Wie Rudi Dutschke Jesus Christus pries

Rudi Dutschke 1967 im Auditorium Maximum der Freien Universität Berlin (Foto: picture-alliance/ dpa)
Der Journalist Ulrich Chaussy hat die Biografie des Studentenführers erweitert – und dokumentiert Rudi Dutschkes Bezug zum Christentum.

Von Rainer Stephan | Süddeutsche Zeitung

Revolution?

Wunderbar.

Aber wer soll sie machen?

„Natürlich verkauft auch der Arbeiter Westeuropas seine Arbeitskraft. Er verkauft sie gut. Er hat heute mehr zu verlieren als seine Ketten.“ Rudi Dutschke hat es immer gewusst: Im spätkapitalistischen Westen sind Revolutionen unmöglich geworden. Aber selten hat er das so klar ausgedrückt wie im Tagebucheintrag vom 2. Februar 1963.

Gewöhnlich waren geradlinige, schlichte Sätze eher nicht seine Sache. Andauernd dachte er, und andauernd versuchte er das, was er dachte, in Worte zu packen. Auf Schönheit des Ausdrucks, gar auf Eleganz legte er es nie an. So kamen seine Sätze oft merkwürdig klobig, rissig oder verschachtelt daher.

Hauptsache, sie waren richtig, nicht selten schmerzhaft richtig: „Der Mensch zerstört seine tradierten Normen nur unter der Voraussetzung des Verbessern-Könnens seiner Lage. Ist die Lage gut, auch nur scheinbar gut, will er und wird er nichts riskieren.“

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Stichwort «Esoterik»

Wohin soll der Philosoph seinen Blick richten – nach oben oder nach unten? Und an wen wendet er sich mit seinen Schriften – an seine Schüler oder an die Allgemeinheit? (Bild: PD)
Das Mysterium der Esoterik verlangt nach behutsamer Annäherung. Das Wort zumindest stammt von einem, der für die Philosophen nur Spott übrig hatte.

Klaus Bartels | Neue Zürcher Zeitung

Esoterikkurse, Esoterikläden, Esoterikmessen: Esoterik ist «in», und mit diesem «in» sind wir der Sache und dem Wort unversehens schon ganz nahe. Aber eines nach dem anderen; das Mysterium der Esoterik verlangt eine gemächliche Annäherung. Fangen wir ganz aussen und ganz anfangs an, mit dem weniger gebräuchlichen Gegenbegriff des «Exoterischen». Die so nah aneinander anklingenden Wörter «Exoterik» und «Esoterik» sind prägefrisches altes Griechisch. Im «Exoterischen» hat sich das Adjektiv exoterikós erhalten; darin steckt an erster Stelle das Adverb éxo, «draussen», an zweiter Stelle ein -ter-, das im Griechischen eine Steigerung bezeichnet, und an dritter Stelle der Adjektiv-Ausgang -ikós, der sprachlich unserem «-isch» entspricht. Fügen wir die drei Teile zusammen, so verdolmetscht sich dieses «Exoterische» als das «weiter draussen Gelegene».

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Sekte Zwölf Stämme: Gericht billigt Entzug des Sorgerechts nach Prügeln

40 Kinder hatte die Polizei aus den Sekten-Gemeinschaften in Klosterzimmern und in Wörnitz geholt und in Heimen untergebracht. (Foto: Daniel Karmann/dpa)
  • Angesichts des Risikos „einer systematischen und regelmäßigen körperlichen Züchtigung von Kindern“ seien die deutschen Gerichte verpflichtet gewesen, die Kinder in Obhut zu nehmen, entschied der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte.
  • 2013 gab es Berichte von Aussteigern der Sekte über „Gehirnwäsche und Prügel, um den Willen der Kinder zu brechen“.
  • Daraufhin schritten die Jugendämter ein und ordneten die Unterbringung von etwa 40 Kindern in Pflegefamilien oder Heimen an.

Süddeutsche Zeitung

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat den Entzug des Sorgerechts für Mitglieder der für ihre brutalen Erziehungsmethoden berüchtigten Sekte „Zwölf Stämme“ gebilligt. Die Straßburger Richter wiesen am Donnerstag die Beschwerden von vier Familien gegen Deutschland ab, deren Kinder in Pflegefamilien und Heimen untergebracht worden waren. Die Eltern hatten den deutschen Behörden einen Verstoß gegen das Grundrecht auf Schutz des Familienlebens vorgeworfen.

