name ist Lubna Ahmed und sie stammt ursprünglich aus Bagdad. Sie ist von Beruf Ingenieurin, von der Berufung her eine wahrheitsliebende Rebellin.

Ich sprach neulich mit Ahmed über Sykpe. Was mir sofort auffiel, war der Kontrast zwischen der Verletzlichkeit in ihrer Stimme und ihren entschlossenen Erklärungen über den Glauben, in dem sie aufwuchs und der sie durchdringt, aber dem sie nie angehörte. Sie versucht gar nicht erst objektiv zu sein, sondern sagte mir gerade heraus, dass sie den Islam „hasst“ und erklärte eindrucksvoll, wie Richard Dawkins, Sam Harris, Ayaan Hirsi Ali und Christopher Hitchens, alle bekannt für ihre treffsicheren, faktenbasierten Verurteilungen des Islam (und anderer Religionen), sie sowohl durch ihre anti-theistischen Schriften, wie auch durch ihre Videos, die sie auf Youtube sah, inspirierten. Ihre beiden Online-Gespräche mit Dave Rubin – die natürlich auf der ganzen Welt, inklusive des Irak gesehen werden konnten – brachten ihr Todesdrohungen und teilweise auch körperliche Gewalt ein, was letztlich dazu führte, dass sie mit der Hilfe von Richard Dawkins, dessen gleichnamige Stiftung mit dem Center for Inquiry bei ihrer Rettung zusammenarbeitete, in den Westen fliehen konnte. Zu Beginn wurde sie von Dawkins inspiriert, zum Schluss rettete er ihr das Leben.

Ahmed erzählte mir, dass ihre Mutter (eine gebildete Frau) Atheistin war, ihr Vater hingegen nicht. Ich fragte Ahmed, wie sie zur Gottfreien wurde.

weiterlesen

„Die türkische Demokratie hat Erdogan nicht überlebt“

Bild: FB
Vor 15 Jahren wurde Erdogan zum Ministerpräsidenten gewählt. Seither ist er der mächtigste Mann in der Türkei. Wie hat er das Land verändert? Ein Rückblick mit dem Türkei-Experten Roy Karadag.

Von Leonie Feuerbach | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Herr Karadag, im März 2003 wurde Recep Tayyip Erdogan Ministerpräsident der Türkei. Er setzte zunächst auf einen versöhnlichen Kurs gegenüber den Kurden und begrenzte die Macht des Militärs. Damals galt er vielen als Hoffnungsträger.

Das stimmt. Allerdings waren die Umstände für Erdogan und seine AKP günstig. Die Verhaftung des PKK-Führers Abdullah Öcalan im Jahr 1999 hat ihnen in die Hände gespielt. Dadurch war die AKP-Regierung nicht so in diesen schmutzigen Krieg verwickelt wie die Vorgängerregierungen und hatte Spielraum, um zum Beispiel mehr Toleranz beim Gebrauch der kurdischen Sprache walten zu lassen. Um nach den gewonnenen Wahlen von 2011 dann auch in die Friedensverhandlungen einzusteigen.

Und bei der Eindämmung des Militärs?

Da hat Erdogan geholfen, dass die EU das zur Bedingung für Beitrittsgespräche gemacht hat. Denn die demokratischen Institutionen der Türkei waren sehr stark vom Militär dominiert, vor allem über den Nationalen Sicherheitsrat, ein politisch-militärisches Gremium. Das Paradoxe ist: Mit der Entmachtung des Militärs ist die Türkei einerseits demokratischer geworden. Andererseits verlor sie einen mächtigen Gegenspieler und Erdogan und die AKP konnten ihre Macht immer weiter ausbauen. Als das Militär dann formal nicht mehr viel zu sagen hatte, stoppte die AKP den Reformprozess.

weiterlesen

Österreich: Esoterik auf Steuerzahlerkosten

Nicht nur steril, sondern auch energetisch gereinigt sollte das KH Nord werden. © Stanislav Jenis
Das Krankenhaus Nord kommt aus der Kritik nicht heraus: Am Donnerstag wurde bekannt, dass ein „Bewusstseinsforscher“ für 95.000 Euro engagiert wurde, um „Energieflüsse“ auf dem Areal zu reinigen.

