TV-Kritik: Hart aber fair: Im Worte-Tsunami


Im Zentrum der Diskussion: Enissa Amani (3. v.l.), Entertainerin und Tochter iranischer Eltern Bild: WDR/Dirk Borm
Am Beispiel der Entertainerin Enissa Amani erlebten die Zuschauer, wie Integration gelingen kann. Bei ihrem Tempo hätte sogar eine legendäre Quasselstrippe kaum mithalten können. Aber eigentlich ging es ja um den Islam.

Von Frank Lübberding | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Woran merkt ein Autor, dass er älter wird? Unter Umständen am „erhöhten Harmoniebedürfnis“, so Frank Plasberg. Bisweilen werden aber auch Erinnerungsschichten aktiviert, die Jüngeren verborgen sein müssen. Sie waren schlicht noch nicht geboren, als es der Autor erlebte. So fühlte er sich gestern Abend staunend an die im Jahr 1995 verstorbene Gisela Schlüter erinnert. Sie hatte in ihren Fernsehauftritten mit hinreißender Komik die ewige Quasselstrippe parodiert. Die Kabarettistin und Schauspielerin sprach in einem irrwitzigen Tempo, sprichwörtlich ohne Punkt und Komma, dafür mit über 480 Silben in der Minute, wie der „Spiegel“ damals in seinem Nachruf anmerkte. Das, was sie sagte, wirkte vor allem durch die Art, wie sie es formulierte.

Jüngere können sich an Gisela Schlüter nicht mehr erinnern. Sie bekamen aber eine Ahnung von ihrem Temperament, wenn sie bei Plasberg der Entertainerin Enissa Amani zuhörten. Diese war in ihrem Redefluß kaum zu bändigen. Selbst der Moderator musste sich mit einem virtuellen blauen Helm behelfen, um Frau Amani mit der bewährten Taktik der Verblüffung in höchster Not zu stoppen.

weiterlesen