Philosophischer Schnellschuss zu Wahlmanipulationen


Bild: Weißes Haus
Wie der Bewusstseinsphilosoph Philipp Hübl Cambridge Analytica entschuldigt

Stephan Schleim | TELEPOLIS

Wie manipulierbar ist der Mensch? Zugegeben, die wundersamen Funde der amerikanischen College-Psychologie sollte man mit Vorsicht genießen: Menschen entscheiden moralische Probleme anders, wenn sie ein Glas mit warmem oder kaltem Wasser in der Hand halten? Oder sie gehen plötzlich langsamer, wenn man sie mit dem Altern konfrontiert?

Auch die Willensfreiheitsdiskussion, ausgelöst durch Fehlinterpretationen neurowissenschaftlicher Experimente, war ein Schuss in den Ofen. Das Gehirn entscheidet unbewusst, bevor wir bewusst entscheiden? Interessanterweise zeigt sich die nächste Generation erfolgreicher Hirnforscher – etwa John-Dylan Haynes von der Berliner Charité oder der Groninger Neuropsychiater André Aleman – als sehr anpassungsfähig: Kaum ist die alte Garde wie Gerhard Roth oder Wolf Singer stiller geworden, werden plötzlich die Freiheitsmöglichkeiten des Menschen und seines Gehirns in den Vordergrund gestellt.

Ich stimme also mit dem Stuttgarter Philosophen Philipp Hübl darin überein, dass man das Menschenbild nicht voreilig wegen ein paar medienwirksam inszenierter Experimente über Bord werfen sollte. Hübl hat sich immerhin in seinem Buch „Der Untergrund des Denkens“ mit der Philosophie und Psychologie des Unbewussten auseinandergesetzt.

Sein jüngster Kommentar zu den angeblichen Manipulationen bei den amerikanischen Präsidentschaftswahlen wirkt auf mich aber wie ein Schnellschuss. Er kommt auf „Zeit Online“ zu dem Ergebnis: „Nicht Facebook hat Trump zum Präsidenten gemacht.“

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