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Erzbistum München bedauert Verärgerung über BND-Anlagen im Domturm

Selbstdarstellung der Erzdiözese München/Freising. Bild: bb

Generalvikar Beer: Aufklärung und Prüfung, ob Zweck der Einrichtung mit Gotteshaus vereinbar ist – Offenbar handelt es sich um Verstärkerantennen für früher vom Bundesnachrichtendienst benutzten Funk

kath.net

Mit großem Bedauern nimmt das Erzbistum München und Freising die Verärgerung von Teilen der Bevölkerung und Katholiken bezüglich technischer Anlagen des Bundesnachrichtendienstes im Nordturm des Münchner Liebfrauendoms zur Kenntnis.

Dazu erklärt der Generalvikar des Erzbischofs von München und Freising, Peter Beer: „Leider liegen gegenwärtig keine Unterlagen vor, die eine qualifizierte Aussage darüber zulassen, seit wann diese Einrichtung existiert und welchem Zweck sie dient. Die Verantwortlichen der Metropolitankirchenstiftung am Dom sind sehr darum bemüht, diese Fragen zu klären.

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USA wollen in Manbidsch bleiben, Irak lehnt türkische Operation im Nordirak ab

Jesidische PKK-Kämpferinnen in Sindschar. Bild: YPG/CC BY-SA-2.0
Es läuft auf eine Konfrontation zwischen Washington und Ankara zu, aber auch Bagdad stellt sich gegen türkische Invasionspläne

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Kaum hatten die türkischen Truppen mit ihren vandalisierenden Kämpferhorden die Stadt Afrin „eingenommen“, aus der die YPG-Kämpfer bereits abgezogen und die meisten Einwohner geflohen waren, startete das türkische Militär die nächste Invasion. Gedroht wurde erneut, die Kurden, also die „YPG/PKK-Terroristen“ im türkischen Propagandasprech, von Manbidsch über Kobane bis nach Qamishli zu vertreiben, also das gesamte syrische Grenzgebiet im Süden zur Türkei einzunehmen. Zunächst aber waren am Montag türkische Truppen, unterstützt durch die Luftwaffe, im Nordirak einmarschiert, um dort die PKK aus dem Sindschar zu vertreiben. Schon Anfang 2017 hatte die Türkei mit einem militärischen Eingreifen gedroht, wenn die PKK sich nicht aus Sindschar (Shengal) zurückzieht. Im Anschluss hat die Türkei begonnen, für eine Bodentruppe aus Milizen eine Proxy-Armee durch Anwerbung und Ausbildung von arabischen Syrern bzw. Abwerbung von Kämpfern aufzubauen, die nun wohl auch in Afrin mit dabei war.

Nach Angaben des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) sind allein Sonntag und Montag mehr als 100000 Menschen aus Afrin vor den Türken Richtung Aleppo und Tel Rifaat geflohen. UN-Hochkomissar für Menschenrechte, Zeid Ra’ad Al Hussein, sagte, 50.000 seien aus Ost-Ghouta geflohen (nach russischen Angaben sollen es mittlerweile 80.000 sein, die den Fluchtkorridor zum Entkommen benutzt hätten) . Er warf der syrischen Regierung Kriegsverbrechen und Bombardement der eingeschlossenen Zivilisten vor, die türkischen Streitkräfte hätten in Afrin ebenfalls viele Zivilisten getötet und verletzt sowie tausende vertrieben.

