Ahmad Mansour: „Merkels Position zum Islam ist genauso undifferenziert“


Islam-Experte Ahmad Mansour ist dankbar, dass über die Religion diskutiert wird. Überfremdungsgefühle vieler Bürger müssten ernst genommen werden. Doch leider sei der politische Islam oft „erster Ansprechpartner“ der Politik.

Von Martin Niewendick | DIE WELT

WELT: Herr Mansour, welcher Islam gehört zu Deutschland?

Ahmad Mansour: Ein Islam, der ohne Wenn und Aber hinter Demokratie und Menschenrechten steht und keine exklusiven Rechte beansprucht. Ein Islam, der im Privaten gelebt wird, der sich nicht isoliert und dafür sorgt, dass Muslime in Deutschland ankommen.

WELT: Und welcher nicht?

Mansour: In vielen Islamverbänden und Moscheevereinen sind demokratische Positionen in der Minderheit. Da gibt es Geschlechterapartheid, Sprech- und Denkverbote und Antisemitismus. Menschen werden dazu gebracht, eine schwarz-weiße Weltsicht zu haben. In dieser sind Muslime immer Opfer und „der Westen“ und die Medien immer Täter oder feindlich gegenüber dem Islam. Wir brauchen positive Vorbilder! Sich nur bei Mahnwachen und in Pressemitteilungen zur Demokratie zu bekennen, wie es viele Verbände machen, reicht nicht aus.

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