Stalins Machtfantasien über die Natur


Die stalinistische Wissenschaftspolitik steht im Fokus von Simon Ings‘ „Triumph und Tragödie“. (Cover: Hoffmann und Campe, Hintergrund: dpa, Collage: dlf Kultur)
Stalin schien alles seiner persönlichen Macht unterzuordnen. Auch in die Naturwissenschaften regierte der Diktator hinein – mit verheerenden Folgen. Der britische Wissenschaftsjournalist Simon Ings erzählt in „Triumph und Tragödie“ die Geschichte der Sowjetunion aus dem Blickwinkel von Wissenschaftlern.

Von Michael Schornstheimer | Deutschlandfunk Kultur

Wie nah Verachtung und Schwärmerei doch oft beeinander liegen: Wissenschaftlich wollte der Marxismus sein! Die vollkommene Gesellschaft und ein neuer Mensch waren das Ziel. Sozialismus ist Wissenschaft, befand Stalin. Sein Vorgänger Lenin hielt die sogenannten „Intelligenzler“ für Lakeien des Kapitals, die sich nur einbildeten, das Hirn der Nation zu sein. In Wirklichkeit seien sie „Dreck“.

Haß und Verehrung! Bereits 1919 existierten mehr als einhundert sogenannte „Volksuniversitäten“. Und als Stalin 1953 starb, hinterließ er einen riesigen, hervorragend ausgestatteten Forschungsapparat. Insofern ist die Idee vielversprechend, die Geschichte der Sowjetunion aus dem Blickwinkel von Wissenschaftlern zu erzählen.

Pflanzenphysiologie war überlebenswichtig

Der britische Wissenschaftsjournalist Simon Ings beschäftigt sich in seiner 600-seitigen Studie vor allem mit der sowjetischen Biologie, insbesondere der Pflanzenphysiologie und der Rolle der Genetik, ein existenzielles Thema für die Menschen in der Sowjetunion:

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