Brüchiger Flüchtlingsdeal lockt Migranten nach Europa

Im Grenzgebiet zwischen der Türkei und Griechenland: Flüchtlinge, die es auf eine ägäische Insel geschafft haben, kommen auch weiter nach Mitteleuropa Quelle: dpa/ANA-MPA/Nikos Arvanitidis
Asylsuchende gelangen auf dem Seeweg wieder nach Europa, weil Griechenland seinen Teil des EU-Abkommens mit der Türkei nicht einhält. Jetzt hat sich Ankara beschwert. In dem Land leben mittlerweile 3,8 Millionen Flüchtlinge.

Von Manuel Bewarder, Christoph B. Schiltz | DIE WELT

Die Idee klang gut: Damit Migranten aus der Türkei nicht so leicht Richtung Norden nach Österreich, Deutschland oder Schweden weiterziehen, sollten sie in Unterkünften auf den griechischen Inseln bleiben, dort, wo sie zuvor mit Booten angekommen waren. Diese Regelung gehört zum Kern des EU-Flüchtlingsabkommens mit der Türkei, das sich am 18. März zum zweiten Mal jährt.

Aber während sich die Türken weitgehend an die Vereinbarung halten und härter gegen Schleuser vorgehen, gerät Griechenland immer mehr unter Verdacht, das Abkommen zu torpedieren. Nach Informationen von WELT AM SONNTAG kritisieren Beamte in Berlin und Brüssel konkret, dass die griechische Regierung zuletzt zu viele Asylsuchende von den Inseln auf das griechische Festland gebracht habe.

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Polizei findet Sprengstoff in linker Szene – Landesregierung Thüringen unter Druck

Bodo Ramelow Regierungsbündnis aus Linken, SPD und Grünen muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass die Ermittlungen nicht mit der nötigen Intensität geführt werden. Dies, da zumindest einer der Verdächtigen aus dem linken Milieu stammt. (Bild: Malte Ossowski / Sven Simon)
Der Sprecher einer vom Land prämierten linken Initiative hortet gefährliche Substanzen. Weil die Behörden zögerlich reagieren, ist die Opposition verärgert.

Jonas Hermann | Neue Zürcher Zeitung

Das Bundesland Thüringen hat seit langem ein Extremismusproblem: Hier liegen die Wurzeln der Terrorgruppe NSU; die rechtsextreme Szene gilt nach wie vor als stark. Momentan ist allerdings die linke Szene in Erklärungsnöten. Kiloweise Chemikalien und Sprengstoff fand die Polizei am Dienstag bei mehreren Hausdurchsuchungen in Thüringen. Wegen des Verdachts der Vorbereitung eines Explosionsverbrechens ermittelt die Staatsanwaltschaft Gera gegen einen 25-Jährigen und einen 31-Jährigen. Der 31-Jährige war laut der «Thüringer Allgemeinen» bis Mittwoch Sprecher des Bündnisses «Zivilcourage und Menschenrechte» im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt. Mittlerweile ist sein Name von dessen Website verschwunden. Das Anti-rechts-Bündnis hatte im Jahr 2016 von der Landesregierung einen Demokratiepreis erhalten.

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SPD-Politiker will mit Petition „stille Feiertage“ zu Fall bringen

Mit einer Online-Petition will der Bremer SPD-Politiker Maurice Mäschig erreichen, dass es im Land Bremen künftig keine „stillen Feiertage“ mehr gibt.

evangelisch.de

Verbote von Veranstaltungen beispielsweise an Karfreitag, Volkstrauertag und Totensonntag sollten gestrichen werden. Durch die Vergnügungsverbote seien einige Freizeittätigkeiten gerade dann nicht möglich, wenn die Menschen Zeit dazu hätten, argumentiert Mäschig in seiner Petition, die bis Sonntag von rund 180 Mitzeichnern unterstützt wurde.

