Das seltsame Beharren auf christliche Werte in einer konfessionslosen Region

Wahrscheinlich gibt es keinen Gott, sorge dich nicht, erfreu dich an deinem Leben
Als gottloseste Region der Welt wird der Osten dieses Landes bezeichnet. Der Beweis: Drei von vier Bürgern des Gebietes, das früher mal DDR hieß, sind konfessionslos. In Brandenburg sind es sogar noch mehr. Allenfalls zu Weihnachten und jetzt zu Ostern gibt es ein wenig Gedränge auf den Kirchenbänken. Mal abgesehen davon, dass die Nichtzugehörigkeit zu einer der großen christlichen Kirchen keineswegs bedeutet, bar jeden religiösen Empfindens zu sein, so fällt doch im Ost-West-Vergleich die Diskrepanz auf.

André Bochow | MOZ.de

Offiziell bekennen sich im Westen prozentual ungefähr so viele zum Katholizismus oder Protestantismus wie es im Osten Kirchenverweigerer gibt. Und zumindest für die Bundesrepublik ebenfalls auffallend: Die Tendenz zum Nationalismus ist dort größer, wo es weniger Kirchenmitglieder gibt. In Ostdeutschland.

Man hat die Abkehr der Ostdeutschen vom Christentum häufig mit der kommunistischen Erziehung im verblichenen Arbeiter-und Bauernstaat begründet. Das Argument ist keineswegs von der Hand zu weisen, auch wenn es für weite Teile Osteuropas nicht gilt. So hat sich der Katholizismus in Polen bis heute in einer sehr konservativen Form gehalten und spielt sowohl gesellschaftlich als auch politisch weiterhin eine große Rolle.

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Trauerfeier für Hawking: Ein Philosoph abseits der Philosophie

Jahrhundertphysiker Stephen Hawking am 12. April 2016 in New York. Bild: Reuters
Für Stephen Hawking findet heute die Trauerfeier in Great St. Mary’s in Cambridge statt. Bestattet wird er bald darauf neben Newton und Darwin in Westminster Abbey. Tatsächlich war Hawking mehr als Physiker, er war ein großer Denker und Schreiber. Ein Sonderverhältnis hatte er dagegen zur Philosphie.

Von Sibylle Anderl | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Es gab eine ganze Reihe von Themen weit jenseits der eigenen Forschungsinteressen, bei denen der am 14. März verstorbene weltbekannte Physiker Stephen Hawking kein Blatt vor den Mund nahm. Aliens, Künstliche Intelligenz und die Existenz Gottes gehörten dazu. Keines dieser Themen schien Hawking aber über die Jahrzehnte hinweg so anhaltend zu beschäftigen wie sein Verhältnis zur Philosophie – ein Verhältnis, das als intensive Hassliebe bezeichnet werden kann.

Bereits in seinem Mega-Bestseller „Eine kurze Geschichte der Zeit“ von 1988 beklagte er, die Philosophen seien nicht in der Lage, mit der Entwicklung naturwissenschaftlicher Theorien Schritt zu halten. Ihre Reaktion sei daraufhin eine immer stärkere Einengung ihres Horizontes, für ihn gipfelnd in Wittgensteinscher Sprachphilosophie: „Was für ein Niedergang für die große philosophische Tradition von Aristoteles bis Kant!“.

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Schulleiter bereut Verharmlosung von religiösem Mobbing

Ahnungslos. Es gibt in Berlins Grundschulen kein Pflichtfach, in dem die Kinder fundiert an die gemeinsamen Wurzeln der…Foto: dpa/Marijan Murat
An der Paul-Simmel-Grundschule in Berlin wird ein nicht muslimisches Mädchen von muslimischen Mitschülern bedroht. Der Schulleiter bittet um Entschuldigung – und räumt weitere Vorfälle ein.

Von Sylvia Vogt | DER TAGESSPIEGEL

Der Fall hat bundesweit Empörung ausgelöst: An der Paul-Simmel-Grundschule in Berlin-Tempelhof ist ein nicht muslimisches Mädchen wiederholt von muslimischen Mitschülern mit Schlägen und sogar dem Tod bedroht worden. Jetzt hat sich Schulleiter Thomas Albrecht in einem Schreiben an die Elternvertreter und Lehrkräfte entschuldigt und eingeräumt, dass er zuvor die Geschehnisse harmloser dargestellt habe, als sie seien.