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Sternpassage warf Kometen aus der Bahn

Unsere Vorfahren könnten ihn als rötlichen Lichtpunkt gesehen haben: Vor 70.000 Jahren kam ein kleiner Doppelstern dem Sonnensystem nahe. © José A. Peñas/ SINC
Stellarer Störer: Vor rund 70.000 Jahren streifte ein fremder Stern den Außenrand unseres Sonnensystems. Wie Astronomen nun festgestellt haben, hat diese stellare Passage Spuren hinterlassen: Die Flugbahnen einiger Kometen und Eisbrocken aus den Außenbezirken unseres Sonnensystems sind bis heute von diesem „Eindringling“ geprägt. Obwohl der störende Stern eine sehr geringe Masse hatte, reichte sie offenbar aus, um einige Objekte in der Oort’schen Wolke aus ihre Bahn zu werfen.

scinexx

Heute liegt der nächste Nachbarstern rund vier Lichtjahre von der Sonne entfernt – ein bequemer Sicherheitsabstand. Doch das war nicht immer so: Im Laufe der Sonnensystem-Geschichte hat es auch immer wieder nahe Passagen fremder Sterne gegeben. Kam der Stern dabei nahe genug, könnte sein Schwerkrafteinfluss sogar die Flugbahnen von Objekten im Außenbereich des Sonnensystems verändert haben. Gängiger Theorie nach könnten einige langperiodische Kometen ihre Flugbahn solchen Passagen verdanken.

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Dodo Gysi, Feigenblatt des Religiösen

»Gottlose Buskampagne«: Überzeugte Atheisten warben 2009 in Berlin für »ein positives Bild des Unglaubens«. ©dpa
Das Zusammenleben braucht Ethik und Moral. Unsere Religion kann allgemein verbindliche Ideen formulieren

Von Rabbiner Julian Chaim Soussan | Jüdische Allgemeine

Gregor Gysi, der Atheist, warnt vor einer »gottlosen Gesellschaft«. Diese Nachricht lässt aufhorchen. Bei einer Buchvorstellung hatte sich der Linken-Politiker vor drei Wochen in Berlin dahin gehend geäußert. Wenn Kirchen und Religionen nicht existierten, gäbe es kaum ein Nachdenken über moralische Fragen. Auch seine Partei habe den Anspruch, eine allgemein verbindliche Moral zu formulieren. Die Kraft, diese in der gesamten Gesellschaft zu vermitteln, habe aber auch heute nur die Kirche. Die Wirtschaft könne letztlich keine verbindliche Moral zur Folge haben, nach der man leben könne, argumentierte er.

Als Rabbiner würde ich einwenden, dass es nicht (nur) die Kirche ist, die diese Moral der Gesellschaft vermitteln kann, sondern auch und vor allem die Synagoge, also der Tanach beziehungsweise die jüdische Bibel.

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Maroder Schweizer Uraltmeiler Beznau wieder am Netz

AKE Beznau. Bild: BLS208/CC BY-SA-3.0
Deutsche, Schweizer und Franzosen wehren sich dagegen, dass die Grenzwerte für Radioaktivität um den Faktor 100 angehoben und die Abschaltkriterien deutlich gesenkt werden sollen

Ralf Streck | TELEPOLIS

Telepolis hatte es gerade angekündigt, dass die Lebensgefahr am Oberrhein massiv steigt, da die Schweizer Behörden einen der ältesten Reaktoren weltweit wieder ans Netz lassen wollen.

Das Risiko wird weiter steigen, da auch die Franzosen an der deutschen Grenze, in Fessenheim, den ältesten französischen Schrottmeiler trotz massiver Mängel wieder hochfahren, der nach vielen Versprechungen längst abgeschaltet sein sollte, weil man schlicht angesichts einer verfehlten Energiepolitik seit Jahrzehnten, dringend auf den Strom angewiesen ist.

Nun ist, so melden Schweizer Medien melden, Beznau I also tatsächlich seit Dienstag wieder am Netz. „Zeitweise werde aus dem nicht nuklearen Teil der Anlage sichtbar Dampf abgegeben“, wird der Betreiber Axpo zitiert. „Dabei bestehe keine Gefährdung von Mensch und Umwelt“, der Standardsatz der Atomlobby. Unmittelbar besteht vermutlich tatsächlich keine Gefahr, dass der Uraltmeiler aber sicher ist, daran haben zahllose Experten aus verschiedenen Gründen ihre Zweifel. Es gibt sogar bekannte Mängel am Reaktordruckbehälter, die einst zu der dreijährigen Abschaltung geführt hatten.

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Vatikan-Sprecher tritt wegen Verdachts auf Fotomanipulation zurück

Headquarter des Konzerns.

