Die Schlafwandler sind heute im Nahen Osten unterwegs


Es existiert kein Heilungsplan. – Sonnenuntergang über der Muhammad-Ali-Moschee in Kairo. (Bild: Asmaa Waguih / Reuters)
Mit der Transformation der Türkei in ein islamistisches Sultanat schwindet die letzte Hoffnung auf eine Modernisierung der muslimischen Welt. Es scheint, dass der Nahe Osten auf einen Bürgerkrieg zusteuert, wie ihn Europa im 20. Jahrhundert erlebt hat.

Zafer Senocak | Neue Zürcher Zeitung

1918, vor hundert Jahren, ging der Erste Weltkrieg zu Ende. Doch ist dieser Krieg wirklich zu Ende gegangen? In Europa brach er schon nach rund einem Vierteljahrhundert wieder aus. Erst nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und dem Fall der Mauer wurde Jahrzehnte später ein dauerhafter innereuropäischer Frieden errichtet.

Anders ausserhalb Europas. Der Erste Weltkrieg hat vor allem im Nahen Osten, auf dem ehemaligen Territorium des Osmanischen Reiches, Verwundungen hinterlassen, die bis heute nicht heilen wollen. Fast alle Grenzziehungen im Nahen Osten sind Verwundungen und die aktuellen Konflikte in der Region chronisch. Die schmerzhaften Folgen sind heute wieder stärker spürbar, und es existiert kein Heilungsplan. Stattdessen wird auf altbewährte Mittel zurückgegriffen: Krieg, Vertreibung und Unrecht.

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