„Der Staat maßt sich mit diesen Einschränkungen die Entscheidung darüber an, wie seine Bürgerinnen und Bürger Feiertage begehen dürfen“, kritisiert Mäschig. „Viele sehnen sich nach Ablenkung, Freude und Leichtigkeit, weil bereits der Alltag mit negativen Situationen einhergeht.“ Es sei nicht die Frage, ob man sich an 365 Tagen im Jahr freuen und vergnügen müsse, sondern, welchen Grund es geben sollte, dies zu verbieten.

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Seehofer will Schengen-Abkommen aussetzen

Horst Seehofer (CSU) will mehr Grenzkontrollen und weniger Freizügigkeit. Der neue Innenminister spricht davon, dass Schengen-Abkommen der EU auf unbestimmte Zeit auszusetzen.

Frankfurter Rundschau

Nach dem Willen von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) soll das Schengen-Abkommen auf unbestimmte Zeit ausgesetzt werden. „Die Binnengrenzkontrollen müssen so lange ausgeführt werden, solange die EU es nicht schafft, die Außengrenzen wirksam zu schützen und zu kontrollieren. Auf absehbare Zeit sehe ich im Augenblick nicht, dass ihr das gelingen wird“, sagte er der „Welt am Sonntag“.

Seehofer sprach sich außerdem dafür aus, die Grenzkontrollen an den deutschen Binnengrenzen auszuweiten. „Es sind nicht allzu viele Grenzstellen in Deutschland derzeit dauerhaft besetzt. Auch darüber wird nun zu reden sein, ob das so bleiben kann.“ Es gehe nicht nur darum, „Menschen von illegalen Grenzübertritten abzuhalten, sondern Grenzkontrollen erfüllen auch andere Schutzfunktionen“.

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Deutschland holt 300 Flüchtlinge aus libyschen Haftlagern

Deutschland nimmt 300 Flüchtlinge aus Libyen auf. Die Bundesregierung wolle so dem drängenden Bedarf für Aufnahmen von Personen aus den sogenannten Detention Centers nachkommen, sagte eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums dem Evangelischen Pressedienst (epd).

evangelisch.de

In den berüchtigten Internierungslagern werden Tausende Flüchtlinge vor allem aus Afrika, aber auch aus asiatischen Ländern wie Pakistan, festgehalten. Die gefängnisartigen Camps stehen bei Menschenrechtlern unter heftiger Kritik. Immer wieder wird von Folter und Misshandlungen berichtet.

Die Aufnahmen werden nach Angaben der Sprecherin derzeit vom UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR vorbereitet. Einen genauen Zeitplan gebe es noch nicht. Das Ministerium gehe aber von ersten Aufnahmen im Verlauf des Frühjahrs aus.

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Interview mit Deniz Yücel: „Es liegt an dir, ob sie die Kontrolle über dich bekommen“

Zum Streitfall der deutsch-türkischen Politik geworden: Nach einem Jahr im Gefängnis ist Deniz Yücel endlich wieder frei Quelle: Martin U. K. Lengemann
Ein Jahr lang saß WELT-Korrespondent Deniz Yücel in der Türkei im Gefängnis. Mit seiner Frau Dilek gibt er das erste Mal ein Interview in Freiheit – und erzählt, warum er sich gegen seine Freilassung zunächst gewehrt hat.

Von Doris Akrap, Daniel-Dylan Böhmer | DIE WELT

Es ist keine ganz gewöhnliche Interview-Situation. Deniz Yücel, der da befragt wird, ist eigentlich selbst Journalist, und er ist ein WELT-Autor. Doch mit seiner Festnahme in der Türkei vor etwas mehr als einem Jahr wurde der Korrespondent zugleich zum Streitfall der deutsch-türkischen Politik. Jetzt erholt sich Yücel von der Haft, gemeinsam mit seiner Frau Dilek Mayatürk Yücel, die all die Monate um seine Freilassung gekämpft hat.