Der Leiter des päpstlichen Kommunikationsbüros ist von seinem Amt zurückgetreten: Monsignore Dario Viganò stand in der Kritik, weil er Aussagen von Benedikt XVI. unterschlagen haben soll.

SpON

Monsignore Dario Edoardo Viganò war bereits angezählt: Im Zusammenhang mit einem sogenannten Lettergate hatte es erste Rücktrittsforderungen gegeben. Jetzt hat der Kommunikationschef des Vatikans sein Amt zur Verfügung gestellt.

Seit 2015 war der italienische Geistliche Präfekt des Kommunikationssekretariats der römischen Kurie. Papst Franziskus selbst hatte ihn ernannt und im September 2016 als Mitglied der Klerus- sowie der Bildungskongregation berufen.

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Haben wir alle Kokain am Finger?

Nicht nur wer Kokain konsumiert, bekommt die Droge an die Finger: Rückstände davon verbreiten sich zum Beispiel über Geldscheine. © Pe3check/ istock
Unbemerkter Drogenkontakt: Selbst wer noch nie Kokain konsumiert hat, hat womöglich Spuren davon an seinen Händen. Eine Studie zeigt: Immerhin bei rund jedem zehnten Nicht-Konsumenten fällt ein Drogentest mittels Fingerabdruck positiv aus. Denn Rückstände des Rauschmittels können sich zum Beispiel über Geldscheine unbemerkt verbreiten. Trotzdem ist es möglich, am Fingerabdruck zwischen echtem Drogenkonsum und zufälligem Kontakt zu unterscheiden, wie die Forscher betonen.

scinexx

In Deutschland hat ein Viertel der Bevölkerung schon einmal illegale Drogen ausprobiert: von Cannabis über LSD bis hin zu den als besonders gefährlich geltenden Rauschmitteln Heroin und Kokain. Doch wer gehört zu diesen Drogenkonsumenten? Das lässt sich inzwischen nicht nur durch Blut- und Speicheltests herausfinden, sondern auch am Fingerabdruck erkennen.

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EuGH entscheidet über Genschere

Mit der Crispr/Cas9-Genschere verbesserte Champignons bleiben so weiß, wie die auf diesem Symbolbild von Friedrich Böhringer. Lizenz
Der Europäischen Gerichtshof in Luxemburg prüft derzeit unter dem Aktenzeichen C528/16, ob mit der Crispr/Cas9-Genschere verbesserte Pflanzen unter die GVO-Richtlinie 2001/18EG fallen oder nicht. Folgt er der Stellungnahme seines Generalanwalts Michal Bobek, zählt für die Einstufung nicht die Methode, sondern das Ergebnis, weil sich bei Punktmutationen ohnehin nicht nachweisen lässt, ob sie (wie etwa die rosa Grapefruit) durch (natürliche oder künstliche) chemische Einwirkung beziehungsweise Strahlung oder durch eine Genschere entstanden sind.

Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

Die 2012 entdeckte Methode eignet sich nämlich nicht nur dazu, Erbkrankheiten auszuschalten (vgl. China auf der Überholspur bei klinischen Versuchen mit neuer Gentherapie?) – sie kann auch das Herauszüchten von unerwünschten und das Heranzüchten von erwünschten Eigenschaften bei Pflanzen erheblich beschleunigen. Aktuell forschen Wissenschaftler mit ihr unter anderem an Maispflanzen, die Trockenperioden besser überstehen, an Bananenpflanzen, die sich nicht von Raupen fressen lassen, und an ertragreicherem Weizen.

Unvorhergesehene Mit-Mutationen, die auch bei einer eigentlich punktgenauen Behandlung mit der Genschere vorkommen können (vgl. CRISPR-Genom-Editierung mit unerwünschten Nebenwirkungen), sind genau so bei natürlichen Mutationen möglich, weshalb sogar das Bundesamt für Naturschutz darauf aufmerksam macht, dass „der Vergleich mit der Natürlichkeit […] irreführend [ist], da eine höhere Naturnähe nicht per se ein geringeres Risiko darstellt.“ „Natürlich“ ist kein „Synonym für „sicher“, auch wenn es in Deutschland häufig so verwendet wird.

