Appelle an Kurden und Türken sind nichts als leere Rhetorik


Am Flughafen Düsseldorf ist es am Sonntag zu Auseinandersetzungen zwischen mutmaßlich türkischen und kurdischen Demonstranten gekommen Quelle: dpa
NRW-Innenminister Reul erklärt, er werde „nicht dulden“, dass Kurden und Türken hier ihre Konflikte austragen. Das klingt schneidig – ist aber kaum mehr als eine Pflichtübung. Tatsächlich aber ist das Land ohnmächtig.

Von Till-Reimer-Stoldt | DIE WELT

Moscheen werden angezündet, Molotowcocktails in türkische Geschäfte geworfen, Autos türkischer Besitzer abgefackelt. Und die islamischen Verbände fragen nicht ohne Grund, wann wohl die ersten Menschen brennen werden. Kein Zweifel, der Konflikt zwischen Kurden und Türken ist diese Woche auch hierzulande eskaliert. In den vergangenen Tagen zählte das Innenministerium in NRW drei schwere Brandanschläge, blutige Ausschreitungen bei Demonstrationen, Bahnblockaden, etliche kleinere Schlägereien und insgesamt eine deutliche Zunahme der Straftaten. Stets steckten dahinter laut Ministerium militante Kurden aus dem PKK-Umfeld, die damit ihren Zorn über den türkischen Angriff auf das kurdische Afrin herausschleuderten. Ihr bevorzugtes Ziel sind Moscheen, Geschäfte und sonstige Repräsentanten des türkischen Staates in Deutschland.

NRW-Innenminister Herbert Reul antwortete darauf nun genau so, wie es viele deutsche Innenpolitiker dieser Tage tun. Mit großer Geste rief er aus, er werde „nicht dulden, dass innertürkische Konflikte hier auf deutschem Boden ausgetragen werden“. Das klang schneidig. Aber es klang auch nur so.

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