Auch die beiden Journalisten, die das Paar an seinem Urlaubsort besuchen, haben sich im vergangenen Jahr mit fast nichts anderem beschäftigt als mit Yücels Fall. Doris Akrap, Redakteurin der „taz“, ist seit ihrer Kindheit mit Yücel befreundet und hat mit anderen die Kampagne #FreeDeniz ins Leben gerufen. Daniel-Dylan Böhmer koordinierte bei WELT die Betreuung des Korrespondenten und die Bemühungen um seine Freilassung. Jetzt können die beiden Yücel auch kritische Fragen stellen. Und das ist viel besser, als für ihn sprechen zu müssen.

Doris Akrap: Jedes Mal, wenn Daniel oder ich in den letzten zwölf Monaten zu deinem Fall interviewt wurden, lautete die erste Frage: „Wie geht es Deniz?“ Jetzt kannst du endlich selbst darauf antworten.

Deniz Yücel: Danke, sehr gut. Und zwar aus zwei Gründen: Zum einen, weil ich das große Glück hatte, dass meine Frau Dilek immer an meiner Seite stand, mir den Heiratsantrag in den Knast geschickt und alles für mich getan hat, das gerade nötig war – Angela Merkel treffen, Socken in den Knast bringen, was auch immer. Außerdem waren meine Anwälte eine riesige Stütze. Dazu die #FreeDeniz-Solidarität, meine Zeitung, die WELT, die „taz“, Kollegen in anderen Redaktionen, die Mahnwachen in meiner Heimatstadt Flörsheim, die Autokorsos, Lesungen, Solidaritätsanzeigen, Preise, Briefe… All das gab mir das Gefühl: Ich bin nicht vergessen, ich werde hier nicht verfaulen.

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Bundestrojaner in Austria: Der Staat muss wie Hacker oder Kriminelle vorgehen

foto: screenshot Die Preise von Zerodium.
Am Schwarzmarkt werden für eine Whatsapp Sicherheitslücke bis zu 500.000 US-Dollar bezahlt

derStandard.at

SMS überwachen erlaubt, WhatsApp aber nicht? Das will die türkis-blaue Regierung mit ihrem Überwachungspaket ändern. Künftig sollen die Internet-Kommunikation via Messenger-Apps (Whatsapp, Skype) durch staatliche Spionagesoftware überwacht werden. Der sogenannte Bundestrojaner soll zur Anwendung kommen bei Straftaten mit einer Strafobergrenze von mehr als zehn Jahren, bei Verdacht auf terroristische Straftaten sowie bei Straftaten mit einer Strafobergrenze von mehr als fünf Jahren, wenn Leib und Leben und/oder die sexuelle Integrität gefährdet sind. Der Bundestrojaner soll auch „remote“ installiert werden können.

Wie Hacker oder Kriminelle

Damit die Software eingesetzt werden kann, müssen staatliche Behörden allerdings wie Hacker oder Kriminelle vorgehen und das Programm Verdächtigen unterjubeln, da aktuelle Handys mit starken Schutzmechanismen und starker Verschlüsselung ausgestattet sind. Etwa mit manipulierten E-Mails und durch die Ausnutzung von Sicherheitslücken.

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Was haben Rechtsextreme und Islamisten gemeinsam?

Rechtsextreme protesieren auf einem Aufmarsch gegen Islamisten – dabei haben beide viele Gemeinsamkeiten, sagt Julia Ebner. (imago/Ralph Peters)
Befinden wir uns im Zeitalter der Wut? Angesichts des Zulaufs bei Rechtsextremen und Islamisten haben viele diesen Eindruck. Zwischen beiden Gruppierungen gibt es erstaunliche Gemeinsamkeiten, sagt Extremismusforscherin Julia Ebner.

Moderation: Christian Rabhansl | Deutschlandfunk Kultur

Unvereinbar stehen sich Rechtsextreme und Islamisten gegenüber. Und sind sich doch ganz ähnlich, sagt die Extremismusforscherin Julia Ebner. Sie analysiert die Gemeinsamkeiten von Islamisten und Rechtsextremen und stellt fest: Die Rhetorik, die Strategien und auch die Ziele sind oft deckungsgleich. Beide Seiten sehen sich selbst in einer Opferrolle und dämonisieren die jeweils anderen. Beide Seiten wollen die Gesellschaft spalten. Und beide Seiten forcieren einen „Kampf der Kulturen“.

