Wir Abkömmlinge des Urknalls


Hubble Ultra Deep Field-Aufnahme (HUDF) aus dem Jahre 2004. Bild: NASA, ESA, G. Illingworth (UCO/Lick Observatory University of California, Santa Cruz), R. Bouwens (UCO/Lick Observatory und Leiden University) und HUDF09 Team.
Ein Tag ohne Gestern, Heute und Morgen. Gefangen im Nichts. Eingebettet in scheinbarer Leere. Kein Raum. Kein Volumen. Kein Licht. Kein Leben. Doch irgendetwas fluktuiert. Ein unendlich kleiner, dichter, massereicher und heißer Punkt zerrt am Nichts.

Harald Zaun | TELEPOLIS

In ihm sind undefinierbare Kräfte gefangen. Warum sich dieses punktförmige Gebilde (Anfangssingularität) urplötzlich entzündete und nur 10-35 nach dem Urknall mit der 10-Billion-Billionenfachen Lichtgeschwindigkeit weit über die Größe des heute beobachtbaren Universums aufblähte, ist das größte Mysterium aller Mysterien.

Als der Big Bang in die Welt trat und zeitgleich die Selbige schuf, öffnete sich der erste Vorhang zur größten Ouvertüre des Universums. Mit ihm vollzog sich eine Premiere ohne Generalprobe, die kein Zuschauer sehen, kein Auditorium hören, kein Theaterkritiker kritisieren, kein Chronist protokollieren konnte. Es war eine betörende Galavorstellung im Nichts, vor einem Publikum, das nicht existierte. Weder eine menschliche noch außerirdische Seele war zugegen.

Heute, 13,82 Milliarden Jahre nach der großen Ouvertüre, sind wir bislang als einzig bekannte Spezies intellektuell und technisch in der Lage, den großen Vorhang einige Zentimeter beiseite zu schieben, wohl wissend, dass dahinter mindestens ein weiterer die Sicht auf das große Ganze versperrt. Immerhin gelingt es uns bisweilen, einen kurzen Blick hinter den ersten zu werfen. Dabei haben wir aber noch nicht einmal jene Kulissen entdeckt, auf denen sich die Dramen und Tragödien zutragen, bei denen extraterrestrische Intelligenzen die Hauptrollen mimen. So unterschiedlich die Akteure auf ihren Bühnen agieren – sie (die Anderen) und wir (der Homo sapiens) spielen immerhin im selben Theater, in dem wir unsere Gastauftritte mit unterschiedlichen Drehbüchern zelebrieren.

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