Die Mädchen von Telford


Das Phänomen heißt „Grooming“: Männer gewinnen das Vertrauen von jungen Frauen und missbrauchen diese dann. Oft sind die Männer organisiert. (Foto: Christopher Furlong/Getty)
Der Skandal um bandenmäßig organisierten Kindesmissbrauch nimmt immer größere Dimensionen an. 1000 Mädchen könnten betroffen sein – und wie so oft steht die Frage im Raum: Haben die Behörden versagt?

Von Cathrin Kahlweit | Süddeutsche Zeitung

Geschichte wiederholt sich eben doch. Ein so trauriges wie hochaktuelles Beispiel dafür: das Städtchen Telford in Nordwestengland.

Jahrelang hatten Berichte über Banden von überwiegend pakistanisch-stämmigen Männern, die Kinder und Jugendliche sexuell ausbeuteten, die Briten in Atem gehalten. Grooming heißt das mittlerweile international bekannte Phänomen, bei dem Männer das Vertrauen von Mädchen und jungen Frauen mit Flirts und Geschenken gewinnen, diese dann missbrauchen, abhängig machen, manipulieren oder mit Gewalt zum Schweigen bringen – und in vielen Fällen auch an andere Männer weiterreichen.

Die Liste der Städte, in denen der bandenmäßig organisierte sexuelle Missbrauch im Königreich stattgefunden hat, ist lang, sie reicht von Rotherham und Rochdale über Newcastle und Manchester bis Oxford. Nur dem Mut von Opfern, die sich nicht abweisen ließen, von Sozialarbeitern, die von ihren Arbeitgebern massiv unter Druck gesetzt wurden, und der Ausdauer britischer Medien ist es zu verdanken, dass diese Skandale irgendwann, in der Regel erst nach vielen Jahren, ans Tageslicht kamen. Denn Stadtverwaltungen und Polizei griffen nicht nur oft nicht ein, obwohl die Indizien überwältigend waren, sondern schützten die Täter auch noch. Der Sex sei einvernehmlich gewesen, hieß es meist, oder die Verantwortlichen schauten ganz weg, weil sie sich nicht dem Vorwurf des Rassismus gegenüber der asiatischen Bevölkerung ausgesetzt sehen wollten.

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