Attacke in Münster: „Amoklauf. Davon kann man hier sicher reden“


Nach Amokfahrt in Münster: Kerzenlichter nahe des Tatorts. (Foto: dpa; Bearbeitung SZ)
Warum ist es falsch, Gewalttaten vorschnell auf psychische Störungen zurückzuführen – wie es im Fall Münster geschehen ist? Fragen an den Psychiater Thomas Pollmächer.

Interview von Ronen Steinke | Süddeutsche Zeitung

Nach der tödlichen Attacke eines Mannes in Münster am Samstag suchen Ermittler weiter nach dem Tatmotiv. Der 48-jährige Täter Jens R., der mit einem Campingbus in eine Menschengruppe raste, ist tot. Es handele sich um einen „psychisch gestörten, labilen Täter“, der „offensichtlich schon länger darüber nachgedacht hat, sich selbst auch das Leben zu nehmen“, sagte Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) am Tag nach der Tat.

SZ: Herr Pollmächer, was stört Sie an der Aussage, dass die Tat in Münster von einem psychisch auffälligen Deutschen begangen wurde?

Thomas Pollmächer: Wenn in der Öffentlichkeit betont wird, dass der Täter psychische Probleme hatte, dann wird damit ein Zusammenhang insinuiert: eine Nähe zwischen psychischer Erkrankung und bösartigem Verhalten. Dieser Zusammenhang existiert statistisch nicht. Und es ist extrem stigmatisierend gegenüber psychisch Kranken, wenn sie sich mit solchen Tätern in einen Topf geworfen sehen.

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