Fall Skripal: Westliche Regierungen machen sich kollektiv lächerlich


Premierministerin Theresa May heute beim Besuch in Salisbury. Bild: Number 10/CC BY-NC-ND-2.0
Die Aufregung um den Mordanschlag auf den Doppelagenten Sergej Skripal nimmt zunehmend absurde Züge an – Ein Kommentar

Paul Schreyer | TELEPOLIS

Am Donnerstag kulminierte die öffentliche Empörung über den bislang völlig ungeklärten Vorfall in einer gemeinsamen Stellungnahme der Regierungen Großbritanniens, der USA, Frankreichs und Deutschlands. Man sei „entsetzt“ von diesem „Übergriff gegen die Souveränität des Vereinigten Königreichs“, der einen „Völkerrechtsbruch“ darstelle und „unser aller Sicherheit“ bedrohe.

Das erinnert stark an die Verkündung des NATO-Bündnisfalls im Oktober 2001, als der Öffentlichkeit ebenfalls keine Beweise für eine Täterschaft vorgelegt wurden. Der damalige NATO-Generalsekretär Robertson ließ seinerzeit verlauten, zur Erklärung des Bündnisfalls sei es auch gar nicht notwendig, dass die USA Beweise vorlegten – vielmehr reiche es aus, wenn die Regierung in Washington „mitteile“, dass solche Beweise existierten. Mit dieser lächerlichen Rhetorik wurde der „War on Terror“ damals begonnen.

So auch heute wieder: Trotz allen furiosen Pauken- und Trompetenklängen, allem „Entsetzen“ und aller „Bestürzung“: Es werden schlicht keine Beweise vorgelegt. Dass es zudem „keine plausible alternative Erklärung“ gäbe, ist offenkundiger Unsinn. Die denkbaren und plausiblen Alternativen sind zahlreicher, als dass sie sich zählen ließen. Die Briten vermeiden bei der Aufklärung zudem in auffälliger Weise den offiziell vorgeschriebenen Weg über die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW), was sie nötigen würde, Beweise vorzulegen. Darauf wies der russische Vertreter bei der OPCW in dieser Woche hin. Stattdessen verlassen sich die westlichen Regierungen – man möchte schon sagen, „wie gewohnt“ – auf die psychologische Wirkung einer PR-Kampagne.

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