Wiener Zeitung

Als erste Konsequenz wurde die Projektleiterin des KH-Nord mit sofortiger Wirkung von ihrer Leitungsfunktion entbunden, wie KAV-Direktor Herwig Wetzlinger in einer Aussendung am Nachmittag erklärte. Wobei hier Insider gegenüber der „Wiener Zeitung“ von einem „Bauernopfer“ sprechen, das von der Verantwortung einer „Person übergeordneten Ranges“ ablenken solle. Die Projektleiterin habe gutgläubig und bereitwillig unterschrieben, was die andere Person ihr vorgelegt habe.

Aber der Reihe nach: Laut einem Bericht der „Kronen Zeitung“ handelt es sich bei dem „Bewusstseinsforscher“ um einen ehemaligen Autohändler. „Sämtliche natürliche am Grundstück vorhandene Energieflüsse wiederherstellen und reinigen“, „Alle nicht natürlichen Energieflüsse neutralisieren“ oder „Anhebung der Schwingungen auf das höchstmögliche Niveau“ umfasste das Portfolio des Mannes. Der Auftragnehmer hielt außerdem fest, dass man einen Schutzring um das Gebäude gelegt habe, „der verhindert, dass negativen Energien des Umfelds Einfluss auf das Haus und die Menschen darin nehmen“.

weiterlesen

Fall Skripal: Westliche Regierungen machen sich kollektiv lächerlich

Premierministerin Theresa May heute beim Besuch in Salisbury. Bild: Number 10/CC BY-NC-ND-2.0
Die Aufregung um den Mordanschlag auf den Doppelagenten Sergej Skripal nimmt zunehmend absurde Züge an – Ein Kommentar

Paul Schreyer | TELEPOLIS

Am Donnerstag kulminierte die öffentliche Empörung über den bislang völlig ungeklärten Vorfall in einer gemeinsamen Stellungnahme der Regierungen Großbritanniens, der USA, Frankreichs und Deutschlands. Man sei „entsetzt“ von diesem „Übergriff gegen die Souveränität des Vereinigten Königreichs“, der einen „Völkerrechtsbruch“ darstelle und „unser aller Sicherheit“ bedrohe.

Das erinnert stark an die Verkündung des NATO-Bündnisfalls im Oktober 2001, als der Öffentlichkeit ebenfalls keine Beweise für eine Täterschaft vorgelegt wurden. Der damalige NATO-Generalsekretär Robertson ließ seinerzeit verlauten, zur Erklärung des Bündnisfalls sei es auch gar nicht notwendig, dass die USA Beweise vorlegten – vielmehr reiche es aus, wenn die Regierung in Washington „mitteile“, dass solche Beweise existierten. Mit dieser lächerlichen Rhetorik wurde der „War on Terror“ damals begonnen.

So auch heute wieder: Trotz allen furiosen Pauken- und Trompetenklängen, allem „Entsetzen“ und aller „Bestürzung“: Es werden schlicht keine Beweise vorgelegt. Dass es zudem „keine plausible alternative Erklärung“ gäbe, ist offenkundiger Unsinn. Die denkbaren und plausiblen Alternativen sind zahlreicher, als dass sie sich zählen ließen. Die Briten vermeiden bei der Aufklärung zudem in auffälliger Weise den offiziell vorgeschriebenen Weg über die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW), was sie nötigen würde, Beweise vorzulegen. Darauf wies der russische Vertreter bei der OPCW in dieser Woche hin. Stattdessen verlassen sich die westlichen Regierungen – man möchte schon sagen, „wie gewohnt“ – auf die psychologische Wirkung einer PR-Kampagne.

weiterlesen

ARD-Vorsitzender pocht auf Erhöhung des Rundfunkbeitrags

Will mehr Geld von den Deutschen: Ulrich Wilhelm ist seit dem 1. Januar 2018 Vorsitzender der ARD Quelle: picture alliance
Kein Privatsender könne das Angebot von ARD und ZDF ersetzen, meint der ARD-Vorsitzende Ulrich Wilhelm. Deshalb fordert er: Die Deutschen sollen nicht weniger, sondern mehr Geld für die Öffentlich-Rechtlichen bezahlen.