Im Gespräch mit Christian Rabhansl sucht Julia Ebner nach Antworten: Wie lässt sich verhindern, dass sich die Prophezeiung eines „Endkampfes“ selbst erfüllt? Welche Rollen spielen Politik und Medien in diesem Wechselspiel der Radikalisierung? Und wie lässt sich das „Zeitalter der Wut“ überwinden?

Deutschlandfunk Kultur: Unvereinbar stehen sich Rechtsextreme und Islamisten gegenüber. So sieht es aus – scheinbar. Aber sie brauchen sich gegenseitig und sie benutzen einander. – Diese These formuliert die Extremismusforscherin Julia Ebner in ihrem Buch mit dem Titel: „Wut“. Sie schreibt sogar: Islamisten und Rechtsextreme verfolgen ein gemeinsames Ziel. Das wollte ich genauer wissen und habe deshalb Julia Ebner eingeladen, hier auf der Leipziger Buchmesse. Guten Tag, Frau Ebner.

Julia Ebner: Guten Tag.

Deutschlandfunk Kultur: Bevor wir darauf kommen, wieso Sie meinen, dass Rechtsextreme und Islamisten mehr gemein haben als denen vielleicht bewusst ist und vor allem als denen lieb sein dürfte, machen wir einen kleinen Schritt zurück. Sie, Frau Ebner, forschen am Londoner Institut für strategischen Dialog, am ISD. Zuvor waren Sie schon Analystin bei der Extremismusbekämpfungs-Organisation Quilliam. Und die ist von ehemaligen Dschihadisten gegründet worden. Da habe ich mich schon sehr gewundert: Ihre Chefs waren ehemalige Dschihadisten. Fanden Sie das nicht ein bisschen merkwürdig?

Julia Ebner: Ich war natürlich sehr gespannt darauf, ihre Geschichten zu hören. Sie waren aus unterschiedlichsten islamistischen Netzwerken. Einer meiner ehemaligen Bosse war in Verbindung mit Al-Qaida und mit Osama bin Laden. Ein anderer war aus einer anderen internationalen islamistischen Organisation, die sich Hizb ut-Tahrir nennt, er war da einer der führenden Anwerber. Das heißt, die hatten am Anfang viele erschreckende Geschichten zu berichten – aber auch viele sehr inspirierende Geschichten, weil sie alle trotz allem ausgestiegen sind aus diesen Netzwerken.

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Riesiger Datenmissbrauch blamiert Facebook

Ohne das Wissen von Millionen von Facebook-Nutzern wurden ihre Profile für politische Werbung in den USA entwendet, wie jetzt bekannt wurde. (Bild:AP Photo/Jeff Chiu)
Die Firma Cambridge Analytica soll sich Daten von Millionen von amerikanischen Facebook-Nutzern rechtswidrig angeeignet haben, um diese politisch zu beeinflussen. Zu ihren Kunden zählte auch Donald Trumps Wahlkampfstab.

Marie-Astrid Langer | Neue Zürcher Zeitung

Das weltweit grösste soziale Netzwerk Facebook kommt aus dem Strudel schlechter Nachrichten nicht heraus. Wie die «New York Times» und der britische «Observer» am Wochenende enthüllt haben, wurden bereits 2014 Millionen von Nutzerdaten entwendet und bis heute nicht gelöscht. Konkret hat sich die amerikanische Datenanalysefirma Cambridge Analytica Anfang 2014 rechtswidrig Profile von mehreren Millionen amerikanischer Facebook-Nutzern angeeignet. Basierend auf diesen Daten hat die Firma eine Software entwickelt, die darauf abzielte, Wähler mit personalisierter politischer Werbung zu beeinflussen. Zu den Kunden von Cambridge Analytica gehörten in den vergangenen Jahren verschiedene republikanische Politiker, unter anderem Donald Trump. Auch dem Brexit-Lager um die Ukip-Partei soll die Firma bei der Abstimmung 2016 gedient haben.

