Rabbiner Pinchas Goldschmidt: „Antisemitismus ist Problem der Integration“


Tausende Franzosen haben am Mittwoch nach dem Mord an einer Holocaust-Überlebenden in Paris gegen Antisemitismus protestiert. Bild: Reuters
Die Debatte über Antisemitismus in Europa ist neu entbrannt. Im Interview spricht der Präsident der Europäischen Rabbinerkonferenz über religiösen Radikalismus – und Wege zur Lösung des Problems.

Von Carolin Wollschied | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Herr Goldschmidt, in Paris wurde zuletzt eine Holocaust-Überlebende ermordet, in Berlin werden jüdische Kinder in Schulen gemobbt. Müssen Juden in Europa wieder Angst haben?

Das Jahr 2017 war ziemlich ruhig und wir hofften, dass es 2018 noch besser werden würde. Leider gab es dieses Jahr in Frankreich aber bereits zwei religiös motivierte Attentate: die Geiselnahme in einem Supermarkt in Südfrankreich und die Ermordung einer Holocaust-Überlebenden in Paris. Auch wenn die europäische Kommunikation zum Austausch von Informationen über Verdächtige und Terroristen besser geworden ist, bleibt das Problem von Einzeltätern bestehen. Viele radikalisieren sich, ohne dass es jemand mitbekommt. Das ist sehr problematisch für die generelle Sicherheit und die Sicherheit der jüdischen Gemeinde in Europa.

Gibt es einen „eingewanderten“ Antisemitismus?

Das Problem existiert nicht nur bei Einwanderern, sondern auch bei der zweiten Generation, die schon in Europa geboren und aufgewachsen ist. Es ist ein Problem der Integration, ein Problem von jenen Migrantenfamilien, die sich nur schwer mit europäischen Werten und dem Pluralismus identifizieren.

weiterlesen