Wie der Gekreuzigte der denkbar größten psycho-terroristischen Vereinigung zur Macht verhalf


Rote, blaue, schwarze, weiße Bi-Ba-Butze-Männer und -Frauen in spitzen Hüten mit Augenschlitzen und Kutten wie Klu-Klux-Clan-Ritter, im Rhythmus der Blaskapelle zögernd voranschreitend, Riesen-Kerzen oder Fackeln in den Händen. Davor eine gigantische Monstranz getragen von unzähligen Füßlein unter weinrotem Samt. Geht’s die Treppe von der Kirche hinunter, neigt sich Jesus samt Kreuz oder die Jungfrau gefährlich nach vorne.

Jörg Albert | TELEPOLIS

Aber auch dieses Jahr passiert wohl kein Malheur. Von irgendeinem Balkon ertönt eine Männerstimme mit einem Klagelied, der Saeta, der Zug hält inne. Es ist Nacht in der Semana Santa und die Penitentes, die Büßer, gehen um. Und alle Spanier und Touristen – Katholiken wie Scheinheilige – stehen am Rande der Prozessionen und lassen sich willig fallen in diese Büßer-Regression, die erst am nächsten Morgen in einer der vollgestopften und höllisch lauten Bodegas und Bars enden wird.

Und am Abend darauf werden die Sünden der Nacht zuvor von neuem abgebüßt – das wahre Mysterium der Semana Santa. Es gibt viele Mysterien um die Semana Santa, um die Osterwoche, nicht nur in Cadiz.

Das wird im II. Buch Moses genau beschrieben. Zu einer festgesetzten Zeit sollen alle Erstgeborenen sterben. JHWH, der Herr, wollte damit die Freilassung des Volkes Israel aus ägyptischer Gefangenschaft erzwingen.

Die Hebräer selbst konnten sich auf folgende Weise vor diesem grausigen Tod schützen. JHWH, der Herr, hat es Moses genau erklärt. Ein männliches Lamm eines Schafes oder einer Ziege, nicht älter als ein Jahr, musste in jeder Familie geschlachtet werde. Mit dessen Blut sollte der Eingang zum Haus markiert werden, um den Todesengeln das Zeichen zum Weitergehen zu geben. Und weitergehen, auslassen, verschonen heißt auf Hebräisch pessach. Das Passah-Fest hat hier seinen Ursprung. Und JHWH, Gott der Herr, befahl noch mehr: Das Opferlamm sollte bis zum letzten Rest verzehrt, dazu nur ungesäuertes Brot gegessen werden, voll bekleidet sollten alle bleiben, jederzeit bereit, sich auf den Weg ins gelobte Land zu machen.

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