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Bischöfin Breit-Kessler: Gegner der „Ehe für alle“ haben Verlustangst

Nach Ansicht der Münchener Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler haben kirchliche Gegner der „Ehe für alle“ Verlustangst.

evangelisch.de

Die Empörung über die volle rechtliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften könne sie in dem freiheitlichen Kontext dieser Gesellschaft nur so interpretieren, sagte sie am Samstag bei ihrem Eröffnungsvortrag zum 33. Kongress des Wildunger Arbeitskreises für Psychotherapie laut Manuskript im hessischen Bad Wildungen (Landkreis Waldeck-Frankenberg). Es sei die Trauer darüber, dass man sich einem komplexen Leben zu stellen und der Vielfalt des Lebens aus guten Gründen respektvoll zu begegnen habe, sagte Breit-Keßler.

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Moscheeverein Ditib in Deutschland „U-Boot des türkischen Staates“

Angeblich ist der Islamverband Ditib politisch neutral. Doch der Moscheeverein betreibt nationalistische Werbung für den türkischen Präsidenten Erdogan – und lässt in Deutschland für den Sieg seiner Truppen beten.

Von Christoph Schult | SpON

An diesem Sonntag jährt sich der Sieg der osmanischen Truppen über die von Großbritannien und Frankreich angeführte Entente zum 103. Mal. Anlässlich des Jubiläums der sogenannten Schlacht von Gallipoli laden diverse Moscheen des Islamverbands Ditib mit martialischen Bildern und Worten zu Gedenkveranstaltungen in Deutschland ein.

„Das, was die Fahne zur Fahne macht, ist das Blut darauf“, schreibt zum Beispiel Abdullah Ates, Vorsitzender der Ditib Leverkusen, in einem Facebook-Post. „Der Boden, für den man erst stirbt, wird zum Vaterland.“

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Türkei: Wahlmanipulation ist jetzt legal

Grafik: TP
Unter großem Aufruhr wurde eine Reform des Wahlgesetzes beschlossen, die Erdogan bei der Wahl 2019 die Macht sichern soll

Gerrit Wustmann | TELEPOLIS

Noch zum Jahresbeginn hatte der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan ein Problem: Seine und die Zustimmungswerte seiner Partei AKP sanken. Nachdem er schon das Verfassungsreferendum im April 2017 nur mit Manipulationen knapp für sich und sein Präsidialsystem entscheiden konnte (So wurde das Referendum manipuliert), zeichnete sich ab, dass ihm ein Sieg bei den Wahlen im Jahr 2019 keineswegs sicher ist.

Er reagierte mit demselben Mittel, das ihm schon bei den Neuwahlen 2015 die Mehrheit rettete: Krieg. Damals kündigte er den türkisch-kurdischen Friedensprozess auf und ließ Städte im Südosten des Landes bombardieren. Diesmal ist es ein völkerrechtswidriger Angriffskrieg gegen den kurdisch dominierten Bezirk Afrin in Syrien, kurz hinter der türkischen Grenze. Vor wenigen Tagen hat die türkische Luftwaffe begonnen, den Stadtbezirk von Afrin zu bombardieren, in dem sich Angaben von kurdischen Organisationen zufolge noch dreihundert- bis fünfhunderttausend Menschen aufhalten sollen, überwiegend Zivilisten. Menschenrechtler und NGOs warnen vor einem Blutbad, sollte es zu einem wochenlangen Häuserkampf kommen.

Der Krieg, in dem die türkische Armee Seite an Seite mit radikalislamischen Söldnern kämpft, hat bewirkt, was Erdogan bezweckt hatte: In einer Umfrage ergab sich, dass neunzig Prozent der türkischen Bürger den Krieg unterstützen. Der Hass auf die Kurden scheint die verfeindeten politischen Lager zu einen, er ist der kleinste gemeinsame Nenner. Die einzige Oppositionspartei, die sich vehement gegen die Militäroperation stellt, ist die linksliberale prokurdische HDP. Doch die Partei ist geschwächt, seit ihre Parteispitze, mehrere Abgeordnete und tausende Mitglieder inhaftiert wurden.