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Syrien Aggressor Türkei nennt deutsche Kritik „inakzeptabel“

Bild: FB
Die Bundeskanzlerin hatte den türkischen Militäreinsatz in der nordsyrischen Stadt verurteilt. Erdogans Regierung hält das für die Sichtweise von „Terroristen“.

Süddeutsche Zeitung

Die Türkei hat Kritik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an der Militäroffensive in Nordsyrien als „bedauerlich“ und auf Falschinformationen beruhend zurückgewiesen. Merkel hatte den türkischen Militäreinsatz am Mittwoch erstmals deutlich verurteilt.

„Bei allen berechtigten Sicherheitsinteressen der Türkei ist es inakzeptabel, was in Afrin passiert, wo tausende und abertausende von Zivilisten verfolgt sind, zu Tode kommen oder flüchten müssen“, sagte sie während ihrer Regierungserklärung im Bundestag. Die Bundesregierung verurteile dies „auf das Schärfste“.

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Politik und Religion – ein ewiger Streit

Bild: dw.com
Der Bundesinnenminister ist zugleich Religions- und Verfassungsminister. Offenbar hat er beide Aufgaben nicht verstanden, sonst würde er nicht so gezielt die Grenzen seines Amtes verletzen, meint Michel Friedman.

Michel Friedmann | Deutsche Welle

Horst Seehofer hat nicht gesagt, der „politische Islam“ gehört nicht zu Deutschland. Auch sagt er nicht, „der Islamismus“ gehört nicht zu Deutschland. Seine Worte waren klar und eindeutig: „Der Islam“ gehört nicht zu Deutschland. Das ist kein Zufall. Der Bundesinnenminister weiß, was er tut. Und er will es. Das nennt man Vorsatz.

Millionen Deutsche mit islamischen Glauben leben hier. Nicht nur dadurch ist der Islam eine Realität der Bundesrepublik Deutschland. Er ist es auch prinzipiell. Gerade ein Innenminister, der gleichzeitig auch Verfassungsminister ist, sollte Artikel 4 des Grundgesetzes kennen. In ihm ist die Religionsfreiheit definiert: Jeder Mensch kann glauben, an was er will. Jede Religion ist möglich, jeder Glaube denkbar, solange er nicht gegen das Grundgesetz verstößt. Sich als Politiker anzumaßen, einer Weltreligion ihre Existenz als Bestandteil der religiös-gesellschaftlichen Realität in Deutschland abzusprechen, zeugt von einem sehr zweifelhaften Verständnis von Religionsfreiheit.

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Warum der Staat Israel seine gesamten Brotvorräte an einen Araber verkauft

Ein ultraorthodoxer Bub zeigt eine Matze. Das ungesäuerte Brot ist nach jüdischen Lebensmittelvorschriften an Pessach koscher. (Bild: Ariel Schalit / AP)
Im Dienste der Religion kauft der Araber Hussein Dschabar dem jüdischen Staat Jahr für Jahr sämtliche während des Pessach-Fests verbotenen Lebensmittel ab – und wird damit für kurze Zeit zum Millionär.

Neue Zürcher Zeitung

Hussein Dschabar hat sich schon mit einigen grossen Politikern Israels ablichten lassen. Fotos zeigen den 53-Jährigen mit ehemaligen Ministerpräsidenten Israels, unter ihnen Yitzhak Rabin und Ehud Olmert, sowie mit dem gegenwärtigen, Benjamin Netanyahu. Alle Jahre wieder wird Dschabar zu einer zentralen Figur für den Staat Israel – zumindest während zehn Tagen. Jeden Frühling vor dem Pessach-Fest kauft der Araber dem jüdischen Staat nämlich sein gesamtes Chametz ab. Gemeint sind damit Lebensmittel, die Getreide enthalten, das gegärt hat. Darunter fällt gesäuertes Brot, aber auch Kuchen, Kekse oder Bier. Sie sind an Pessach verboten.

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Die Türkei sucht den Super-Muezzin

Gebetsruf von fast 3.000 Moscheen Istanbuls: Das Verdienst der Dokumentation des Regisseurs Sebastian Brameshuber liegt vor allem darin, dem türkischen Islam mittels der Geschichten der türkischen Muezzine mit all ihren Ambitionen und Sorgen ein gänzlich menschliches Gesicht zu verleihen.
Die Dokumentation „Muezzin“ des österreichischen Regisseurs Sebastian Brameshuber bietet Einblicke in das Milieu der türkischen Gebetsrufer. Marian Brehmer hat den Film gesehen.

