US-Südstaaten: Rückkehr der Rassentrennung


foto: ap/will counts/arkansas democrat-gazette Unter wüsten Beschimpfungen und hasserfüllten Blicken macht sich die schwarze Studentin Elizabeth Eckford 1957 in Little Rock auf ihren Schulweg.
In Arkansas oder Alabama arbeiten Aktivisten, die nichts von gemeinsamen Schulen für Schwarz und Weiß halten, unverhohlen daran, die Uhren zurückzustellen

Frank Herrmann | derStandard.at

Terrence Roberts erinnert sich noch gut an den Tag, an dem sie Dr. Martin Luther King zu Onkel Martin gemacht haben, zu Ernest Greens Uncle Martin. Green wollte den Prediger unbedingt dabeihaben bei der feierlichen Zeugnisübergabe seiner Schule, im Quigley-Stadium in Little Rock, zumal der Anlass ein historischer war. Als erster Schwarzer in der Geschichte Little Rocks, als erster Schwarzer überhaupt in einer größeren Stadt des amerikanischen Südens, hatte der 18-Jährige seinen Abschluss an der Central High School gemacht.

Man schrieb das Jahr 1958, der Kongress in Washington rief die Weltraumbehörde Nasa ins Leben, der Süden aber stand noch immer im Zeichen der Rassentrennung. Greens Zeugnis also sollte gebührend gefeiert werden. Vier Jahre nach dem Urteil des Obersten Gerichtshofs, der im Fall Brown versus Board of Education entschied, dass getrennte Schulen für Weiße und Schwarze der Verfassung widersprechen, war es der nächste Meilenstein der Bürgerrechtsbewegung. Nach den Regeln der Schule, erzählt Roberts, durften aber nur Verwandte erscheinen. „Da haben wir Dr. King eben zu Onkel Martin erklärt“, sagt er und freut sich über das zustimmende Gelächter im Saal.

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