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§219a: Die pränatalen Fruchtwasser-Träume des Jens Spahn

Seit wenigen Tagen Gesundheitsminister: Jens Spahn (CDU). (Foto: dpa)
  • Gesundheitsminister Jens Spahn hat sich in die Diskussion um das Werbeverbot für Abtreibungen einschaltet.
  • Er warnt davor, den bestehenden Kompromiss in der Sache zu gefährden.
  • CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer ist zu Änderungen bereit, solange das Verbot an sich nicht angetastet wird.

Süddeutsche Zeitung

Die Debatte um das Werbeverbot für Abtreibungen geht weiter. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat die Gegner des Verbots angegriffen und sich gegen eine Änderung der bestehenden Regelung ausgesprochen. Spahn sagte der Bild am Sonntag: „Mich wundern die Maßstäbe: Wenn es um das Leben von Tieren geht, da sind einige, die jetzt für Abtreibungen werben wollen, kompromisslos.“ In der Debatte um das Werbeverbot für Schwangerschaftsabbrüche werde hingegen „manchmal gar nicht mehr berücksichtigt, dass es um ungeborenes menschliches Leben geht“.

Beim Thema Abtreibungen sei vor vielen Jahren „ein mühsamer gesellschaftlicher Kompromiss“ gefunden worden, sagte Spahn. „Ich warne davor, diesen jetzt leichtfertig zu gefährden.“ Schwangerschaftsabbrüche seien „keine ärztliche Leistung wie jede andere – und selbst für die gelten bei der Werbung strenge Regeln“.

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Türkischer Angriff auf Afrin: Tausende auf der Flucht

Erdogan auf einer Veranstaltung in Erzurum; Foto: Twitter
Erdogan mahnt das EU-Parlament wegen dessen Kritik an der Militäraktion zu mehr „Ehrlichkeit“. Dazu droht er wieder mit der Beendigung des Flüchtlingsabkommens

Thomas Pany | TELEPOLIS

Das Verhältnis zwischen der EU und Erdogan bleibt eigentümlich. Das Flüchtlingsabkommen mit der Türkei ist für die europäische Gemeinschaft von allergrößter Bedeutung.

„Die Ankunftszahlen in Europa über die östliche Mittelmeerroute lägen weiter 97 Prozent unter der Zeit vor dem Abkommen“, war vergangene Woche von der EU-Kommission zu erfahren – in einem Bericht der Zeit, der meldete, dass die Kommission weitere drei Milliarden Euro für die Versorgung von syrischen Flüchtlingen in der Türkei bereitstellen will.

Das sei Summe sei die nächste fällige Tranche für das Abkommen, das, so zitiert Die Zeit die EU-Kommission, „weiter Ergebnisse liefert“. Uneinigkeit herrsche unter den EU-Mitgliedsländern darüber, wie die drei Milliarden Euro aufgebracht werden sollen; letztendlich geht es darum, wie groß die Eigenbeteiligung sein soll.

Man kann sich jedoch vorstellen, dass sich die Uneinigkeiten innerhalb der EU in noch ganz andere, ziemlich kritische Dimensionen aufschwingen würden, sollte das Flüchtlingsabkommen mit der Türkei aufgekündigt werden. Das stellt ein ganz eigenartiges Band mit der Türkei unter der Regierung Erdogan dar. Ab und zu nutzt Erdogan die Gelegenheit, der EU zu demonstrieren, dass dieses Band eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Nasenring eines Rindviechs hat.

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In Latvia, hundreds march in honor of SS veterans

A view of the annual march on the Remembrance Day of the Latvian Legionnaires in Riga, Latvia, on March 16, 2018. (LTA Zinu dienests/Twitter via JTA)
Man arrested for displaying a poster of soldiers killing Jews during world’s sole event for former Nazi fighters

By Cnaan Liphshiz | THE TIMES OF ISRAEL

Police arrested a man for displaying a poster of soldiers killing Jews at the annual march by local veterans of two SS divisions that made up the Latvian Legion during World War II.