Er schildert mehrere Vorfälle, die offenbar mehrere Kinder betrafen, und verurteilt sie als „menschenverachtend“. Zuvor hatte er wie berichtet in einem Schreiben vom 26. März an die Elternvertreter unter anderem formuliert, dass ein Mädchen von einem Mitschüler „angesprochen“ worden sei „zum Thema Glaube und Religion“. Am Mittwoch hatte es ein Krisengespräch mit dem Schulleiter, den Eltern des betroffenen Kindes, der Schulaufsicht und der Antidiskriminierungsbeauftragten gegeben. Dabei wurde vereinbart, dass die Schule zur Aufarbeitung Hilfe von externen Fachleuten bekommt.

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„Ich habe getötet“: Zwei Soldaten berichten vom Töten

Themenbild. Bild: regensburg-digital.de
Deutsche Soldaten müssen in Einsätzen auch scharf schießen. Geredet wird darüber kaum. Hier erzählen zwei Soldaten ihre Geschichte.

Sebastian Drescher | evangelisch.de

Neulich hat Olaf Kramer herausgefunden, warum er schreiende Kinder kaum ertragen kann. Sein Therapeut hat ihn dafür in eine leichte Hypnose versetzt. Nun erinnert sich Kramer wieder an etwas, das er jahrelang verdrängt hatte: die Schreie von Menschen, die vor ihm in einem brennenden Haus sterben. In einem Traum, den er in letzter Zeit immer wieder hat, sind die sterbenden Menschen Kinder. Und er ist es, dem befohlen wurde, sie anzuzünden.

Olaf Kramer, der eigentlich anders heißt, war Soldat der Bundeswehr. Damals erlebte Kramer, wie Kameraden starben. Er wurde beschossen und sah Dutzende tote Zivilisten. Vergessen wird er das nicht. Am meisten beschäftigt ihn aber etwas anderes: das Wissen, selbst Menschen getötet zu haben.

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Washington: Russland kann ausgewiesene Diplomaten ersetzen

APA/AFP/SERGEI SUPINSKY
„Die USA haben 48 russische Geheimdienstoffiziere ausgewiesen, aber sie verlangen nicht von der russischen Vertretung, die Gesamtzahl ihres Personals zu reduzieren“, sagte ein Vertreter des US-Außenministeriums.

Die Presse.com

Die US-Regierung hat Russland angeboten, die aus den USA ausgewiesenen Diplomaten durch andere zu ersetzen. „Die USA haben 48 russische Geheimdienstoffiziere ausgewiesen, aber sie verlangen nicht von der russischen Vertretung, die Gesamtzahl ihres Personals zu reduzieren“, sagte ein Vertreter des US-Außenministeriums am Freitag der Nachrichtenagentur AFP in Washington.

Die russische Regierung könne frei entscheiden, wen sie auf die frei gewordenen Posten setze, fügte er hinzu. Jedes Ansuchen um Akkreditierung eines Diplomaten werde einzeln geprüft.

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Wann hört die Kirche endlich auf, sich zu verzwergen?

Zuletzt musste der Aachener Bischof Dieser seiner Landesmutter Hannelore Kraft in NRW die Treue schwören Quelle: picture alliance / dpa
Noch immer muss der Staat katholische Bischöfe für genehm erklären, bevor sie ihr Amt antreten. Und noch immer schwören Kirchenführer ihrem Regierungschef, ihn zu achten. 2018 wird dies wieder zweimal geschehen.

Von Till-Reimer Stoldt | DIE WELT

Dem Sinnlosen neuen Sinn stiften – das können Katholiken. Was die vielen Kerzen in ihren Kirchen beweisen. Früher brauchte man sie als Lichtquelle. Das erübrigte sich mit Erfindung der Glühbirne. Doch seitdem verschwanden die Kerzen nicht etwa aus den Gotteshäusern, nein, ihnen wurde eine neue unverzichtbare Aufgabe zugewiesen: Nun schaffen sie Atmosphäre.

