Die Schrulle der Evolution


Nacktmulle bekommen nie Krebs und überstehen schwere Verletzungen. (Foto: imago; Bearbeitung SZ)
Gesund und hässlich: An Nacktmullen wird geforscht, wie man gesund altern könnte. Die Tiere scheinen ewig jung zu bleiben und nie Krebs zu bekommen.

Von Christoph Behrens | Süddeutsche Zeitung

Trieben Tiere Mannschaftssport, ein Nacktmull würde wohl als letzter ins Team gewählt. Der Kopf ist kahl, die Haut hängt faltig vom haarlosen, wenige Zentimeter langen Leib. Aus dem Mund ragen zwei krumme Zähne. Die Augen liegen vergraben im Schädel und sehen nur starke Kontraste einigermaßen gut. Seine Ohren sind verkümmert, und mit den tapsigen Beinen schießt der Mull sicher kein Tor. Doch so unsportlich und ältlich sie aussehen mögen – ausgerechnet Nacktmulle könnten das Geheimnis dauerhafter Gesundheit und ewiger Jugend in sich tragen.

„Nacktmulle sind für mich die Ikonen des gesunden Alterns“, sagt Thomas Hildebrandt. Der Biologe steht im Keller des Berliner Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) und inspiziert eine seiner zwölf Nacktmullkolonien. Der künstliche Bau ist ein Sammelsurium zylinderförmiger Plastikbehälter, die mit durchsichtigen Röhren miteinander verbunden sind. Wärmestrahler halten den Bau konstant auf einer Temperatur von 32 Grad Celsius. An der Scheibe pappt ein Zettel mit dem Namen der Kolonie: Mullorca.

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