The man was arrested Friday morning on the margins of the annual march of the Remembrance Day of the Latvian Legionnaires — soldiers from the 15th Waffen Grenadier Division of the SS and the 19th Waffen Grenadier Division of the SS (the 1st and 2nd Latvian, respectively). A handful of veterans, flanked by hundreds of supporters waving Latvian flags, gathered around Freedom Monument for the march under heavy police guard.

The march in Latvia, a member of the NATO alliance and the European Union, is currently the only public event in Europe and beyond honoring people who fought under the banner of SS, Nazi Germany’s elite security force. Occurring amid rising tensions with Russia, it is part of numerous expressions across Eastern Europe of admiration for those, including Holocaust perpetrators, who collaborated with Germany against the Soviet Union.

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Ein Lob der Kichererbse

Hülsenfrüchte satt. Der Autor des „Ernährungskompasses“ lobt sie als wertvolle Kohlenhydrate-Quelle.Foto: Imago/Science Photo Library
Was die Wissenschaft über Essen herausgefunden hat – der „Ernährungskompass“ weist die Richtung.

Von Adelheid Müller-Lissner | DER TAGESSPIEGEL

Auf den Wochenmärkten, im Bioladen und im Supermarkt gibt es alles, und davon reichlich: frisches Obst und Gemüse, einheimisch und exotisch, Fleisch vom Bio-Metzger und vom Discounter, Milchprodukte in verwirrenden Varianten, knuspriges Baguette und ballaststoffreiche Vollkornbrote. Zur Vielfalt gesellt sich jedoch die Verwirrung: Soll man nun Rohkost oder gedünstetes Gemüse bevorzugen, vegetarisch leben oder aber mittels fleischlastiger „Steinzeitdiät“ gesund bleiben?

Ausgerechnet ein Mann, der sich um all das nach eigenem Bekunden lange Zeit kein bisschen scherte, hat nun ein Buch zum Thema Ernährung geschrieben. Der Wissenschaftsjournalist und frühere Tagesspiegel-Mitarbeiter Bas Kast nimmt zudem den Mund recht voll: Er verspricht im Untertitel zu seinem „Ernährungskompass“, der gerade im Bertelsmann-Verlag erschienen ist, nicht weniger als „Das Fazit aller wissenschaftlichen Studien zum Thema Ernährung“.

Zusätzlich stützt der Autor sich auf einen ganz besonderen Fallbericht: Er selbst hatte sich nämlich vor einigen Jahren vorgenommen, seine Ernährung radikal umzustellen, als er beim Joggen mit Schmerzen in der Brust zusammenbrach. Als studierter Psychologe und Biologe wollte er sich dabei von wissenschaftlichen Erkenntnissen leiten lassen.

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Bundesregierung schafft einen Beauftragten für Religionsfreiheit

Die neue Bundesregierung schafft das Amt eines Beauftragten für internationale Religionsfreiheit. Die Stelle werde beim Entwicklungsministerium angesiedelt sein, kündigte der Vorsitzende der CDU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, am Samstag in Nürnberg auf einer Kundgebung der Evangelischen Allianz an. Bereits in der kommenden Woche werde die Stelle besetzt.

evangelisch.de

Der CDU-Politiker rief vor etwa 400 Zuhörern dazu auf, überall auf der Welt genau hinzuschauen, ob Religionsfreiheit gelebt werden könne. „Wer dieses Menschenrecht verbietet, nimmt den Menschen einen Teil ihres Menschseins.“ Dabei kritisierte Kauder die Türkei. Es sei inakzeptabel, dass die türkische Armee bei ihrem Einsatz in Syrien keine Rücksicht auf bedrohte christliche Familien nehme.

Kauder forderte von den Christen in Deutschland, über solche Menschenrechtsverletzungen nicht zu schweigen. Auch in Deutschland sei die Religionsfreiheit gefährdet, wenn in Flüchtlingsunterkünften geflohene Christen von Menschen anderer Religionen angegriffen würden.