Diese Abneigung gegen das schnöde Entsorgen alter Bräuche ist oft eine Stärke der Katholiken. Manchmal aber verwandelt sie sich in eine Schwäche. Ein aktuelles Beispiel dafür bieten die Riten bei der Ernennung eines Bischofs. Mit denen verzwergt sich die katholische Kirche geradezu. Und zwar nicht vor Gott, was ihr gut anstünde, sondern vor dem deutschen Staat. Und das wirkt für Gottes Bodenpersonal ein bisschen unwürdig.

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Dodo Marx lehnt politischen Islam ab

Reinhard Marx, Chef der Deutschen Bischofskonferenz,

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, sieht die engen Verbindungen des Islamverbandes Ditib mit dem türkischen Staat kritisch und spricht sich gegen einen politischen Islam aus.

evangelisch.de

„Religion sollte unabhängig sein vom Staat“, sagte der Münchner Erzbischof dem Magazin „Focus“ in einem vorab veröffentlichten Interview. Indes sei die Ditib keine verbotene Organisation.

Wenn in Moscheen in Deutschland Hass und Krieg propagiert werden, dann müsse der Rechtsstaat einschreiten. Doch das sei jeweils nachzuweisen. Man könne nicht pauschal sagen, dass die Mehrheit türkischer Muslime oder Imame hinter der Kriegspropaganda des Präsidenten Recep Tayyip Erdogan stehe.

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Gesetz in den USA: Kinder in Utah dürfen nun auch legal „frei laufen“

Bisher galt es als Kindesvernachlässigung, wenn die Kinder ohne Aufsicht spielten oder zur Schule gingen. Foto: dpa
Aus europäischer Sicht eine Selbstverständlichkeit, in den USA eine kleine Sensation: Als erster US-Bundesstaat hat Utah die gesetzliche Pflicht zur Aufsicht von Kindern deutlich gelockert.

Berliner Zeitung

Damit dürfen Kinder in Utah nun ohne elterliche Aufsicht zur Schule oder zum Supermarkt gehen. Anhänger der Erziehungs-Bewegung „free range“ (etwa: „frei laufen“) feierten das Gesetz als das bisher liberalste der USA.

Während es in Deutschland völlig normal ist, Kinder von einem gewissen Alter an alleine zur Schule, auf den Spielplatz oder in den Supermarkt gehen zu lassen, sind die Gesetze dazu in den USA viel strenger.

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China: Der abstürzende „Himmelspalast“

Wiedereintritt des Automated Transfer Vehicle (ATV) Jules Verne in die Ersatmosphäre am am 29. September 2008. Bild: ESA-Video
Chinas erste Versuchsraumstation stürzt auf die Erde. ESA-Experten geben Entwarnung: Schäden und Verletzte extrem unwahrscheinlich

Wolfgang Pomrehn | TELEPOLIS

Am Osterwochenende wird Chinas erste Raumstation, „Tiagong-1“, der „Himmelspalast-1“, auf die Erde stürzen, und zwar irgendwo zwischen dem 43. Breitgrad Nord und dem 43. Breitengrad Süd, also zwischen Norditalien und dem Meer südlich von Kapstadt, zwischen Nordchina und Tasmanien, zwischen Boston und Patagonien.

Auch am heutigen Freitag lässt sich der genaue Zeitpunkt und Absturzort noch nicht berechnen, heißt es aktuell auf dem Rocket Science Blog. Die Flugbahn der etwa zehn Meter langen Station hängt im hohen Maße von ihrer Lage ab – ob sie zum Beispiel quer zur Flugrichtung steht und damit besonders viel Luftwiderstand erfährt, oder ob aber das Gegenteil der Fall ist.

Genauso wichtig oder noch wichtiger ist die aktuelle Dichte der oberen Atmosphäre. Diese wiederum ist aber vor allem von der Tageszeit und der Sonnenaktivität abhängig, die bisher nicht vorher gesagt werden kann.

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Schwerstkranke und Sterbehilfe „Mund auf, Knarre rein, abdrücken“

Themen-Bild: letzte-hilfe.de
Schwerstkranke verzweifeln an den Gesetzen zur Sterbehilfe. Sie fordern das Recht auf einen selbstbestimmten Tod.

Von Cornelia Schmergal | SpON

Hans-Jürgen Brennecke braucht genau 34 Sätze, um zu begründen, warum er sterben will. Dann, wenn er es nicht mehr erträgt. Und nicht etwa so, wie es dem Tumor gefällt, der vielleicht noch immer irgendwo in seinem Körper lauert.

