Jude, Israeli, Zionist


Die Kippa tragen nur jüdische Männer. Doch diese Frau trug die Kippa bei einer Demonstration in Berlin 2012 als Protest gegen Antisemitismus. (Foto: picture alliance / dpa)
Der Politologe David Ranan bezweifelt, dass es unter Muslimen mehr Antisemiten gibt als unter Nicht-Muslimen. Doch derzeit wird seine These pervertiert und politisch missbraucht.

Von Sonja Zekri | Süddeutsche Zeitung

Ein plüschig gedämpfter Salon in einem Frankfurter Luxushotel. Das Bahnhofsviertel glänzt vor Nässe, in der Lobby sammeln sich Gäste einer muslimischen Hochzeit: Männer mit Undercut, Frauen mit Kopftuch. Der Politikwissenschaftler David Ranan tritt ein. Begrüßung, dann, noch im Stehen, ein unterdrückter Wutanfall: „Haben Sie den Missbrauch meines Buches in der Bild-Zeitung gesehen?“

Ranans Buch „Muslimischer Antisemitismus“ ist gerade im Dietz-Verlag erschienen und enthält Auszüge aus Interviews, die er über dreieinhalb Jahre mit mehr als 70 Muslimen in Deutschland und England, vor allem Akademikern, über ihre Einstellungen zu Juden geführt hat. Es enthält noch vieles andere, aber die Bild, die sich mit einer Kampagne zum muslimischen Antisemitismus zum Wortführer für viele beunruhigte Deutsche macht, präsentierte unter dem Titel „Wie Muslime in Deutschland über Juden denken“ nur die bizarrsten Zitate: Über Boykotte von Aldi und Coca-Cola, weil sie angeblich Juden gehören, über den Einfluss Israels auf deutsche Medien, über israelischen Organhandel mit palästinensischen Körperteilen.

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