Marian Brehmer | Qantara.de

Seit den Anfängen des Islam ist der Gebetsruf fester Bestandteil des Glaubenslebens der Muslime. Der erste Muezzin, Bilal, ein befreiter Sklave äthiopischer Abstammung, soll ein beeindruckend lautes Organ besessen haben. Bilal rief die frühen Gläubigen auf den Gassen von Mekka zu den fünf Gebetszeiten zusammen. Das Ritual lebte weiter: Traditionell sollte der ezan von schöner Stimme rezitiert werden, sodass die Menschen – berührt von der Melodie – möglichst rasch ihren Weg in die Moschee finden.

Demnach ist der ezan nicht nur ein Mittel zum religiösen Zweck, sondern auch eine eigenständige Kunstform, zu deren Ausführung es einer besonderen Gabe bedarf. Während die Muezzine früher direkt von den Minaretten der Moscheen riefen, wird der Gebetsruf heute meist über Lautsprecher in die Straßen und Plätze der Städte und Dörfer übertragen.

Auch wenn in der Türkei nicht alle Rufer von sonderlicher Begabung sind, so wählen zumindest die großen, historischen Moscheen vom Bosporus ihre Muezzine mit viel Bedacht aus. Einen Einblick in ihre Welt gibt der Dokumentarfilm „Muezzin“ von Sebastian Brameshuber, der in den großen Gotteshäusern von Istanbul recherchiert hat.

Vokale Polyphonie

In seiner Dokumentation porträtiert der österreichische Regisseur zwei Istanbuler Muezzine, die beim nationalen türkischen Muezzin-Wettbewerb antreten, einer Art „Die Türkei sucht den Super-Muezzin“. Die besten Gebetsrufer der Türkei wetteifern dabei Jahr für Jahr um den Titel des begabtesten Muezzins im Land.

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Fires Are Sometimes What a Forest Needs the Most

Forests in Orleans, California. Image: Kaleigh Rogers/Motherboard
The Karuk Tribe in northern California has been prevented from practicing ceremonial landscape burns for 100 years. Now, ecologists are starting to realize that was a mistake.

Kaleigh Rogers | MOTHERBOARD

Many of the mountain forests in Humboldt County, California haven’t seen a fire in more than 100 years. You might think that’s a good thing—California has been plagued with devastating wildfires in recent years—but as local Native American tribes have long understood, sometimes a fire is exactly what a forest needs. California’s Karuk Tribe, which has about 6,000 members today, is fighting to get its ceremonial burning rights restored.

“At this point, national policy is changing,” Bill Tripp, the deputy director of eco-cultural revitalization for the Karuk Tribe Department of Natural Resources, said in a phone interview. “We’ve got cities burning down in wildfires and people are realizing that taking fire out of the system should never have occurred.”

The Karuk Tribe performed ceremonial landscape burns for generations, usually leaving the fires to burn until the next rain. But somewhere along the way, US regulators began to believe that starting fires in the forest was bad under all circumstances, and began banning purposeful burns, including ceremonial practices of Indigenous people.

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Hückelhoven: Bistum Aachen erstattet Strafanzeige

Bild: tilly
Nach Prüfung der ersten Erkenntnisse bezüglich finanzieller Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit der Amtsführung von Pfarrer Georg Kaufmann, Leiter der Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) Hückelhoven und Pfarrer der neun Pfarreien der GdG, hat das Bistum Aachen nun Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Mönchengladbach gestellt.

kath.net

„Nachdem wir nun zusätzlich auch eine externe juristische Expertise eingeholt haben, haben wir die Klärung des Sachverhaltes nun in die Hände der Strafverfolgungsbehörden gelegt“, erklärt Dr. Andreas Frick, Generalvikar des Bistums Aachen. „Die Aktenlage wirft – auch nach Befragung von Pfarrer Kaufmann – so viele Fragen auf, dass wir mit unseren Mitteln an die Grenzen stoßen und es nicht verantworten können, die Ermittlung durch staatliche Stellen hinauszuzögern“, betont Frick.