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Papst besucht Stätten des Säurenheiligen Pater Pio

Ganzkörperreliquie Pater Pios. Bild: wikipedia.org/PD
Franziskus beklagt in Pietrelcina Jugendarbeitslosigkeit – Besuch in Kinder-Krebsstation in San Giovanni Rotondo – Papst vor dem Glasschrein mit den mumifizierten sterblichen Überresten des Heiligen Pater Pio.

kath.net

Papst Franziskus hat am Samstag eine Pilgerfahrt zum italienischen Volksheiligen Pater Pio (1887-1968) unternommen. Anlass war das 50. Todesjahr des Heiligen. Am Morgen flog der Papst mit dem Helikopter zunächst in den Geburtsort des Heiligen, Pietrelcina bei Benevento. Anschließend reiste er weiter in den rund 130 Kilometer entfernten Wallfahrtsort San Giovanni Rotondo, wo der schon zu Lebzeiten als wundertätig verehrte Kapuzinerpater wirkte und begraben liegt.

In Pietrelcina besuchte Franziskus den Ort, an dem Pater Pio kurz nach seiner Priesterweihe 1910 erstmals seine mysteriösen Kreuzigungsmale empfing. Viele Gläubige harrten seit dem frühen Morgen an der Wallfahrtsstätte in der Nähe des Dorfes aus, um den Papst zu begrüßen. Franziskus verweilte einige Minuten alleine in der Kapelle über dem früheren Gebetsort des Heiligen.

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München: BND stationierte Technik in den Glockentürmen der Frauenkirche

Blick auf die Frauenkirche aus dem Maximilianeum heraus. (Foto: Florian Peljak)
Einem Medienbericht zufolge hat der Bundesnachrichtendienst noch vor dem Mauerfall Sende- und Empfangsanlagen verbaut, um Spione zu beschatten.

Süddeutsche Zeitung

Der Bundesnachrichtendienst (BND) hat einem Bericht des Spiegels zufolge die Münchner Frauenkirche für das Beschatten von Spionen oder ausländischen Diplomaten genutzt. Die Geheimdienstmitarbeiter hätten dazu Sende- und Empfangsanlagen in die Glockentürme eingebaut, schreibt das Magazin.

Die Agenten hätten während einer Observation Funkverkehr untereinander und mit der Zentrale in Pullach halten können. Der Einbau sei vor dem Mauerfall 1989 erfolgt, mittlerweile greife der BND „wohl nicht mehr“ auf die Anlage zurück, hieß es.

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Water on Dwarf Planet Ceres Is Driving an Active Surface

A reconstructed perspective of Juling Crater, where a patch of water ice is slowly growing on the northern wall. Credit: IAPS – INAF (Italy)
Growing patches of ice and minerals associated with liquid water reveal that the dwarf planet Ceres is still evolving.

By Nola Taylor Redd | SPACE.com

Researchers studying the warmer region of Ceres — the largest object in the asteroid belt between Mars and Jupiter — have noticed that a patch of ice has grown larger over time. In addition, a separate team found carbon-rich minerals on Ceres‘ surface that do not last long . Together, the new discoveries suggest that water still has a powerful presence on the tiny world.

Using NASA’s Dawn spacecraft, the researchers studied the surface of the dwarf planet. The first team, led by Andrea Raponi, of the Italian National Institute for Astrophysics (INAF), found a growing patch of ice on Juling Crater, found in the midlatitudes. They suspect that water from the crater floor is condensing on the wall, causing a patch of ice to grow larger. [7 Strange Facts About Dwarf Planet Ceres]

The second team, led by Filippo Giacomo Carrozzo, also of INAF, surveyed the carbon-rich minerals on the dwarf planet and mapped several regions in detail, revealing changes in the soil that they suspect are tied to the carbonates. The water-rich, or hydrated, minerals suggest that water has risen to the surface and boiled off, leaving the carbonates behind to reveal its presence.

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