Der schwierige Ausstieg aus dem Sekten-Gefängnis


Bhagwan-Anhänger lauschen den Worten ihres Gurus. Bild: keystone
Nach dem ersten Höhenflug folgt die Skepsis – und später die kritische Auseinandersetzung. Sektenaussteiger machen oft ähnliche Entwicklungen durch. Nicht selten ist jedoch auch der Ausstieg kein endgültiger Ausweg.

Hugo Stamm | watson.ch/blogs

Mitglieder von strenggläubigen Gruppen fallen aus allen Wolken, wenn ihre Gemeinschaft als Sekte eingestuft wird: «Ich, ein Sektenanhänger? Das ist völlig absurd», antworten sie aus tiefster Überzeugung. «Sekten sind alle anderen Bewegungen, aber doch nicht wir!»

Zur religiösen oder ideologischen Überzeugung – «wir sind auserwählt und vertreten den einzig wahren Glauben» – kommt die gefühlsmässige Konditionierung. Frisch rekrutierte Gläubige erleben in der Regel ein überwältigendes emotionales Schaumbad, oft eine wahre Euphorie.

Die vermeintliche Gewissheit, die religiöse Wahrheit und die auserwählte Gemeinschaft gefunden zu haben, lassen die Gefühlswelt explodieren. Alle Sorgen und Nöte fallen von den Missionierten ab, die rosige Zukunft schillert in den schönsten Farben und ist auf alle Ewigkeit gesichert, glauben sie. Die Glücksgefühle sind mit dem Zustand des Verliebtseins zu vergleichen.

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