Neue Varianten für einen alten Code


Fluoriszierende E. coli-Zellen exprimieren ein durch künstliche DNA codiertes Protein. Bild: Bill Kiosses, The Scripps Research Institute
Bakterien nutzen erstmals einen künstlichen genetischen Code, um ein ungewöhnliches Protein zu erzeugen

Volker Henn | TELEPOLIS

Der genetische Code gehört zu den ältesten Merkmalen des Lebens: Die Zeichen und Regeln, die den Fluss der Information von DNA zu Protein steuern, haben sich seit über 3 Milliarden Jahren kaum verändert. Doch den Ansprüchen der modernen Biotechnologie genügt er längst nicht mehr. Sein Zeichensatz sieht für die Herstellung von Proteinen nur etwa 20 Aminosäuren vor, obwohl deren Zahl theoretisch fast unbegrenzt ist. Wenn Forscher diese Variationsbreite ausschöpfen wollen, müssen sie den uralten Code manipulieren und den neuen Bedürfnissen anpassen.

Eine dieser Bestrebungen führte kürzlich zum Erfolg: Forscher erweiterten das Alphabet der DNA-Basen um zwei synthetische Buchstaben, um die neue Information für den Einbau ungewöhnlicher Aminosäuren zu nutzen. Ein Meilenstein der Grundlagenforschung – aber vielleicht auch schon bald ein Weg zu besseren Medikamenten.

Der Durchbruch basiert auf jahrzehntelangen Vorarbeiten. Seit dem Ende der 1990er Jahre arbeiten Forscher um Floyd Romesberg am kalifornischen Scripps Institut an neuen DNA-Bausteinen, die auf den synthetischen Basen dNaM (kurz als X bezeichnet) und dTPT3 (Y) basieren.

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