Moscheeverband Ditib: „Verführerisch für autoritärdenkende Menschen“


Der Moscheeverband Ditib plant eine Jugendreise in die Türkei und bezeichnet Staatspräsident Erdogan als „obersten Heerführer“. Das ist zwar Staatspropaganda, aber nicht verwunderlich, meint der Lehrbeauftragter für Religionspolitik, Volker Beck.

domradio.de

DOMRADIO.DE: Eigentlich könnte man sagen, eine Jugendreise in die Türkei in den Osterferien klingt nach ein normalen Angebot. Was macht diese Reise für Sie denn zur nationalistischen Staatspropaganda?

Volker Beck (Früherer Grünen-Abgeordneter und Lehrbeauftragter am „Centrum für Religionswissenschaftliche Studien“ in Bochum): Wenn da von „unserem obersten Heerführer“ die Rede ist, dann reibt man sich schon ein bisschen die Augen. Erstens über die sprachliche Wahl und zweitens über die Perspektive. Denn es handelt sich ja eigentlich um unsere Jugendlichen muslimischen Glaubens aus Deutschland, die da hingefahren werden. Aber das Ganze reiht sich natürlich in eine Kette von nationalistischen Aufputschungen im Bereich der Diyanet und der Ditib in Deutschland ein.

Anfang des Jahres hatten wir die Aufforderung des Religionsattachés aus Berlin, die Siegessure in den Moscheen noch intensiver zu beten – das Ganze dekoriert mit Panzerabbildungen. Es gab auf vielen Ditib-Seiten Filme über den Vormarsch auf Afrin. Da gibt es eine ganze Menge Stellungnahmen, die diesen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg der Türken hier in deutschen Moscheen glorifizieren. Und man sieht dabei die Problematik der Ditib-Struktur insgesamt. Überwiegend in den letzten Jahren und Jahrzehnten hatte man mit der Ditib keine größeren Probleme, aber die Struktur war immer so angelegt: Wenn der türkische Staat will, wenn er es braucht, kann er einfach seinen Einfluss da an- oder ausknipsen. Seit dem Krieg gegen die Kurden sieht man eben, dass der Einfluss genommen wird, man hat es auch schon im Zusammenhang mit der Armenien-Resolution des Deutschen Bundestages gesehen, dass die Ditib am Ende immer für die Propaganda der türkischen Regierung herhalten muss.

weiterlesen