Brennecke leidet unter einer seltenen Krebsart, dem Burkitt Lymphom. Kein Tumor wächst schneller, in medizinischen Lehrbüchern kann man das nachschlagen. Im Moment gibt der Tumor Ruhe, und Brennecke will die Zeit nutzen.

Denn er kämpft nicht nur gegen den Krebs. Er kämpft auch gegen den Staat.

Vor fünf Monaten hat der 73-Jährige einen Antrag verfasst. Brennecke bittet darin um ein todbringendes Medikament. Sollte der Krebs zurückkehren, habe er den Entschluss gefasst, „freiverantwortlich aus dem Leben zu scheiden“. Für Brennecke ist es eine Frage der Menschenwürde: „Durch meinen Suizid möchte ich mein dann schnell zunehmend unerträgliches Leiden in einer humanen Art und Weise beenden.“

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Das Marienevangelium!

Foto: pixabay.com / Pexels
„Lebens- und Glaubenshilfen“ in den „Sonntagsgedanken“ als wöchentliche Indoktrination. Eine Satire.

Von Berit & Manfred Such | Richard-Dawkins-Foundation

In einem westfälischen Provinzblatt in der „Wallfahrtsstadt Werl“ erscheinen Woche für Woche sogenannte „Sonntagsgedanken“, in denen ausschließlich Vertreter der Kath. und Ev. Werler Kirchengemeinden seit Jahrzehnten zum Wochenende Texte veröffentlichen dürfen. Andere Religionsgemeinschaften oder religionsfreie Autoren sind nach Auskunft der Redaktion ausdrücklich von der Teilnahme an der Rubrik „Sonntagsgedanken“ ausgeschlossen. Kritik an den Inhalten wird grundsätzlich nicht veröffentlicht.

Die Autoren der Texte sind durch die Redaktion ausdrücklich berufen und fühlen sich offensichtlich befugt und kompetent, den Lesern ihre „Lebens- und Glaubenshilfen“ aufdrängen zu dürfen. Die wöchentliche Indoktrination!

Welche „Qualität“ solche „Sonntagsgedanken“ auszeichnet und welcher Geist dahintersteckt, mag man beispielhaft für viele solcher „sonntäglicher Gedanken“ aus dem Beitrag eines Anstaltsgeistlichen aus der Werler JVA entnehmen.

Dass der Verfasser in seinem erfundenen Brief, „Jesu an seine Mutter“, die Gedanken ermordeter Widerstandskämpfer gegen die Nazis benutzt und mit Heilssprüchen aus der Bibel vermischt und daraus einen absurden Zusammenhang konstruiert und dann damit eine „gesegnete Passions- und Osterzeit“ wünscht, dürfte besonders perfide sein.

In seinen „Sonntagsgedanken“, versetzt sich der Gefängnispfarrer in die Lage des durch Pilatus festgenommenen Jesus, der seiner Mutter aus dem Verliese des Pilatus schreibt. Jesus schildert seiner Mutter sein Schicksal, das er und sie vorausgesehen hätten. Er hält seiner Mutter vor, dass sie sich gesträubt habe, diesen Weg zu gehen, den er meinte gehen zu müssen. In der Einsamkeit der Zelle fühle er sich verlassen und der Versuchung ausgesetzt, doch ein König zu werden, wie ihn sich Pontius Pilatus vorstelle, ein König der Völker!

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The science behind cancer warnings on coffee is murky at best

COFFEE BREAK Drinking coffee has a number of health benefits that may outweigh its uncertain cancer risks, studies have shown. Sam Howzit/flickr (CC BY 2.0
Experts say there is ‘no firm evidence’ that drinking coffee comes with a carcinogenic risk

By Erika Engelhaupt | Science News

Californians will soon be taking their coffee with cream and a cancer warning, after a court ruled that the state’s retailers must label coffee as containing a carcinogen. The decision followed an eight-year legal battle, which boiled down to a question that has plagued coffee drinkers and scientists alike: Is drinking coffee healthy, or not?

The judge’s ruling, issued Wednesday, says that Starbucks and other coffee sellers failed to show that the health benefits of the brew, which include lowering heart disease, outweigh its cancer risk. But do the new warnings mean you should put your mug down? Here’s what we know — and don’t know — about coffee’s health effects, both good and bad.

