Das Marienevangelium!


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„Lebens- und Glaubenshilfen“ in den „Sonntagsgedanken“ als wöchentliche Indoktrination. Eine Satire.

Von Berit & Manfred Such | Richard-Dawkins-Foundation

In einem westfälischen Provinzblatt in der „Wallfahrtsstadt Werl“ erscheinen Woche für Woche sogenannte „Sonntagsgedanken“, in denen ausschließlich Vertreter der Kath. und Ev. Werler Kirchengemeinden seit Jahrzehnten zum Wochenende Texte veröffentlichen dürfen. Andere Religionsgemeinschaften oder religionsfreie Autoren sind nach Auskunft der Redaktion ausdrücklich von der Teilnahme an der Rubrik „Sonntagsgedanken“ ausgeschlossen. Kritik an den Inhalten wird grundsätzlich nicht veröffentlicht.

Die Autoren der Texte sind durch die Redaktion ausdrücklich berufen und fühlen sich offensichtlich befugt und kompetent, den Lesern ihre „Lebens- und Glaubenshilfen“ aufdrängen zu dürfen. Die wöchentliche Indoktrination!

Welche „Qualität“ solche „Sonntagsgedanken“ auszeichnet und welcher Geist dahintersteckt, mag man beispielhaft für viele solcher „sonntäglicher Gedanken“ aus dem Beitrag eines Anstaltsgeistlichen aus der Werler JVA entnehmen.

Dass der Verfasser in seinem erfundenen Brief, „Jesu an seine Mutter“, die Gedanken ermordeter Widerstandskämpfer gegen die Nazis benutzt und mit Heilssprüchen aus der Bibel vermischt und daraus einen absurden Zusammenhang konstruiert und dann damit eine „gesegnete Passions- und Osterzeit“ wünscht, dürfte besonders perfide sein.

In seinen „Sonntagsgedanken“, versetzt sich der Gefängnispfarrer in die Lage des durch Pilatus festgenommenen Jesus, der seiner Mutter aus dem Verliese des Pilatus schreibt. Jesus schildert seiner Mutter sein Schicksal, das er und sie vorausgesehen hätten. Er hält seiner Mutter vor, dass sie sich gesträubt habe, diesen Weg zu gehen, den er meinte gehen zu müssen. In der Einsamkeit der Zelle fühle er sich verlassen und der Versuchung ausgesetzt, doch ein König zu werden, wie ihn sich Pontius Pilatus vorstelle, ein König der Völker!

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