Dodo Gysi, Feigenblatt des Religiösen


»Gottlose Buskampagne«: Überzeugte Atheisten warben 2009 in Berlin für »ein positives Bild des Unglaubens«. ©dpa
Das Zusammenleben braucht Ethik und Moral. Unsere Religion kann allgemein verbindliche Ideen formulieren

Von Rabbiner Julian Chaim Soussan | Jüdische Allgemeine

Gregor Gysi, der Atheist, warnt vor einer »gottlosen Gesellschaft«. Diese Nachricht lässt aufhorchen. Bei einer Buchvorstellung hatte sich der Linken-Politiker vor drei Wochen in Berlin dahin gehend geäußert. Wenn Kirchen und Religionen nicht existierten, gäbe es kaum ein Nachdenken über moralische Fragen. Auch seine Partei habe den Anspruch, eine allgemein verbindliche Moral zu formulieren. Die Kraft, diese in der gesamten Gesellschaft zu vermitteln, habe aber auch heute nur die Kirche. Die Wirtschaft könne letztlich keine verbindliche Moral zur Folge haben, nach der man leben könne, argumentierte er.

Als Rabbiner würde ich einwenden, dass es nicht (nur) die Kirche ist, die diese Moral der Gesellschaft vermitteln kann, sondern auch und vor allem die Synagoge, also der Tanach beziehungsweise die jüdische Bibel.

weiterlesen