What’s in coffee that has raised cancer concerns?

When coffee beans are roasted, the compound acrylamide is produced as a by-product. “Acrylamide is ubiquitous in our food chain. It’s a product of high heat and prolonged cooking, particularly with carbohydrates,” says Len Lichtenfeld, deputy chief medical officer for the American Cancer Society in Atlanta. It’s found in fried potatoes, for example, as well as in cigarette smoke and some products such as adhesives. “It’s a chemical to which we have frequent exposure.”

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Kratzen an der Jesus-Kitschkruste

ARCHIVBILD: HERMANN GLETTLER – APA/SONNTAGSBLATT/VELCHEV
Bischof Glettler schreibt gegen einen domestizierten Christus an.

Die Presse.com

Es muss wohl an Innsbruck liegen. Anders ist schwer erklärbar, dass schon wieder ein Tiroler Diözesanbischof Bücher nicht nur schreibt, sondern auch gleich selbst illustriert. War es früher der mittlerweile verstorbene Alois Stecher, ist es nun der neue Hausherr Hermann Glettler, der Grafiken in seinem neuen Werk „Die fremde Gestalt“ beisteuert.

Neben dem Cover (von Glettler!) macht der Untertitel deutlich, welcher Gestalt das bei Styria erschienene Buch gewidmet ist: „Gespräche über den unbequemen Jesus“. Das Gespräch führt der Theologe mit dem Psychiater und Psychotherapeuten Michael Lehofer, der seinerseits schon Bestseller („Mit mir sein“) veröffentlich hat.

Ausgangspunkt der Überlegungen der beiden sind 24 manchmal auch weniger bekannte Textpassagen des Neuen Testaments. Ihnen allen ist gemein, dass sie einen Jesus abseits lieblicher, tradierter Bilder zeigen.

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Philosophischer Schnellschuss zu Wahlmanipulationen

Bild: Weißes Haus
Wie der Bewusstseinsphilosoph Philipp Hübl Cambridge Analytica entschuldigt

Stephan Schleim | TELEPOLIS

Wie manipulierbar ist der Mensch? Zugegeben, die wundersamen Funde der amerikanischen College-Psychologie sollte man mit Vorsicht genießen: Menschen entscheiden moralische Probleme anders, wenn sie ein Glas mit warmem oder kaltem Wasser in der Hand halten? Oder sie gehen plötzlich langsamer, wenn man sie mit dem Altern konfrontiert?

Auch die Willensfreiheitsdiskussion, ausgelöst durch Fehlinterpretationen neurowissenschaftlicher Experimente, war ein Schuss in den Ofen. Das Gehirn entscheidet unbewusst, bevor wir bewusst entscheiden? Interessanterweise zeigt sich die nächste Generation erfolgreicher Hirnforscher – etwa John-Dylan Haynes von der Berliner Charité oder der Groninger Neuropsychiater André Aleman – als sehr anpassungsfähig: Kaum ist die alte Garde wie Gerhard Roth oder Wolf Singer stiller geworden, werden plötzlich die Freiheitsmöglichkeiten des Menschen und seines Gehirns in den Vordergrund gestellt.

Ich stimme also mit dem Stuttgarter Philosophen Philipp Hübl darin überein, dass man das Menschenbild nicht voreilig wegen ein paar medienwirksam inszenierter Experimente über Bord werfen sollte. Hübl hat sich immerhin in seinem Buch „Der Untergrund des Denkens“ mit der Philosophie und Psychologie des Unbewussten auseinandergesetzt.

Sein jüngster Kommentar zu den angeblichen Manipulationen bei den amerikanischen Präsidentschaftswahlen wirkt auf mich aber wie ein Schnellschuss. Er kommt auf „Zeit Online“ zu dem Ergebnis: „Nicht Facebook hat Trump zum Präsidenten gemacht.“

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Geheime Abschiebung in die Türkei?

