Was brennt, wenn Moscheen brennen?


Die Fassade der Koca-Sinan-Moschee in Berlin-Reinickendorf nach dem Brand. (dpa / Paul Zinken)
Moscheen seien keine politischen Symbole, sondern Orte der Begegnung und Kathedralen der Hoffnung, meint Ahmad Milad Karimi. Wer Brandanschläge auf Moscheen verübt, zerstöre mehr als nur deren materielle Substanz.

Von Ahmad Milad Karimi | Deutschlandfunk Kultur

Orte brennen nicht – ein Brand geschieht an ihnen. Orte sind Zeugen. Wenn heute eine Moschee in Brand gesetzt wird, können wir vor Ort den Brand riechen, sehen, wie sich über alle Dinge die schwarze Farbe der Unkenntlichkeit gelegt hat. Koranausgaben und andere Bücher liegen am Boden, unlesbar, unberührbar.

Wenn in den letzten zwei Monaten mehr als 26 Moscheen Opfer von Brandanschlägen geworden sind, wenn in den letzten fünf Jahren mehr als 500 Anschläge gegen muslimische Gebetshäuser verübt wurden, so dürfen wir fragen, von was die verkohlt zurückgebliebenen Orte Zeugnis ablegen? Was brennt, wenn Moscheen brennen?

Moscheen sind keine politischen Symbole

Diejenigen, die in Moscheen vor allem ein Symbol sehen – sei es für eine Religion, die sie pauschal ablehnen, sei es für eine bestimmte Politik, die sie kritisieren -, verkennen die Sache. Wie jedes andere Gebetshaus auch ist eine Moschee mehr als ein Symbol. Sie ist nicht eine Flagge, die „den Islam“ oder „die türkische Regierung“ repräsentieren würde. Als Ort gelebter Religiosität stehen Moscheen nicht für politische Programme, die man ablehnen kann, sondern für sich selbst.

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