Große deutsche Medien an Verbreitung von Falschmeldungen beteiligt


Erika Steinbach verbreitete zehn der zehn untersuchten Falschmeldungen. Hier zum Volksfest in Schorndorf | Screenshot: Motherboard | Twitter
Zum ersten Mal haben Forscher untersucht, wie sich Fake News und ihre Richtigstellungen in Deutschland verbreiten. Die größten Fake-Influencer sind Rechtspopulisten und Rechtsextreme. Aber auch Journalisten sind Teil des Problems.

Karolin Schwarz | MOTHERBOARD

Ein Mob von 1000 Jugendlichen, darunter vor allem Migranten, randaliert auf einem Volksfest im baden-württembergischen Schorndorf, heißt es in verschiedenen Medien im Sommer 2017. Die Nachricht beruht auf einer Meldung der Deutschen Presse-Agentur dpa. Und die ist schon bei ihrer Veröffentlichung falsch: Die Polizei Aalen hatte zuvor eine missverständliche Pressemitteilung verschickt, die einen Zusammenhang zwischen der Ansammlung von etwa 1000 Jugendlichen, viele von ihnen mit Migrationshintergrund, und mehreren Straftaten im Umfeld der „Schorndorfer Woche“ nahelegten. Die Causa Schorndorf ist eine von zehn Falschmeldungen, die die Stiftung Neue Verantwortung in ihrer neuen Studie „Fakten statt Fakes“ hinsichtlich ihrer Verbreitung in sozialen Medien näher unter die Lupe genommen hat.

 Die dpa-Meldung wird von regionalen und überregionalen Medien, darunter den Stuttgarter Nachrichten, der Welt und dem SWR, aufgegriffen und zum Teil zugespitzt. Die AfD verbreitet die Meldung auf Facebook und erfindet eine „islamische Grapschparty“ dazu. Und das rechte Blog anonymous-news.ru verbreitete die Meldung ebenfalls unter Bezugnahme auf die sexuellen Übergriffe in der Kölner Silvesternacht 2015.