DIE WELT

Monatlich 17,50 Euro zahlen die Deutschen für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Nach Ansicht des ARD-Vorsitzenden Ulrich Wilhelm ist das nicht genug. Er hält eine Erhöhung des Beitrags weiterhin für zwingend notwendig. Damit widerspricht er den Empfehlungen einer Prüfkommission, den Beitrag zu senken.

„Ein werthaltiges Angebot unter Beibehaltung der Qualität kann man nicht über Jahre ohne Teuerungsausgleich erhalten“, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Wenn der Rundfunkbeitrag bei monatlich 17,50 Euro bleibe, müssten ARD, ZDF und Deutschlandradio „tief in die Programme einschneiden“. Ein Angebot, wie es die Öffentlich-Rechtlichen bisher anbieten, habe „seinen Preis“.

weiterlesen

Seehofers Islam-Aussagen sind eine Zumutung

Viktor Orban, Ministerpräsident von Ungarn, eingerahmt von Horst Seehofer und Alexander Dobrindt.Foto: Andreas Gebert/dpa
Horst Seehofer trennt den Islam von den Muslimen. Darin ist er geübt: Er trennt auch den Antisemitismus von jenen, die dessen Stereotype transportieren.

Von Malte Lehming | DER TAGESSPIEGEL

Horst Seehofer, der neue Bundesinnenminister, sagt, der Islam gehöre nicht zu Deutschland. Die bei uns lebenden Muslime allerdings gehörten zu Deutschland. Das Thema ist alt. Seit der gegenteiligen Behauptung des ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff wurde es in sämtlichen Aspekten beleuchtet. Es wurde alles dazu gesagt – von jedem.

Interessant allerdings ist die logische Struktur von Seehofers Satz. Sie erinnert ein wenig an die Haltung der Katholischen Kirche zur Homosexualität. Demnach seien homosexuelle Handlungen zwar auf keinen Fall zu billigen, den Homosexuellen aber müsse mit Achtung, Mitleid und Takt begegnet werden.

weiterlesen

Will the ‘Information Paradox’ Pioneered by Stephen Hawking Ever Be Resolved?

Image: MOTHERBOARD
The problem inspired a famous physics bet and a „black hole war.“

Becky Ferreira | MOTHERBOARD

Science enthusiasts around the world are mourning the loss of Stephen Hawking, the renowned physicist and beloved public figure, who passed away on Wednesday at the age of 76. Hawking spent his life exploring the universe’s deepest mysteries and advancing sophisticated frameworks to explain its most elusive phenomena, such as black holes, alternate universes, and the tenuous future of life on Earth and elsewhere.

The motor neurone disease ALS confined him to a wheelchair and necessitated that he communicate through an electronic speech aid, but Hawking’s own immense passion for the cosmos—along with his cheeky sense of humor—shone through in his many popular science books, public appearances, and mountains of academic research.

In the midst of heartfelt tributes from his friends, colleagues, and fans, the scientific community continues to build on Hawking’s prolific academic contributions, which cement his legacy as one of the most forward-thinking cosmologists in a field that has no lack of trippy cosmic visions.

One major question that Hawking identified, but did not live to see resolved, is the black hole information paradox. This heady problem dates back to Hawking’s 1974 prediction that black holes aren’t completely black—they “radiate,” losing small amounts of mass over time. This theoretical evaporation of black holes, known as Hawking radiation, may sound benign enough, but it challenges the laws of the universe as we know them.

At the crux of the paradox is a classic clash between quantum mechanics and Einstein’s theory of general relativity. Quantum mechanics is built on the assumption that the universe’s physical “information,” which means properties of elemental matter like mass, spin, or configuration, cannot be permanently destroyed. While physical forms might change—a piece of coal can be compressed into a diamond, for instance—information about cosmic junk is never deleted.

read more