Bild: tagesschau.de
Im Kosovo sind sechs türkische Gülen-Anhänger festgenommen und an Ankara ausgeliefert worden. Der Regierungschef sprach von einer „bilateralen Operation“ der Geheimdienste – und feuerte den Innenminister.

tagesschau.de

Weil er ohne das Wissen des Regierungschefs sechs Türken an Ankara ausliefern ließ, muss der Innenminister des Kosovo seinen Posten räumen. Offenbar hatte Flamur Sefaj die Festnahme und Auslieferung von sechs türkischen Lehrern, denen eine Verbindung zur Gülen-Bewegung nachgesagt wird, an Regierungschef Ramush Haradinaj vorbei organisiert.

Die türkischen Staatsangehörigen waren am Donnerstag festgenommen worden und binnen Stunden mit einem Privatflugzeug aus dem Kosovo ausgeflogen worden. Nun müssen sie sich der Strafverfolgung in ihrem Heimatland stellen.

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Wie viel Geld macht eigentlich die Kirche?

Bild: tilly
Ostern gilt als das wichtigste Fest der Christen. Aber wie viel lassen sich die Kirchen die Feiern kosten? Und wie viel Geld nimmt die Kirche jedes Jahr durch Spenden und Steuern ein? Wir beten dir ein paar Zahlen herunter.

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Nicht Weihnachten, sondern Ostern und Karfreitag sind für Christen die wichtigsten Feiertage im Jahr. Denn die christliche Religion hat ihren Ausgangspunkt in der Kreuzigung und Auferstehung von Jesus. Entsprechend würdig wollen die katholischen und evangelischen Gemeinden ihre Karfreitags- und Ostergottesdienste feiern.

Dazu fahren sie schon mal Chöre und Posaunen auf statt einfacher Orgelmusik und verzieren die Kirchen mit festlichem Blumenschmuck. Wer an Ostern mit der Familie in den Gottesdienst geht und während der Predigt die Gedanken schweifen lässt, kann sich fragen: Wie teuer ist eigentlich Ostern? Und wie viel Geld macht die Kirche pro Jahr? Hier kommen ein paar Fakten.

Kirche + Geld: Wie viel geben Gemeinden für das Osterfest aus?

Gar nicht so viel. Gerade mal 2000 Euro hat Karl-Friedrich Wackerbarth für das Osterfest eingeplant. Er ist Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Prien am Chiemsee in Bayern. Der Passionsgottesdienst an Karfreitag koste die Gemeinde rund 600 Euro, rechnet er vor. Noch günstiger feiert die katholische Pfarrei St. Stephan in Köln-Lindenthal. Für zusätzliche Musiker und Blumenschmuck gibt sie rund 850 Euro aus.

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„Das Kreuz ist das Markenzeichen unserer Kultur“

Das Kreuz mit den Religionen
Der Karfreitag steht ganz im Zeichen des Kreuzes. Und das gilt auch für den deutschen Kulturraum, sagt Erzbischof Ludwig Schick. Christen hätten daher eine Aufgabe gegenüber Nichtchristen zu erfüllen.

katholisch.de

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick hat das Kreuz als „Markenzeichen unserer Kultur und Zivilisation“ bezeichnet. Deshalb müsse es auch im öffentlichen Leben erhalten bleiben, sagte Schick am Karfreitag bei der traditionellen Karfreitagsprozession im oberfränkischen Neunkirchen am Brand. Das Kreuz sei kein Zeichen des Todes, sondern des Protests gegen alles Töten durch Krieg, Terror und Verbrechen, aber auch gegen Abtreibung und sogenannte Euthanasie, durch die alte und kranke Menschen getötet würden.

Schick: Christen müssen Kreuz erklären

Bei der traditionellen Karfreitagsprozession von Neunkirchen, bei der lebensgroße Holzfiguren durch den Ort getragen werden, rief Schick weiter dazu auf, den christlichen Glauben offen zu vertreten. So müsse das Kreuz auch Nichtchristen verständlich gemacht werden, „damit sie unsere Kultur verstehen, die ohne das Kreuz nicht zu verstehen ist, damit sie Ja sagen zu dieser Lebensweise, die vom Sinngehalt des Kreuzes geprägt ist“. Denn es stehe auch für Gleichheit und Einheit, für die Achtung der Menschenwürde und der Menschenrechte, für Schutz und Hilfsbereitschaft.

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Ägyptens Präsidentschaftswahl stellt auch Europa bloß

Schein und Wahl. Der alte und neue Präsident spielt Demokratie.Foto: Egyptian Presidency/dpa
Dass Ägyptens Präsident al Sisi schon einige Tage zu früh als Wahlsieger ausgerufen wird, scheint Europa und die USA nicht zu stören. Ihnen ist vor allem die Ruhe wichtig. Ein Kommentar.