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Linken-Politiker Gysi ermutigt Kirchen zur Einmischung

Gregor Gysi. Bild: FB

Nach Ansicht des Linken-Politikers Gregor Gysi ist es Aufgabe der Kirchen, sich in Politik und Gesellschaft einzumischen. Vorwürfe, Predigten seien zu politisch gehalten, gingen „am Wesen dessen vorbei, was eine gute Predigt immer auch sein muss: das Christenwort zu den aktuellen Zeitläuften“, schreibt Gysi in einem Gastbeitrag in der „Zeit“-Beilage „Christ und Welt“. Ohne Bezug zur Realität verliere die Predigt ihre Kraft.

evangelisch.de

„Man stelle sich nur einmal kurz vor, diesen Vorwurf etwa gegen das Agieren der Kirchen im Staatssozialismus zu erheben, um zu bemerken, wie abstrus er im Kern eigentlich ist“, schreibt Gysi. Doch auch in Deutschland müssten die Kirchen Stellung beziehen. „Wir leben in einem ungerechten Land, in dem sich die soziale Spaltung weiter vertieft. Dazu kann eine Kirche nicht schweigen, wenn sie sich selbst ernst nimmt.“

Wer Gerechtigkeit will, darf nach Ansicht Gysis die Auseinandersetzung mit den Mächtigen nicht scheuen.

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Deutscher IS-Kader in Syrien gefasst

Bild: nationalreview.com
  • Der IS-Kader Fared Saal aus Bonn soll in Haft sein.
  • Er galt als einer der bedeutenderen Deutschen beim „Islamischen Staat“ und enger Vertrauter von Denis Cuspert.
  • 2014 hatte ein Video Entsetzen ausgelöst, in dem Saal inmitten von Leichenbergen hockte.

Von Georg Mascolo | Süddeutsche Zeitung

Einer der bekanntesten deutschen Islamisten wurde bei der Zerschlagung des IS gefangen genommen und sitzt nun im Norden Syriens in Haft. Nach Informationen von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR handelt es sich um den aus Bonn stammenden Fared Saal, den die Vereinten Nationen wegen seiner besonderen Bedeutung auf eine Sanktionsliste gesetzt haben.

Saal gilt als einer der wenigen Deutschen, die beim sogenannten Islamischen Staat eine bedeutendere Rolle spielten. Sehr früh, bereits 2013, soll er sich der Organisation angeschlossen haben. Er galt als Vertrauter des nach Überzeugung der Sicherheitsbehörden in diesem Januar bei einem Luftangriff getöteten Berliner Rappers Denis Cuspert, alias Deso Dogg. Cuspert und Saal traten gemeinsam in Propaganda-Videos auf und warben für die Ausreise von deutschen Muslimen in das Herrschaftsgebiet des IS.

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A Hungry Black Hole Devoured a Star, and Its ‚Burp‘ Reveals How It Chowed Down

An artist’s impression of the material falling into a black hole and the resulting jet it produced. Credit: L. Calçada/ESO
A black hole that’s gobbling down a stellar meal is providing insight into how black holes devour matter and affect the evolution of galaxies.

By Nola Taylor Redd | SPACE.com

Researchers found that the X-ray signal burst caused when a black hole shredded a passing star was repeated in the radio wavelengths nearly two weeks later. The radio echo most likely came from an exodus of highly energetic particles streaming out of the black hole, the researchers said.

In 2014, Las Cumbres Observatory’s All-sky Automated Survey for Supernovae, a collection of robotic telescopes spread across the globe, picked up signals from 300 million light-years away. The event, known as ASASSN-14li, occurred as a star was ripped to shreds after passing too close to a black hole. Multiple telescopes immediately turned to track the tidal disruption flare, a powerful explosion of electromagnetic energy caused by the destruction. After poring through about six months‘ worth of data, Dheeraj Pasham, a researcher at the Massachusetts Institute of Technology, and Sjoert van Velzen, of Johns Hopkins University, found a pattern in the radio wavelength that nearly duplicates the X-ray signal. [No Escape: Dive Into a Black Hole (Infographic)]

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