Interview mit Deniz Yücel: „Es liegt an dir, ob sie die Kontrolle über dich bekommen“


Zum Streitfall der deutsch-türkischen Politik geworden: Nach einem Jahr im Gefängnis ist Deniz Yücel endlich wieder frei Quelle: Martin U. K. Lengemann
Ein Jahr lang saß WELT-Korrespondent Deniz Yücel in der Türkei im Gefängnis. Mit seiner Frau Dilek gibt er das erste Mal ein Interview in Freiheit – und erzählt, warum er sich gegen seine Freilassung zunächst gewehrt hat.

Von Doris Akrap, Daniel-Dylan Böhmer | DIE WELT

Es ist keine ganz gewöhnliche Interview-Situation. Deniz Yücel, der da befragt wird, ist eigentlich selbst Journalist, und er ist ein WELT-Autor. Doch mit seiner Festnahme in der Türkei vor etwas mehr als einem Jahr wurde der Korrespondent zugleich zum Streitfall der deutsch-türkischen Politik. Jetzt erholt sich Yücel von der Haft, gemeinsam mit seiner Frau Dilek Mayatürk Yücel, die all die Monate um seine Freilassung gekämpft hat.

Auch die beiden Journalisten, die das Paar an seinem Urlaubsort besuchen, haben sich im vergangenen Jahr mit fast nichts anderem beschäftigt als mit Yücels Fall. Doris Akrap, Redakteurin der „taz“, ist seit ihrer Kindheit mit Yücel befreundet und hat mit anderen die Kampagne #FreeDeniz ins Leben gerufen. Daniel-Dylan Böhmer koordinierte bei WELT die Betreuung des Korrespondenten und die Bemühungen um seine Freilassung. Jetzt können die beiden Yücel auch kritische Fragen stellen. Und das ist viel besser, als für ihn sprechen zu müssen.

Doris Akrap: Jedes Mal, wenn Daniel oder ich in den letzten zwölf Monaten zu deinem Fall interviewt wurden, lautete die erste Frage: „Wie geht es Deniz?“ Jetzt kannst du endlich selbst darauf antworten.

Deniz Yücel: Danke, sehr gut. Und zwar aus zwei Gründen: Zum einen, weil ich das große Glück hatte, dass meine Frau Dilek immer an meiner Seite stand, mir den Heiratsantrag in den Knast geschickt und alles für mich getan hat, das gerade nötig war – Angela Merkel treffen, Socken in den Knast bringen, was auch immer. Außerdem waren meine Anwälte eine riesige Stütze. Dazu die #FreeDeniz-Solidarität, meine Zeitung, die WELT, die „taz“, Kollegen in anderen Redaktionen, die Mahnwachen in meiner Heimatstadt Flörsheim, die Autokorsos, Lesungen, Solidaritätsanzeigen, Preise, Briefe… All das gab mir das Gefühl: Ich bin nicht vergessen, ich werde hier nicht verfaulen.

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