Von Sidney Gennies | DER TAGESSPIEGEL

Unter Ägyptern verbreitet sich auf Facebook derzeit ein Foto. Darauf zu sehen ist eine Frau, im achten oder neunten Monat. Mit ihrem Partner schaut sie völlig überrascht und voller Glück auf einen Schwangerschaftstest. Daneben steht auf Arabisch sinngemäß: „Wenn in Ägypten die Wahlergebnisse bekanntgegeben werden.“

Sieben Jahre nach dem sogenannten arabischen Frühling bleibt der Bevölkerung wohl nicht viel mehr, als sich in der neuen und alten Militärdiktatur unter Abdel Fatah al Sisi mit schwarzem Humor einzurichten. Die Demokratie in einem der strategisch wichtigsten Länder des Nahen Ostens liegt in Trümmern, doch so richtig scheint sich kaum jemand daran zu stören.

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Hunderte Palästinenser dringen nach Israel ein – Zahl der Toten steigt

Zusammenstöße im Gazastreifen: Palästinenser tragen einen Verletzten.
Die Lage beim „Marsch der Rückkehr“ ist eskaliert. Mindestens zwölf Menschen wurden getötet, es soll mehr als 1100 Verletzte an der Grenze zum Gazastreifen geben.

Die Presse.com

Hunderte Palästinenser haben bei Massenprotesten im Gazastreifen nach Augenzeugenberichten den Sicherheitszaun nach Israel durchtrennt. Sie seien auf israelisches Gebiet vorgedrungen. Dutzende israelische Soldaten würden auf die Menschen schießen und versuchten, sie unter Einsatz von Tränengas zurückzudrängen. Die israelische Armee wollte die Berichte prüfen.

Nach palästinensischen Medienberichten kamen mehr als 20.000 Menschen zu dem „Marsch der Rückkehr“. Die Lage eskalierte. Nach palästinensischen Angaben von Freitagnachmittag wurden bis zu diesem Zeitpunkt mindestens zwölf Palästinenser getötet. Zudem gebe es mindestens 1100 Verletzte. Unter den Toten sei auch ein 16-Jähriger, berichteten Rettungskräfte. Laut israelischer Armee haben die Demonstranten Steine geworfen und brennende Reifen gerollt.

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Rabbiner Pinchas Goldschmidt: „Antisemitismus ist Problem der Integration“

Tausende Franzosen haben am Mittwoch nach dem Mord an einer Holocaust-Überlebenden in Paris gegen Antisemitismus protestiert. Bild: Reuters
Die Debatte über Antisemitismus in Europa ist neu entbrannt. Im Interview spricht der Präsident der Europäischen Rabbinerkonferenz über religiösen Radikalismus – und Wege zur Lösung des Problems.

Von Carolin Wollschied | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Herr Goldschmidt, in Paris wurde zuletzt eine Holocaust-Überlebende ermordet, in Berlin werden jüdische Kinder in Schulen gemobbt. Müssen Juden in Europa wieder Angst haben?

Das Jahr 2017 war ziemlich ruhig und wir hofften, dass es 2018 noch besser werden würde. Leider gab es dieses Jahr in Frankreich aber bereits zwei religiös motivierte Attentate: die Geiselnahme in einem Supermarkt in Südfrankreich und die Ermordung einer Holocaust-Überlebenden in Paris. Auch wenn die europäische Kommunikation zum Austausch von Informationen über Verdächtige und Terroristen besser geworden ist, bleibt das Problem von Einzeltätern bestehen. Viele radikalisieren sich, ohne dass es jemand mitbekommt. Das ist sehr problematisch für die generelle Sicherheit und die Sicherheit der jüdischen Gemeinde in Europa.

Gibt es einen „eingewanderten“ Antisemitismus?

Das Problem existiert nicht nur bei Einwanderern, sondern auch bei der zweiten Generation, die schon in Europa geboren und aufgewachsen ist. Es ist ein Problem der Integration, ein Problem von jenen Migrantenfamilien, die sich nur schwer mit europäischen Werten und dem Pluralismus identifizieren.

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