Leben wir in einer postfaktischen Welt?


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Ist all der Fortschritt, den wir seit der wissenschaftlichen Revolution im Verstehen der Welt und uns selbst gemacht haben, durch eine Flut Posts und Tweets in den sozialen Medien ausgelöscht worden?

Von Michael Shermer | Richard-Dawkins-Foundation

Im Jahr 2005 war das Wort des Jahres der amerikanischen Dialekt-Gesellschaft „Wahrheitlichkeit“, das von Stephen Colbert in seiner Satire-Nachrichtensendung The Colbert Report, bekannt gemacht worden war. Es bedeutet so viel wie „die Wahrheit, die von der wir wollen, dass sie existiert“. 2016 nominierten die Oxford Wörterbücher „Post-Truth“ als ihr Wort des Jahres, was sie als „Umstände, in denen objektive Fakten weniger einflussreich sind, die öffentliche Meinung zu beeinflussen als Emotionen und persönliche Überzeugungen“ charakterisierte. Im Jahr 2017 erhöhte sich die Nutzung des Begriffs „Fake News“ um 365 Prozent, womit es den Spitzenplatz der „Wort des Jahres Shortlist“ des Collins English Dictionary einnahmen, das es als „Verbreitung falscher, oft sensationsgierige Informationen, die sich als Nachrichten tarnen“ definiert.

Leben wir in einer postfaktischen Welt der Wahrheitlichkeit, voll von falschen Nachrichten und alternativen Fakten? Ist all der Fortschritt, den wir seit der wissenschaftlichen Revolution im Verstehen der Welt und uns selbst gemacht haben, durch eine Flut Posts und Tweets in den sozialen Medien ausgelöscht worden? Wie der Psychologe Steven Pinker von der Universität Harvard in seinem glänzenden neuen Buch „Enlightenment Now: The Case for Reason, Science, Humanism, and Progress“ beobachtet, sind „Verlogenheit, Abstufungen der Wahrheit, Verschwörungstheorien, außergewöhnliche populäre Wahnvorstellungen und der Wahnsinn der Massen ist so alt wie unsere Spezies, aber auch die Überzeugung, dass einige Ideen richtig sind und andere falsch sind.“

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