Ein Atheist beim Papst


© Bild: Bild: Raphael Hünerfauth
Sandro Bucher ist bekennender Atheist und wurde vom Vatikan zur Jugend-Vorsynode in Rom eingeladen. Der 25-jährige, der vor neun Jahren aus der Kirche austrat, fühlte sich erst fehl am Platze. Doch das änderte sich schnell.

Madeleine Spendier | katholisch.de

Zur Jugend-Vorsynode, die heute in Rom zuende ging, waren nicht nur katholische Jugendliche eingeladen. Auch Vertreter anderer Religionen und Atheisten konnten mitdiskutieren. Einer von ihnen war Sandro Bucher, der mit 16 Jahren aus der Kirche austrat. Im katholisch.de-Interview erzählt der Schweizer, wie er sich dabei fühlte.

Frage: Herr Bucher, Sie waren unsicher, ob Sie an der Vorsynode teilnehmen sollten?

Bucher: Nein, aber als ich im Collegio Maria Mater Ecclesiae in Rom ankam, dachte ich zuerst, ich wäre im falschen Film. Mönche und Priester irrten durch die Halle, eine Messe wurde im Nebenraum abgehalten und fromme Gesänge drangen in mein Ohr. Ich war unsicher, ob mich hier überhaupt einer hören wollte. Aber diese Befürchtung hat sich nicht bestätigt: Ich wurde sehr freundlich empfangen. Bei den Diskussionen herrschte ein offenes Klima. Keiner hatte ein Problem mit mir, weil ich nicht an Gott glaube. Ich fühlte mich rasch akzeptiert. Ich wurde andauernd gebeten, meine Meinung zu den verschiedenen Themen zu sagen. Einige haben mir rückgemeldet, dass sie von meinen Wortbeiträgen sogar profitiert hätten.

Frage: Sind Sie getauft?

Bucher: Ja, ich bin getauft, ich habe auch an der Erstkommunion teilgenommen. Aber als ich 16 Jahre alt wurde, bin ich aus der Kirche ausgetreten. Mein Vater ist katholisch, meine Mutter ist evangelisch-reformiert. In meiner Kindheit habe ich den katholischen Glauben nie hinterfragt. Als ich es aber in der Jugend tat, habe ich gemerkt, dass der Atheismus der richtige Weg für mich ist. Heute würde ich mich als Humanist bezeichnen. Ich glaube, dass ethische Werte und Menschenrechte dazu da sind, um die Welt besser zu machen.

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