„DITIB-Struktur ist für die Interessen des türkischen Staates einsetzbar“


„Hier geht es um mehr als um Religion und um Sightseeing“, sagte Grünen-Politiker Volker Beck mit Blick auf eine von Ditib organisierte Reise in die Türkei (Imago / Metodi Popow)
Volker Beck hat den Moscheeverband DITIB für eine Jugendreise in die Türkei kritisiert, innerhalb der offenbar auch ein Besuch bei dem türkischen Präsidenten vorgesehen war. Beck, der am Centrum für Religionswissenschaftliche Studien (CERES) lehrt, sieht darin die Gefahr einer Indoktrinierung türkischstämmiger Jugendlicher.

Volker Beck im Gespräch mit Jürgen Zurheide | Deutschlandfunk

Jürgen Zurheide: Der Moscheeverband DITIB hat in den Osterferien eine Reise für junge Menschen in die Türkei organisiert. Eigentlich ist das kein Problem, möchte man sagen, aber es könnte vielleicht doch eines geben. Die Hintergründe dieser Reise, aber auch andere Geschichten rings um die DITIB sind es doch wert, genauer beobachtet zu werden.

Die DITIB, so ist jetzt meine Kurzfassung vorweg, die läuft an der kurzen Leine des türkischen Präsidenten Erdogan, und er spannt sie eben auch immer heftiger ein. Und daraus ergeben sich eine Menge Fragen. Genau die wollen wir wägen unter anderem jetzt mit dem Grünen Volker Beck, den ich zunächst einmal herzlich am Telefon begrüße. Guten Morgen, Herr Beck!

Volker Beck: Guten Morgen!

Zurheide: Herr Beck, zunächst einmal, Sie kritisieren ja die DITIB und die dahinter stehende Struktur schon längere Zeit. Was haben Sie zum Beispiel, um da mal mit anzufangen, gegen so eine Reise?

Beck: Prinzipiell habe ich nichts gegen eine Reise, auch nicht gegen eine Reise in die Türkei, ausgerichtet von einem Moscheeverband. Seltsam wird es bloß, wenn die Reise dann Programmpunkte enthält, die mit Religion nun wirklich gar nichts zu tun haben, nämlich den Besuch beim obersten Heerführer der Türkei, Herrn Erdogan. Das zeigt schon, hier geht es um mehr als um Religion und um Sightseeing. Hier geht es einfach um politische Ausrichtung und Indoktrinierung der Jugendlichen, die dahingeschickt werden.

Die DITIB versucht das kleinzureden, hat die Bericht erstattende Zeitung, den „Kölner Stadtanzeiger“, übelst beschimpft für ihre Berichterstattung und behauptet, das sei eine Nichtigkeit. Und gestern konnte man dann auf den Twitter-Accounts der entsprechenden Regierungsstelle, die die Reise finanziert, eben sehen, dass auch der Vorsitzende der DITIB Deutschland mit auf diese Reise fährt. Also ganz so nebensächlich kann es denn doch nicht sein, und man sieht Bilder, wie die Jugendlichen Erdogan zujubeln. Das ist schon klare nationalistische Propaganda. Und es ist kein Einzelfall.

Wir haben in diesem Jahr mit dem völkerrechtswidrigen Angriff auf Afrin gesehen, da wird vom Religionsattaché – das ist die Dienstaufsicht bei der türkischen Botschaft für die Imame – gefordert, dass man die Fetih-Sure zitiert, das ist die Sieges-Sure. Und da geht es eben jetzt nicht ums Beten für Soldaten, dass sie wieder gesund nach Hause kommen, sondern es geht um Sieg und Unterstützung für Mohammeds Armee am Ende.

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