Religionskritik unter Polizeischutz


Der Islamwissenschaftler Hamed Abdel-Samad (2015 bei einer Veranstaltung in Weil) hat ein neues Buch mit dem Titel „Integration – Ein Protokoll des Scheiterns“ veröffentlicht. Foto: Martina David-Wenk
Der Grüne Cem Özdemir und der Islamwissenschaftler Hamed Abdel-Samad diskutieren in Berlin über deutsch-türkische Erdogan-Anhänger, Religionsfreiheit und Integration durch Bildung.

Von Bernhard Walker | Badische Zeitung

Es sind nicht zwei oder drei, sondern fünf. Fünf Personenschützer des Kriminalamts sind an diesem Abend in der Berliner „Urania“ zu sehen. Mitarbeiter der 130 Jahre alten Bildungsstätte durchsuchen die Taschen der Besucher, die hören wollen, was der Islamwissenschaftler Hamed Abdel-Samad und Cem Özdemir zum Thema „Integration“ zu sagen haben. Weil Abdel-Samad über Parallelgesellschaften, salafistische Umtriebe sowie arabische Clans und Islamisten schreibt, die zusammen einzelne Stadtteile kontrollierten, steht er unter Polizeischutz: In einem Rechtsgutachten, einer Fatwa, sprach sich ein ägyptischer Geistlicher 2013 für die Tötung Abdel-Samads aus. Gegen religiöse Fanatiker, wie er sie nennt, und den türkischen Nationalismus kämpft auch Özdemir. Auch der frühere Grünen-Chef wird dafür angefeindet und von Leibwächtern begleitet. Der Abend in der „Urania“ zeichnet somit ein trauriges Bild: Religionskritik kann sich nur in einer Art Hochsicherheitszone abspielen.

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